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Review: Flight (USA 2012)

fliJahrelang hat sich Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft) mit Motion-Capture-Filmen wie Der Polarexpress  oder Beowulf beschäftigt, nun kehrt er mit dem Alkoholismus-Drama Flight in die reale Spielfilmwelt zurück.

Es dauert einige Minuten, bis der Zuschauer sich eingefunden hat – vor allem die Frage nach der Notwendigkeit der Szenen um die Vorgeschichte Nicoles (Kelly Reilly) muss hier gestellt werden. Doch spätestens mit der spannungsgeladenen und packenden Inszenierung des Flugzeugunglücks wird auch der Letzte im Kinosaal abgeholt.

Anschließend nimmt der Film einiges an Fahrt (bzw. Flug) heraus. Was folgt ist ein mitreißendes Alkoholismus-Drama. Der Plot um den Flugzeugabsturz und die anschließenden Ermittlungen dient als Rahmen, um die gefährlichen Stimmungsschwankungen, die privaten Konsequenzen, die Verdrängung des Problems und den schwierigen Versuch zu zeigen, die Sucht zu besiegen. An dieser Stelle kann die schauspielerische Leistung von Denzel Washington (Training Day) nicht hoch genug gelobt werden. Schonungslos überzeugend stellt er alle Facetten eines Suchtkranken dar.

Prinzipiell ist Flight eine klassische amerikanische Schuld-und-Sühne-Geschichte, die sich jedoch durch eine interessante moralische Fragestellung von anderen Vertretern absetzen kann: Was ist höher zu bewerten, die Verantwortungslosigkeit des betrunkenen Flugkapitäns oder seine Rettung zahleicher Menschenleben? Dem Drehbuch kann vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas zu viel Zufall vorgeworfen werden, doch Flight ist zweifelsohne ein sehenswertes Melodram und ein gelungenes »Comeback« von Robert Zemeckis.

7/10

Review: The Artist

Ein Stummfilm im 21. Jahrhundert? Kann das funktionieren? Es kann, wie „The Artist“ beweist, sofern man sich darauf einlassen kann.

George Valentin (Jean Dujardin) ist Ende der 1920er Jahre der große Stummfilmstar der Filmwelt. Die Presse liebt ihn, die Frauen verehren ihn und das Publikum liegt ihm zu Füßen. Doch mit der Einführung des Tonfilms beginnt sein Absturz. Während die junge Statistin Peppy Miller (Bérénice Bejo), kurz zuvor von ihm selbst noch entdeckt, der neue Stern am Himmel Hollywoods wird, gerät Valentin in eine Abwärtsspirale, aus der er sich aus eigener Kraft nicht mehr retten zu können scheint…

Dem französischen Regisseur Michel Hazanavicius gelingt mit „The Artist“ eine wunderbare Hommage an die große Stummfilmära Hollywoods. Geschickt verwebt er vor allem handlungstechnisch moderne Stilmittel mit der klassischen Inszenierung der 20er Jahre.  Die Atmosphäre und der Flair aus der Frühzeit Hollywoods werden sehr schön transportiert.

Ab und an kann man dem Film die ein oder andere Länge nicht absprechen, doch liegt das weniger an der Inszenierung als Stummfilm, sondern eher daran, dass die doch eher seichte – und damit ebenfalls ganz im Stile der 20er Jahre gehaltene – Liebesgeschichte nicht durchgehend interessant gestaltet werden konnte. Ansonsten kann der Film jedoch auf der Handlungsebene überzeugen, auch wenn die Liebesgeschichte natürlich eng mit der Handlung um Valentins Absturz verbunden ist, keine Frage. Ingesamt gesehen hätte man „The Artist“ aber vielleicht auf achtzig bis neunzig Minuten straffen können.

Ich bin zwar weiterhin der Meinung, dass Leonardo DiCaprio als J. Edgar Hoover schauspielerisch vielleicht mehr gefordert wurde als Jean Dujardin in „The Artist“ und daher zumindest eine Nominierung bei der diesjährigen Oscar-Verleihung ebenfalls verdient hätte, nichtsdestotrotz schmälert diese Tatsache natürlich keinesfalls die starke darstellerische Leistung Dujardins. Zweifellos angelehnt an Douglas Fairbanks, dem großen Star der Stummfilmära Hollywoods, verzückt Dujardin vor allem mit seinem Spiel mit der Mimik und dem passend für die Zeit absichtlichen Overacting, kann dann aber wiederum gleichermaßen in seiner eher modernen Art zu Spielen überzeugen, wenn seine Rolle Valentin mehr und mehr in die Abwärtsspirale seines Absturzes hineingezogen wird.

Eine besondere, wenn auch augenzwinkernde Erwähnung sollte zudem sein tierischer Kollege bekommen. Valentins Hund, der ihn in seinen Filmen wie auch in seinem Privatleben stets zur Seite steht, ist nicht nur niedlich, sondern hat mit dem einen oder anderen Trick auch so manchen Lacher auf seiner Seite. Kompliment an Hund und Hundetrainer.

Mit James Cromwell und John Goodman konnte man noch zwei bekannte Namen für größere Nebenrollen oder kleine Hauptrollen engagieren. Vor allem letzterer überzeugt mit einer unheimlich guten Präsenz auf der Leinwand und beweist hervorragendes Gespür für Timing für Witz, der ohne Sprache funktionieren muss.

Fazit: „The Artist“ wird vermutlich aufgrund seiner Inszenierung als Stummfilm viele Zuschauer abschrecken. Doch mindestens die Hälfte derjenigen, die dennoch den Weg ins Kino finden, werden denke ich positiv überrascht sein. Natürlich haben wir heute ganz andere Seh- oder vielmehr Hörgewohnheiten. Nichtsdestotrotz kann „The Artist“ wirklich Spaß machen und unterhalten, wenn man denn gewillt ist, sich auf den Stummfilmcharakter einzulassen.

8/10