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Review: Frankenweenie (USA 2012)

fraweSchon die erste Szene des Films macht dem Zuschauer klar, dass es sich bei Frankenweenie um eine Hommage an den Film, insbesondere an die B-Grusler der 50er und 60er Jahre, handelt. Zu Beginn noch als kleiner, selbst gemachter »Film im Film« eingebaut, wird dies durch Handlung und Inszenierung anschließend im gesamten Verlaufe deutlich, um im fulminanten Finale schließlich mit vielen Anspielungen auf die Klassiker des Genres aufzuwarten.

Es ist in meinen Augen zwar trotz der kurzen Laufzeit durchaus ein wenig zu spüren, dass hier ein Kurzfilm auf eine Spielfilmlänge gebracht werden musste, doch wird die ein oder andere Länge durch den versprühenden Charme des Ganzen ausgebügelt. Es ist schön zu sehen, dass Tim Burton es offenbar doch noch versteht, einen Film mit Seele zu produzieren.

In jeder Szene ist die Liebe zu spüren, mit der alle Beteiligten dieses Projekts zu Werke gingen – vermutlich bleibt das nicht aus, wenn im 21. Jahrhundert noch ein klassischer Stop-Motion-Film gedreht wird. Es muss wahrlich eine Heidenarbeit sein, jede einzelne Bewegung bei vierundzwanzig Bildern pro Sekunde per Handarbeit einzustellen.

Frankenweenie ist ein Film über Freundschaft und Verlust sowie die Verantwortung der Wissenschaften. »Wissenschaft kommt auch von hier«, sagt der sicher nicht zufällig an Vincent Price erinnernde Mr. Rzykruski an einer Stelle und führt die Hand an sein Herz. Aus moralischer Perspektive hätte ich mir dahingehend zwar noch ein etwas anderes Ende gewünscht, doch nichtsdestoweniger bleibt die Botschaft klar.

Mit viel Charme kehrt Tim Burton nach seinen letzten Ausflügen ins Reich der Blockbuster wieder zu seinen Wurzeln zurück. An seine ganz große Zeit kann auch Frankenweenie nicht anschließen, aber es ist schön zu sehen, dass er es offenbar noch nicht ganz verlernt hat.

7/10 

Review: The Artist

Ein Stummfilm im 21. Jahrhundert? Kann das funktionieren? Es kann, wie „The Artist“ beweist, sofern man sich darauf einlassen kann.

George Valentin (Jean Dujardin) ist Ende der 1920er Jahre der große Stummfilmstar der Filmwelt. Die Presse liebt ihn, die Frauen verehren ihn und das Publikum liegt ihm zu Füßen. Doch mit der Einführung des Tonfilms beginnt sein Absturz. Während die junge Statistin Peppy Miller (Bérénice Bejo), kurz zuvor von ihm selbst noch entdeckt, der neue Stern am Himmel Hollywoods wird, gerät Valentin in eine Abwärtsspirale, aus der er sich aus eigener Kraft nicht mehr retten zu können scheint…

Dem französischen Regisseur Michel Hazanavicius gelingt mit „The Artist“ eine wunderbare Hommage an die große Stummfilmära Hollywoods. Geschickt verwebt er vor allem handlungstechnisch moderne Stilmittel mit der klassischen Inszenierung der 20er Jahre.  Die Atmosphäre und der Flair aus der Frühzeit Hollywoods werden sehr schön transportiert.

Ab und an kann man dem Film die ein oder andere Länge nicht absprechen, doch liegt das weniger an der Inszenierung als Stummfilm, sondern eher daran, dass die doch eher seichte – und damit ebenfalls ganz im Stile der 20er Jahre gehaltene – Liebesgeschichte nicht durchgehend interessant gestaltet werden konnte. Ansonsten kann der Film jedoch auf der Handlungsebene überzeugen, auch wenn die Liebesgeschichte natürlich eng mit der Handlung um Valentins Absturz verbunden ist, keine Frage. Ingesamt gesehen hätte man „The Artist“ aber vielleicht auf achtzig bis neunzig Minuten straffen können.

Ich bin zwar weiterhin der Meinung, dass Leonardo DiCaprio als J. Edgar Hoover schauspielerisch vielleicht mehr gefordert wurde als Jean Dujardin in „The Artist“ und daher zumindest eine Nominierung bei der diesjährigen Oscar-Verleihung ebenfalls verdient hätte, nichtsdestotrotz schmälert diese Tatsache natürlich keinesfalls die starke darstellerische Leistung Dujardins. Zweifellos angelehnt an Douglas Fairbanks, dem großen Star der Stummfilmära Hollywoods, verzückt Dujardin vor allem mit seinem Spiel mit der Mimik und dem passend für die Zeit absichtlichen Overacting, kann dann aber wiederum gleichermaßen in seiner eher modernen Art zu Spielen überzeugen, wenn seine Rolle Valentin mehr und mehr in die Abwärtsspirale seines Absturzes hineingezogen wird.

Eine besondere, wenn auch augenzwinkernde Erwähnung sollte zudem sein tierischer Kollege bekommen. Valentins Hund, der ihn in seinen Filmen wie auch in seinem Privatleben stets zur Seite steht, ist nicht nur niedlich, sondern hat mit dem einen oder anderen Trick auch so manchen Lacher auf seiner Seite. Kompliment an Hund und Hundetrainer.

Mit James Cromwell und John Goodman konnte man noch zwei bekannte Namen für größere Nebenrollen oder kleine Hauptrollen engagieren. Vor allem letzterer überzeugt mit einer unheimlich guten Präsenz auf der Leinwand und beweist hervorragendes Gespür für Timing für Witz, der ohne Sprache funktionieren muss.

Fazit: „The Artist“ wird vermutlich aufgrund seiner Inszenierung als Stummfilm viele Zuschauer abschrecken. Doch mindestens die Hälfte derjenigen, die dennoch den Weg ins Kino finden, werden denke ich positiv überrascht sein. Natürlich haben wir heute ganz andere Seh- oder vielmehr Hörgewohnheiten. Nichtsdestotrotz kann „The Artist“ wirklich Spaß machen und unterhalten, wenn man denn gewillt ist, sich auf den Stummfilmcharakter einzulassen.

8/10