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Review: Prometheus – Dunkle Zeichen

Geheimnisumwittert ging »Prometheus« in Produktion. Würde Ridley Scotts Rückkehr ins Science-Fiction-Genre ein »Alien«-Prequel werden? Ist es ein eigenständiger Film? Wie viel »Alien« steckt in »Prometheus«? Letztlich sind die Fragen nur bedingt von Belang. Fakt ist: »Prometheus« ist ein bildgewaltiges SciFi-Epos geworden!

Imposante Landschaftsaufnahmen eröffnen den Film. Weite Täler, hohe Gebirge, ruhige Seen, gewaltige Wasserfälle. Schon von Beginn an wird der Zuschauer durch diese faszinierenden Eindrücke in seinen Bann gezogen. Dann erscheinen mysteriöse Gestalten und schnell wird klar: Das hier ist ganz sicher kein neuer Teil des Doku-Highlights »Unsere Erde«.

Audiovisuell ist der gesamte Film schlichtweg atemberaubend. Auch im zarten Alter von 74 Jahren hat Ridley Scott regietechnisch nichts von seiner Klasse verloren. Der imposanten Eröffnungsszene folgt zunächst eine grandios gefilmte, atmosphärische erste Hälfte. Langsam wird eine faszinierende Mythologie aufgebaut, zugleich werden »Alien«-Fans immer wieder auf Anspielungen treffen. Vorsichtig, aber einem Blockbuster im 21. Jahrhundert angemessen, baut sich das Unheil auf, von dem der Zuschauer weiß, dass es unmittelbar bevorstehen muss.

In der Mitte des Films gibt es schließlich einen Bruch und die zweite Hälfte wird der ersten nicht mehr ganz gerecht. Hier verrennt sich »Prometheus« etwas zu sehr in einer Art Monsterhorror. Vielleicht hier und da etwas zu trashig, wissen jedoch auch diese Szenen im Großen und Ganzen zu gefallen – und gehören ja irgendwie auch zum »Alien«-Franchise dazu. Zartbesaitete dürften in der zweiten Hälfte das ein oder andere Mal die Hände vor die Augen legen. Freunde des gepflegten Ekels hingegen können sich auf die vermutlich jetzt schon kultige Operations-Szene freuen.

Die Protagonisten sind zumindest was die Nebencharaktere betrifft mitunter vielleicht etwas zu stereotyp angelegt. Und bei einigen Aussagen und Handlungen fragt man sich schon, wie der ein oder andere Wissenschaftler wirklich zu den Besten seines Faches gehören soll. Was die Besetzung betrifft, geben sich bekannte Namen die Klinke in die Hand. Freilich kann aber nicht jeder gleichermaßen gefordert werden. Schauspielerisch besonders glänzen können vor allem Noomi Rapace als Quasi-Nachfolgerin von Sigourney Weaver und Michael Fassbender (den ich mir als künftigen Bonddarsteller wünschen würde) als Android David – dem vielleicht interessantesten und undurchschaubarsten Charakter des Films. Gefreut habe ich mich zudem über Guy Pearce, den ich sehr schätze und der meiner Meinung nach insgesamt viel zu wenig Beachtung erhält. Im vorliegenden Fall stellt sich jedoch die Frage, ob seine Besetzung angesichts seines Alters wirklich sinnvoll gewesen ist.

Was den 3D-Effekt angeht, sieht man auf Anhieb, dass der Film nicht nachträglich konvertiert, sondern komplett in 3D gedreht wurde. Zugleich erkennt man, dass mit Ridley Scott ein gescheiter Regisseur am Werke ist, der den Effekt richtig einzusetzen weiß. Wer ständig etwas in Richtung Zuschauer Ragendes oder Fliegendes erwartet, wird enttäuscht werden. Derartige Gimmicks sucht man in »Prometheus« glücklicherweise vergeblich. Scott verwendet es nicht als ablenkende Spielerei, sondern ausschließlich zur Darstellung der räumlichen Tiefe. So und nicht anders sollte es sein! Wer 3D nur als Gimmick betrachtet und erwartet, immer wieder etwas auf sich zufliegen zu sehen, der sollte sich den 3D-Aufschlag vielleicht lieber für den kommenden »Resident Evil«-Teil oder den ein oder anderen Animationsfilm aufsparen.

Fazit: »Prometheus« ist etwas weniger tiefgründig geworden als erhofft und die actionreiche zweite Hälfte wird der ersten nicht ganz gerecht, doch was uns Ridley Scott  bei seiner Rückkehr in das Science-Fiction-Genre präsentiert ist gehobenes Blockbuster-Kino von einem Meister seines Faches. Wer mit der Erwartung ins Kino geht, ein reines »Alien«-Prequel zu schauen, wird vermutlich enttäuscht werden – »Prometheus« ist durchaus ein eigenständiger Film, der eine neue, faszinierende Mythologie einführt. Dennoch war ich sogar ehrlich gesagt positiv überrascht, dass die Filme durchaus mehr Verknüpfungen zueinander aufweisen können, als ich nach den Aussagen der Beteiligten und den ersten Kritiken eigentlich gedacht hätte. Audiovisuell ist der Film wahnsinnig beeindruckend. »Prometheus« ist ein bildgewaltiges Science-Fiction-Epos, der seine ganze Wirkung sicher nur auf der großen Leinwand entfalten kann. Ein paar essenzielle Fragen werden leider nicht aufgeklärt, doch angesichts der bereits geplanten Fortsetzung kann ich das nur bedingt als Schwachpunkt in die Bewertung einfließen lassen.

8,5/10

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Review: Im Tal von Elah

Ein junger Mann tritt der US-Army bei. Er dient in Bosnien, es folgt ein Einsatz im Irak. Dort ist er in Kampfhandlungen verwickelt, bleibt aber unverletzt. Doch seine Rückkehr in die Heimat sollte er schließlich nur kurz überleben. Nicht dem Krieg, sondern einem Verbrechen sollte er zum Opfer fallen.

Hank Deerfield (Tommy Lee Jones) bekommt eines Morgens einen Anruf vom Stützpunkt seines Sohnes Mike (Jonathan Tucker). Dieser ist seit einigen Tagen aus dem Irak zurück, ist aber nun nach einem Ausgang nicht mehr zurückgekehrt. Hank begibt sich auf die Suche nach ihm, muss jedoch bald feststellen, dass sein Sohn ermordet wurde. Mit Unterstützung der Polizistin Emily Sanders (Charlize Theron) versucht er auf eigene Faust die Ansicht der Militärpolizei zu widerlegen, die in dem Fall ein Verbrechen innerhalb des Drogenmileus sehen.

Was im ersten Moment wie ein Kriminalfilm klingt, erweist sich schon recht bald als viel mehr als das. „Im Tal von Elah“ ist sowohl ein Whodunit-Thriller der etwas anderen Art, als auch ein Anti-Kriegs-Film der etwas anderen Art. Bis auf wenige, wacklig gefilmte Handyvideos aus dem Irak gibt es keine Szenen aus dem Kriegsgebiet. Dennoch stehen die psychologischen Auswirkungen des Krieges deutlich im Fokus des Films.

 “It doesn’t matter if you thought going into Iraq was right or wrong,“ he says. “Let’s set all that aside and ask, ‚What’s the hidden human cost?’“

– Paul Haggis, EW (15. August 2007)

Regisseur und Drehbuchautor Paul Haggis mag in seinem Film keine politische Botschaft erkennen. Doch kann nicht geleugnet werden, dass „Im Tal von Elah“ letztlich durchaus ein Appell gegen den Krieg ist. Ich würde ihm jedoch insofern Recht geben, dass es nicht explizit um die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Irakkrieges geht. Der Film fragt vielmehr nach den Auswirkungen von Kriegen im Allgemeinen – und zwar nach den Auswirkungen, die in den Medien letztlich viel zu wenig thematisiert werden. In den USA vermutlich noch viel weniger als hier bei uns. Wir hören Zahlen von Opfern oder erfahren von erfolgreichen Gebietseroberungen. Doch der Krieg deckt die tiefsten Abgründe der menschlichen Psyche auf. Und hat sich solch ein Riss erst einmal aufgetan, ist es vermutlich nahezu unmöglich, ihn jemals wieder vollständig zu heilen. Dies wird den Soldaten spätestens klar, wenn sie wieder nach hause kommen und sich plötzlich einem geregelten Alltag gegenübersehen.
Und schon Nietzsche sagte: „Wenn du lange genug in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund irgendwann in dich hinein.“ Ich werde mich hüten zu behaupten, dass Nietzsche dabei an eine solche Situation gedacht hat, doch ist die Zweckdienlichkeit dieses Zitates für diesen Fall nicht zu leugnen.

Haggis inszeniert seinen Film als langsames Charakterdrama. Im Mittelpunkt steht Hank Deerfield und wie er mit der Situation zurecht kommt. Zum einen, wie er den Tod seines Sohnes verarbeitet, zum anderen jedoch auch, wie sein Weltbild Schritt für Schritt ins Wanken gerät. Hank ist ein patriotisch-militaristischer Kriegsveteran, der die Einsätze der US-Streitkräfte für richtig hält, muss im Laufe des Films jedoch mehr und mehr akzeptieren, dass er seine Einstellung durchaus in Frage zu stellen hat.

Entscheidend für die Authentizität eines solchen Charakterdramas ist natürlich nicht zuletzt die Besetzung. Mit Tommy Lee Jones konnte Haggis eine wahre Schauspielgröße für die Rolle des Hank Deerfield arrangieren, der sicherlich nicht zu Unrecht für seine intensive Darbietung eine Oscarnominierung erhielt. Ihm an die Seite gestellt wird Charlize Theron, die mich immer wieder aufs Neue beeindruckt. Es ist einfach ein Genuss, ihr beim Schauspiel zuzusehen und man kann es nicht oft genug loben, dass sie es nicht nötig hat, sich aufgetakelt und gestylt in ihren Filmen zu präsentieren. Großartige Schauspielerin, bei der ich mich immer noch Frage, weshalb sie meinte, sich für „Aeon Flux“ verpflichten zu müssen.
„Im Tal von Elah“ ist zudem bis in die kleinste Nebenrolle stark besetzt. Sei es Susan Sarandon als Ehefrau von Hank und Mutter des verstorbenen Mike oder auch Josh Brolin als Polizeichief, der im Grunde nur wenige Minuten Screentime hat.

Durch die langsame und ruhige Erzählweise schleicht sich bei einer Laufzeit von 120 Minuten allerdings durchaus die eine oder andere Länge ein. Und als kleines Manko sehe ich die etwas unterkühlte Stimmung des Films. Während in Haggis’ oscarprämiertem „L.A. Crash“ die Emotionalität einer der Schwerpunkte war, bringt er solches in „Im Tal von Elah“ nur vereinzelt unter. Dabei hätte sich die Thematik dafür mehr als angeboten. Möglicherweise sah er darin aber auch ein bewusstes Stilmittel zur Untermauerung seiner Botschaft.

„Im Tal von Elah“ ist sicher nicht für jedermann geeignet. Ein stückweit kommt es allerdings auch auf die Erwartungshaltung an. Wer nach dem Lesen der Plotbeschreibung einen klassischen Kriminal-Thriller erwartet, wird große Gefahr laufen, enttäuscht zu werden. „Im Tal von Elah“ ist in erster Linie ein Charakterdrama und eine Auseinandersetzung mit dem (Irak)krieg und seinen Auswirkungen auf den Menschen.

8/10