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Review: Flight (USA 2012)

fliJahrelang hat sich Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft) mit Motion-Capture-Filmen wie Der Polarexpress  oder Beowulf beschäftigt, nun kehrt er mit dem Alkoholismus-Drama Flight in die reale Spielfilmwelt zurück.

Es dauert einige Minuten, bis der Zuschauer sich eingefunden hat – vor allem die Frage nach der Notwendigkeit der Szenen um die Vorgeschichte Nicoles (Kelly Reilly) muss hier gestellt werden. Doch spätestens mit der spannungsgeladenen und packenden Inszenierung des Flugzeugunglücks wird auch der Letzte im Kinosaal abgeholt.

Anschließend nimmt der Film einiges an Fahrt (bzw. Flug) heraus. Was folgt ist ein mitreißendes Alkoholismus-Drama. Der Plot um den Flugzeugabsturz und die anschließenden Ermittlungen dient als Rahmen, um die gefährlichen Stimmungsschwankungen, die privaten Konsequenzen, die Verdrängung des Problems und den schwierigen Versuch zu zeigen, die Sucht zu besiegen. An dieser Stelle kann die schauspielerische Leistung von Denzel Washington (Training Day) nicht hoch genug gelobt werden. Schonungslos überzeugend stellt er alle Facetten eines Suchtkranken dar.

Prinzipiell ist Flight eine klassische amerikanische Schuld-und-Sühne-Geschichte, die sich jedoch durch eine interessante moralische Fragestellung von anderen Vertretern absetzen kann: Was ist höher zu bewerten, die Verantwortungslosigkeit des betrunkenen Flugkapitäns oder seine Rettung zahleicher Menschenleben? Dem Drehbuch kann vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas zu viel Zufall vorgeworfen werden, doch Flight ist zweifelsohne ein sehenswertes Melodram und ein gelungenes »Comeback« von Robert Zemeckis.

7/10

Review: The Impossible (ES 2012)

impAm 26. Dezember 2004 schockierte die Meldung von dem Tsunami in Südostasien die ganze Welt. Ein Erdbeben im Indischen Ozean hatte eine Riesenwelle zur Folge, die letztlich 225.000 Menschen das Leben kosten sollte. Der spanische Regisseur Juan Antonio Bayona (Das Weisenhaus) hat sich dieses Szenarios nun angenommen und mit The Impossible ein mitreißendes Familiendrama geschaffen.

Vor allem die Inszenierung der Monsterwelle gehört zweifelsohne zu den intensivsten Kinoerlebnissen der letzten Jahre. Eine dröhnende Geräuschkulisse, überzeugende Kameraarbeit – und mittendrin eine beeindruckend agierende Naomi Watts, die für ihre Leistung in The Impossible in diesem Jahr nicht zu Unrecht für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert ist. Nicht zuletzt dank ihrem herzzerreißenden Spiel der puren Verzweiflung schaffen es Bayona und sein Kameramann Óscar Faura (Biutiful) auch durch den starken Kontrast zur vorher gezeigten Schönheit eindrucksvoll einzufangen, wie die Hölle das Paradies traf. Schonungslos wird anschließend die physische Brutalität gezeigt. Offene Wunden, körperliche Schmerzen, angespülte Leichen – nichts für schwache Nerven.

Leider wurde dem physischen Leiden und den anschließenden psychischen Qualen nicht dieselbe notwendige Aufmerksamkeit geschenkt. Die Szenen nach dem Rückzug der Monsterwelle wirken teilweise wie eine Last, eine ungewollte Notwendigkeit und verlieren sich etwas im Kitsch – auch wenn ich diesen grundsätzlich für diese Art Film durchaus als noch im Rahmen befindlich bezeichnen würde.

Als etwas problematisch sehe ich zudem den ausschließlichen Fokus auf Opfer der westlichen Welt an. Neben der ohnehin im Mittelpunkt stehenden Familie um Maria (Naomi Watts) und Henry (Ewan McGregor) sehen wir Opfer aus Deutschland, Niederlande, Italien und anderen westlichen Ländern. Vom Schicksal der einheimischen Bevölkerung, dessen Überlebende nicht in einen einigermaßen geregelten Alltag in ihre Heimat ausgeflogen werden können, erfahren wir nichts.

Die einseitige Darstellung kann angeprangert werden, The Impossible bleibt aber ein packend inszeniertes, mitreißendes Familiendrama, das nicht zuletzt mit ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen aller Beteiligten (neben Watts soll an dieser Stelle vor allem Nachwuchsschauspieler Tom Holland erwähnt werden) glänzen kann und vor allem in der ersten Hälfte unglaublich intensiv ist.

6,5/10