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Review: The Dark Knight Rises (7,5/10)

»The Dark Knight Rises« hatte nach dem kongenialen Vorgänger-Film ein schweres Erbe anzutreten. Letztlich gelingt Christopher Nolan ein gelungener Abschluss einer insgesamt beeindruckenden Trilogie, nichtsdestotrotz ist der dritte der Teil der schwächste Vertreter dieser Reihe geworden.

Vor allem zu Beginn des Films merkt man ihm die großen Fußabdrücke an, die »The Dark Knight« hinterlassen hat. Etwas gezwungen versucht man, direkt an den Vorgänger anzuknüpfen, zugleich jedoch die Handlung des eigenen Teils einzuleiten. Und so verstrickt man sich zunächst etwas zu lange mit Nebenplots und der Einführung zahlreicher neuer Charaktere. Zugleich gelingt es nur bedingt, Bruce Wayne als wirklich gebrochenen Mann darzustellen. Hier verpasst der Film die düstere Wirkung stärker zu entfalten, hier verschenkt er möglicherweise etwas Potenzial. Ingesamt lässt sich feststellen, dass ­»The Dark Knight Rises« zu lange braucht, um Fahrt aufzunehmen, und sich ein paar Minuten zu viel Zeit für die Einleitung nimmt.

Die zweite Hälfte des Films entfaltet jedoch schließlich die Qualität, auf die der Zuschauer wartete. Hier beginnt »The Dark Knight Rises­« wirklich zu überzeugen. Es wurde spannend, episch, emotional. Im Grunde könnte man streng genommen sagen, dass der Film erst in der zweiten Hälfte wirklich beginnt. Gekonnt schafft es Nolan zudem, den aktuellen Zeitgeist zu treffen und aktuelle politische Ereignisse wie die Wirtschaftskrise und die allgegenwärtige Bedrohung durch den Terrorismus zu thematisieren.

Bane erreicht als Bösewicht nicht die Faszination eines Jokers, erweist sich dennoch als perfekter Antagonist für den Abschluss der Trilogie. Hier kommt es auch zu Gute, dass Nolan auf Bane nicht nur als hirnlose Kampfmaschine setzt, wie es Joel Schumacher im völlig überdrehten »Batman&Robin« tat. Während er dort zu einer Dumpfbacke verkam, orientiert sich Nolan viel stärker an der Comicvorlage, wo Bane eben nicht nur körperlich, sondern auch geistig Batman überlegen zu sein scheint. Mit Tom Hardy wurde für die Rolle auch ein großartiger Schauspieler gecastet, wobei dessen darstellerischen Fähigkeiten in diesem Fall nur bedingt wirklich erkennbar sind. Aber allein seine Präsenz – und zwar eben nicht nur die physische – schafft Tom Hardy absolut überzeugend rüberzubringen.

Von Catwoman war ich ehrlich gesagt nie ein großer Fan. Anne Hathaway kann in der Rolle durchaus überzeugen, aber der Charakter an sich fixt mich einfach nicht an. Zudem stellt sich die Frage, ob Catwoman für die Handlung wirklich notwendig gewesen wäre. Positiv überrascht hat mich Joseph Gordon-Levitt beziehungsweise dessen Rolle als Blake. Als damals die Castingmeldung kam, dass mit ihm eine weitere Hauptrolle besetzt wurde, war ich ob der ohnehin schon befürchteten Überladenheit skeptisch. Doch erweist sich sein Charakter und sein Schauspiel als absolute Bereicherung für den Film.
Bei so vielen neuen und alten Charakteren steht außer Frage, dass selbst bei einer Laufzeit von 164 Minuten einige zu kurz kommen. So verkommt Morgan Freeman/Lucius Fox in »The Dark Knight Rises« etwas zu einem Stichwortgeber und auch Gary Oldman und Michael Caine erhalten deutlich weniger Screentime als in den Vorgängerfilmen.

Fazit: »The Dark Knight Rises« hält sich zunächst zu lange mit der Einführung auf und braucht eine ganze Weile um Fahrt aufzunehmen. Vor allem zu Beginn merkt man ihm durchaus auch das schwere Erbe an, das ihm der kongeniale Vorgängerfilm hinterlassen hat. Die zweite Hälfte weiß dafür jedoch umso mehr zu überzeugen, hier spielt der Film seine ganze Qualität aus. Stellenweise wirkt »The Dark Knight Rises« nicht zuletzt aufgrund der Vielzahl an nicht unbedeutenden Charakteren eventuell etwas überladen, aber im Grunde schafft er es schon, eine ganz gute Balance zu finden. Den an manch anderer Stelle geäußerten Kritiken zum Ende kann ich mich nicht unbedingt anschließen.
Insgesamt betrachtet ist er zwar der schwächste Film der gesamten Trilogie, dennoch aber zweifelsohne ein würdiger Abschluss für die großartige »Dark Knight«-Reihe. Gekonnt thematisiert Nolan Terrorismus, Wirtschaftskrise und andere aktuelle Ereignisse. Ich denke mit der gesamten Trilogie hat er den Zeitgeist absolut getroffen.

7,5/10

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Review: Bronson

Basierend auf einer wahren Begebenheit erzählt Bronson die Geschichte von Michael Peterson (Tom Hardy), dem berüchtigtsten und gefährlichsten Häftling Großbritanniens. Von klein auf das Ziel anstrebend, berühmt zu werden, allerdings ohne gesangliches oder schauspielerisches Talent gesegnet zu sein, findet er im Kämpfen seine Berufung. Der Titel des Films ist auf seinen Kampfnamen Charles Bronson zurückzuführen, den er sich angelehnt an den Hollywood-Schauspieler gleichen Namens zulegte.

Wer Regisseur Nicolas Winding Refn und seine Filme wie Pusher oder Valhalla Rising kennt, der weiß, dass er auch bei Bronson kein Mainstream-Kino zu erwarten hat. Und so liefert er mit Bronson einen sehr speziellen und eigenwilligen Film ab, dessen skurrile und bizarre Inszenierung an einigen Stellen jedoch einfach übertreibt und so an der Grenze des Erträglichen kratzt.

Als gewiefter inszenatorischer Schachzug erweist sich die Erzählweise, in der Peterson/Bronson sich auf einer Bühne präsentiert und seine Geschichte dem Publikum erzählt. Damit durchbricht er im Grunde die sog. vierte Wand und wendet sich direkt an den Zuschauer. Zugleich überrascht Refn immer wieder durch besondere Einfälle, etwa wenn Tom Hardy eine kurze Gesangseinlage schmettert, während im Hintergrund auf einer Leinwand Originalfilmmaterial des von Bronson initiierten Aufstandes in der psychiatrischen Klinik Broadmoor zu sehen ist. Außerdem ist Film in mancher Hinsicht durchaus auch verstörend. Dabei kann der Tee servierende Bronson genauso verstörend sein wie der splitterfasernackt in seiner Zelle stehende Bronson, der völlig aufgedreht auf den Kampf gegen die heraneilenden Gefängniswärter wartet.

Der Soundtrack ist sehr gelungen, die Songs mit einer herrlich passenden Unpassendlichkeit für die jeweiligen Szenen ausgewählt. So ertönt eine Ballade der Walker Brothers zur Prügelszene am Anfang des Films, die Insassen einer psychiatrischen Anstalt geben ihre Tanzküste zu „It’s a Sin“ von den Pet Shop Boys zum Besten oder ein Stück aus einer Oper von Léo Delibes untermalt eine kunstvoll gestaltete Geiselnahme, bei der Bronson – einmal mehr splitternackt – seine künstlerischen Fähigkeiten an seiner gefesselten Geisel ausprobiert.

So wie die bizarre Inszenierung sind auch die Charaktere sehr überzeichnet, was die Beurteilung der schauspielerischen Leistungen mitunter natürlich erschweren kann. Nichtsdestotrotz kann Tom Hardy vollkommen überzeugen, ja sogar beeindrucken. Lachend, weinend, psychopathisch oder katatonisch – Hardy präsentiert gekonnt die mannigfaltigen Facetten des nicht ganz fassbaren, durchaus gestörten und muskelbepackten Schwerverbrechers.

Die Intention des Films bleibt am Ende jedoch irgendwie unaufgedeckt. Will er unterhalten? Aufklären? Mahnen? Oder will er Peterson/Bronson gar die Bühne geben, die dieser immer gesucht hat? Letzteres wäre natürlich mehr als fragwürdig, für ein reines Unterhaltungsprojekt ist der Film jedoch viel zu sehr bizarres Kunstkino. Will er also aufklären oder anmahnen? Aber was? Das System? Der Film bleibt letztlich nicht so richtig fassbar, womit Nicolas Winding Refn aber vielleicht auch genau die Parallele zu seinem Protagonisten ziehen wollte.

Fazit: Bronson ist ein bizarrer, mitunter verstörender Film, dessen Inszenierung in einigen Punkten zwar überzeugen kann, an einigen Stellen seine Bizarrheit und Skurrilität jedoch viel zu sehr auf die Spitze treibt und den Zuschauer am Ende seltsam unbeholfen über die Intention des Films im Dunkeln lässt.

5,5/10