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Review: Three Billboards outside Ebbing, Missouri

poster_TBOEMMan wusste zwar irgendwie, was einen erwartet, und wurde dennoch immer wieder überrascht. Die Story an sich ist zwar schnell erzählt, aber dennoch originell – ein durchaus selten gewordenes Charakteriskum dieser Tage. Was McDonagh dabei aus dieser Story auch noch herausholt, ist in nahezu allen Belangen überzeugend. Dies liegt insbesondere an den Charakteren, dessen Zeichnung schon immer zu seinen Stärken gezählt haben. Es gibt hier im Prinzip keine klassischen Protagonisten und Antagonisten. Mit dem alkoholsüchtigen, rassistischen Muttersöhnchen hat man plötzlich Mitleid, die Handlungen der eigentlichen „Heldin“ der Geschichte stellt man schließlich in Frage – wir sehen hier (wenn auch angesichts des Genres freilich überzeichnet), Menschen, die aus dem Leben genommen werden, nicht aus dem Drehbuch-Setzbaukasten. Das Handeln der Menschen ist ambivalent. Und das macht den Film greifbar, macht ihn trotz aller Überzeichnungen irgendwie authentisch. Entscheidend trägt dazu ein glänzend aufgelegtes Ensemble bei. Fances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell – man kann sich gar nicht entscheiden, wer hier der beste von allen ist. Ganz stark gespielt von allen Beteiligten.

Besonders gelungen ist auch der Ton des Films, seine Stimmung. Es ist eine hoch-emotionale, dramatische Geschichte, die aber teilweise bis ins Absurde getrieben wird und durch ihre Skurilität im Stile der Coen-Brüder immer wieder zum Lachen verführt. Ist es deswegen eine Tragikkomödie? Schwierig zu sagen. Der Film lässt sich nur ungern in eine Schublade stecken – auch das macht ihn vermutlich so gut. Die eigentliche Hauptfigur ist dabei fast schon der brilliant von Rockwell porträtierte Charakter des Polizisten Dixon. Ein ungebildeter, weißer Prolet, der von den gesellschaftlichen Entwicklungen unserer Zeit abgehängt wurdes und seine unverarbeiteten Komplexe im Dienst vornehmlich an Schwarzen auszulassen gedenkt. Es ist vermutlich kein Zufall, dass der Schauplatz der Geschichte nach Missouri gelegt wurde – einem klassischen, sog. „Flyover“-State im Mittleren Westen, in dem Hillary Clinton bei der vergangenen Präsidentschaftwahl eine der schlechtesten Ergebnisse eines demokratischen Kandidaten aller Zeiten aufzuweisen hatte.

Einziger kleiner Kritikpunkt, den ich anzubringen hätte, liegt vielleicht am Ende bzw. an dem Zeitpunkt, der dafür gewählt wurde. Eine Szene etwa zehn Minuten vor Schluss hat für mich den besseren, eindrucksvolleren Schlussakt dargestellt. Alles, was danach kam, fühlte sich sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch nicht mehr so passend an. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

9/10

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