Review: Rock of Ages

Rock of Ages ist letztlich schon ein klarer Fall von „Potenzial verschenkt“. Der Film war zweifelsohne amüsant und nett anzuschauen – würde man jedoch den Soundtrack streichen, bliebe nicht allzu viel übrig. Da hätte man mehr draus machen können und müssen.

Der Mainplot ist schnell erzählt: Junges Mädchen mit Talent aus Oklahoma kommt nach Hollywood, um ganz groß raus zu kommen. Das hat man schon rund einhundertsiebenundzwanzig Mal gesehen und ist somit weit davon entfernt, originell zu sein. Der Film muss somit versuchen, an anderer Stelle zu punkten. Die daraus resultierende Liebesgeschichte folgt ebenfalls Schema F und kann wenig überzeugen – auch weil Julianne Hough und insbesondere Diego Boneta in den Hauptrollen irgendwie fehlbesetzt sind. Sie wirken wie dem High School Musical entsprungen, die Rolle der Rocker kauft man ihnen einfach nicht ab. Bezeichnend, dass Boneta in seinem Z-Guyeezz-Outfit („Doppeltes E, doppeltes Z, doppeltes Flavor!“) optisch besser passt als in seiner Rocker-Kluft.

Glücklicherweise gibt es ja noch die Nebenplots um die Bourbon Bar und Stacee Jaxx. Zwar ist hier bei der klassischen „Prüdes Amerika gegen den Rock’n’Roll“-Nummer auch nur bedingt Originalität zu erwarten, aber diese Storylines sind sehr witzig und unterhaltsam geworden. Hier tummeln sich letztlich auch die ganzen großen Namen wie Tom Cruise, Alec Baldwin oder Paul Giamatti. Allein diese Stars in ungewohnten, völlig überzeichneten Rollen zu sehen, ist ein Pluspunkt für Rock of Ages. Und ich mag Tom Cruise eigentlich nicht so gerne, aber hier kann man nur seinen Hut ziehen. Er ist als Stacee Jaxx zweifellos absolut awesome. Auf jeden Fall das Highlight des Films. Und ihm gehört die vielleicht unerotischste Sexszene seit „Matrix Reloaded“ – mit dem Unterschied, dass die Letztgenannte ernst gemeint war und die in Rock of Ages bewusst völlig überdreht wurde, während Tom Cruise und Malin Akerman Foreigners „I Want To Know What Love Is“ schmettern – hilarious !!

Der Soundtrack war erwartungsgemäß klasse – bei einem Musical wäre alles andere auch der absolute Genickbruch gewesen. Foreigner, Toto, Twisted Sister uvm…wer auf 80er-Jahre-Rock’n’Roll steht wird seine Freude haben. Allerdings muss man hier etwas Abstriche machen, denn die Songs wirken alle etwas „verweichlicht“, mehr auf das Mainstream-Publikum zugeschnitten. Den Interpretationen der Hauptdarsteller fehlte dann mitunter doch etwas die Power.

Außerdem etwas schade, dass es keinerlei Gastauftritte alter 80s-Rockstars gegeben hat. Solch ein Film wäre doch prädestiniert dafür gewesen! Die ganze Zeit wartete ich darauf, dass vielleicht Slash an der Bar steht und einen coolen Spruch raus haut, Aerosmith mal durchs Bild läuft oder Alice Cooper irgendwo im Hintergrund abhängt. Aber Pustekuchen…leider kam dahingehend gar nichts. Schade!

Fazit: Rock of Ages ist leider etwas weniger geworden, als man daraus hätte machen können. Der Film ist nett, mag aber irgendwie nicht so richtig zu zünden. Ohne den Soundtrack wäre nicht viel mehr von dem Film übrig geblieben. Wer auf 80s-Rock steht, wird seine Freude haben und insbesondere wer seine Jugend in den 80er Jahren verbracht hat, sollte auf jeden Fall mal hineinschauen. Die Story ist nicht besonders erwähnenswert, vor allem der Mainplot ist sehr unoriginell und die Liebesgeschichte erwartungsgemäß sehr kitschig. Die beiden Hauptdarsteller sind zwar musicaltauglich, erscheinen für die Darstellung eines Rockerpärchens aber nicht glaubwürdig. Dafür können die besetzten A-Class-Schauspieler absolut überzeugen. Insbesondere Tom Cruise als Stacee Jaxx ist das absolute Highlight des Films.

5/10

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Review: The Avengers

Eines vorweg: Ich bin ehrlich gesagt kein großer Fan von Superhelden. Wenn, dann mag ich es eher „bodenständiger“, wie es beispielsweise Batman ist, der ja über keine übermenschlichen Fähigkeiten verfügt. Deswegen dürfen Kritiker, die es angesichts meiner Wertung sicherlich geben wird, natürlich durchaus mein Review in Frage stellen – tut euch keinen Zwang an. Nichtsdestotrotz muss ich für The Avengers auch unter Berücksichtung dessen einfach konstatieren: Don’t Trust The Hype! Denn dafür weist der Film einfach zu viele Mängel auf, über die auch die gut gefilmten Actionsequenzen nicht hinwegtäuschen können.

Ein merkwürdiger Energiewürfel sowie ein pseudocooler Bösewicht in stylischer Lederkluft (die er später zugunsten einer lächerlichen, gehörnten Rüstung aufgibt) – der Film fing für mich schon mal etwas gewöhnungsbedürftig an. Aber das wären comicbedingte Punkte, die ich also im Grunde nicht hervorhebend als Kritik berücksichtigen möchte.

Grundsätzlich ist die erste Stunde des Films einfach relativ uninteressant, um nicht zu sagen langweilig. Der Film nimmt sich sehr viel Zeit, die verschiedenen Charaktere einzuführen, ohne das aber besonders spannend zu gestalten. Auf die Problematik der Charaktere möchte ich später ohnehin noch einmal zu sprechen kommen.

Ein Pluspunkt – auch bereits in der ersten Hälfte des Films – ist ganz klar der Humor. An einigen wenigen Stellen kratzt er zwar doch an der Grenze nur Albernheiten, aber größtenteils ist er wirklich gut und pointiert eingewoben. Vor allem die verschiedenen verbalen Schlagabtausche – meist natürlich in Beteiligung von Tony Stark a.k.a. Iron Man – lockern den Film auf. Autor/Regisseur Joss Whedon beweist hier sein gutes Gespür für gelungenen und an den richtigen Stellen platzierten Witz.

Auch die Besetzung kann sich sehen lassen. Allen voran natürlich Scarlett Johansson, die nicht nur unbeschreiblich heiß, sondern bekanntermaßen auch übermäßig talentiert ist. Auch Robert Downey Jr. überzeugt einmal mehr in seiner Rolle als überheblicher, aber dennoch irgendwie sympathischer Tony Stark. Positiv überrascht hat mich auch Mark Ruffalo als Bruce Banner/Hulk – auch wenn der vormalige Hulk-Darsteller Edward Norton zweifelsohne noch ein anderes Kaliber ist. Samuel L. Jackson ist gewohnt die personifizierte Coolness. Und dann gibt es da noch…na ja…Chris Hemsworth und seine Muskeln. Etwas irritierend fand ich jedoch die meiste Zeit Cobie Smulders als Agent Hill. Weniger aufgrund ihrer schauspielerischen Qualitäten, keineswegs, sondern einfach, weil ich sie nach bald sieben Jahren How I Met Your Mother einfach allzu sehr mit Robin Scherbatsky aus ebenjener Sitcom assoziiere.

Also, der Cast kann jedenfalls weitestgehend wirklich überzeugen. Das Problem ist jedoch die Auslegung der jeweiligen Rollen. Es wird einfach nicht geschafft, eine emotionale Bindung zwischen Publikum und den Protagonisten herzustellen. Dadurch ist dem Zuschauer ihr Schicksal mehr oder weniger gleichgültig. Und bei einem Film, bei dem genrebedingt im Grunde schon von Anfang an klar ist, dass am Ende die Helden die Erde retten werden und somit dahingehend keine Spannung aufgebaut werden kann, muss die Gleichgültigkeit gegenüber den agierenden Protagonisten eigentlich als dramaturgischer Genickbruch angesehen werden.

So ist dies dann möglicherweise auch der Grund, weshalb The Avengers  in der über zweistündigen Laufzeit sehr häufig relativ langweilig erscheint – auch wenn das in der zweiten Hälfe dahingehend eine merkliche Steigerung gegenüber der ersten Hälfe gibt. Ein weiterer Grund ist dann doch der eher platte Plot und damit verbunden der leider etwas blass bleibende Bösewicht. Scheint man zu Beginn noch mit der Frage nach der Freiheit eine interessante, fast schon philosophische Grundrichtung einzuschlagen, verpufft diese relativ bald zu einem ausgelutschten Motiv der reinen Besessenheit von der Weltherrschaft.

Der Showdown ist schließlich eine übertriebene Action- und Effektschlacht gigantischen Ausmaßes. Ein absoluter CGI-Overflow. Aber was soll ich sagen? Dieser macht wirklich Spaß. Hirn abschalten und von der Action berieseln lassen heißt die Devise – die letzten rund 20 Minuten können daher wiederum als gelungen betrachtet werden und suggerieren letztlich einen besseren Gesamteindruck, als der Film die vorhergegangenen zwei Stunden vermittelte.   

Fazit: Was die Action betrifft, kann der Film definitiv auf ganzer Linie überzeugen. Das  Problem ist jedoch, dass man damit nicht über zwei Stunden interessant ausfüllen kann. Ein platter Plot mit einem blassen Bösewicht und seinem stereotypen Motiv sowie die fehlende emotionale Bindung zwischen Publikum und Protagonisten bei gleichzeitiger genrebedingter Vorhersehbarkeit des Endes machen in meinen Augen The Avengers leider zu einem eher recht langweiligen und zähen Film. Ich weiß, dass ich mit dieser Meinung weitestgehend alleine dastehe. Die Milliarde bei den Einspielergebnissen nach gerade einmal 18 Tagen erreicht, unzählige begeisterte Kinobesucher, fast ebenso viele positive Kritiken von den verschiedensten Rezensenten, ein großer Hype um den Film. Das alles lässt mich natürlich als ziemlichen Geisterfahrer erscheinen. Und Kritiker werden mir – vielleicht zurecht – vorwerfen, dass ich den Film nicht aussagekräftig beurteilen kann, wenn ich mit Superhelden in der Regel ohnehin nicht allzu viel anfangen kann. Nur habe in meinem Review weitestgehend versucht, diese Tatsache außer Acht zu lassen (was ich natürlich nicht vollständig ausblenden kann, zugeben) und mich auf allgemeine filmische Mängel zu stützen. Letztlich ist mein Review natürlich wie jede Filmkritik eines jeden Kritikers immer nur subjektiv. Letztlich kann ein jeder nur für sich selbst entscheiden, wie er zur großen positiven Resonanz von The Avengers steht – vielleicht wird er sagen: „So viele Menschen können nicht irren.“ Oder aber der Devise „Der größte Haufen zieht die meisten Fliegen an“ folgen. Diese Entscheidung kann und werde ich niemandem abnehmen. Eines ist Joss Whedon jedoch anzurechnen: Ihm ist es tatsächlich gelungen, das große grüne Etwas namens Hulk sogar relativ cool dastehen zu lassen.

4,5/10

Review: Hugo Cabret

Martin Scorsese dreht seinen ersten 3D-Film und begibt sich dabei mit einer eher kindgerechten Thematik auf ein für ihn sehr ungewöhnliches Terrain. Kann das gut gehen? Es kann, denn Scorsese wäre nicht Scorsese, wenn er nicht mehr aus seinen Filmen herausholen würde, als oberflächlich betrachtet vielleicht dringesteckt hätte.

Paris, 1931: Der zwölfjährige Waisenjunge Hugo Cabret (Asa Buttefield) lebt in den Gemäuern eines Pariser Bahnhofs, wo er seine Zeit mit der Wartung der Bahnhofsuhren verbringt. Nebenbei versucht er einen geheimnisvollen mechanischen Menschen zum Laufen zu bringen, den sein Vater bis kurz vor seinem Tod versucht hatte, zu reparieren. Als der Spielwarenhändler Papa Georges (Ben Kingsley) ihm das dazugehörige Notizbuch abnimmt, scheint all seine Hoffnung verloren. Doch mit Hilfe von dessen Patentochter Isabelle (Chloe Moretz) kommt er einem Geheimnis auf die Spur, bei dem der mechanische Mensch und Papa Georges in einem mysteriösen Zusammenhang zu stehen scheinen…

„Hugo Cabret“ beginnt zweifellos als Kinderfilm – und letztlich bleibt der Film auch die volle Distanz über durchaus kindgerecht. So ist auch der Humor mitunter naiv-albern, wobei vor allem Sascha Baron Cohen als Bahnhofsvorsteher die eine oder andere Slapstickeinlage auf seiner Seite hat.

Doch entwickelt sich der Film mit fortschreitender Spieldauer immer mehr zu einer eleganten Liebeserklärung an das Kino. Einfach magisch! Martin Scorsese kreiert mit „Hugo Cabret“ eine Hommage an das Medium Film und die Frühzeit des Kinos und tritt dabei interessanterweise in eine ähnliche Kerbe wie der aktuelle Stummfilm-Hit „The Artist“ – nur eben mit einer gänzlich anderen Herangehensweise. Und beide Filme sind mit 11 Nominierungen („Hugo Cabret“) bzw. 10 Nominierungen („The Artist“) die großen Favoriten bei der diesjährigen Oscarverleihung.

Den 3D-Effekt verwendet jemand wie Scorsese erwartungsgemäß nicht als reines Gimmick. Es wird glücklicherweise im Grunde gänzlich auf nervige Spielereien verzichtet, bei dem etwas in den Zuschauerraum ragt oder fliegt. Stattdessen folgt Scorsese lediglich der logischen Entwicklung des Mediums und nutzt den Effekt eindrucksvoll, um seinem Film die räumliche Tiefe zu vermitteln. Und dabei scheute Scorsese bei seinem ersten 3D-Film nicht die Herausforderung: Keine sterilen leeren Bilder, sondern ständiges Auftreten von Staub, Asche oder Schnee in den unterschiedlichsten Szenen gestalten den 3D-Effekt in „Hugo Cabret“ besonders beeindruckend. Eine Hommage an die Frühzeit des Films zu drehen und dabei die aktuell modernsten technischen Mittel zu nutzen, kann dabei natürlich als besonders interessant und raffiniert betrachtet werden.

Fazit: Oberflächlich betrachtet scheint hinter „Hugo Cabret“ zunächst tatsächlich nur ein märchenhafter Kinderfilm zu stecken, doch mit der Zeit entwickelt er sich jedoch zu einer Hommage an das Medium Film. Ein Muss für jeden Filmliebhaber! Vor allem das letzte Drittel ist wunderschön, eine Liebeserklärung an die Frühzeit des Kinos. Magisch!

8/10

Review: The Artist

Ein Stummfilm im 21. Jahrhundert? Kann das funktionieren? Es kann, wie „The Artist“ beweist, sofern man sich darauf einlassen kann.

George Valentin (Jean Dujardin) ist Ende der 1920er Jahre der große Stummfilmstar der Filmwelt. Die Presse liebt ihn, die Frauen verehren ihn und das Publikum liegt ihm zu Füßen. Doch mit der Einführung des Tonfilms beginnt sein Absturz. Während die junge Statistin Peppy Miller (Bérénice Bejo), kurz zuvor von ihm selbst noch entdeckt, der neue Stern am Himmel Hollywoods wird, gerät Valentin in eine Abwärtsspirale, aus der er sich aus eigener Kraft nicht mehr retten zu können scheint…

Dem französischen Regisseur Michel Hazanavicius gelingt mit „The Artist“ eine wunderbare Hommage an die große Stummfilmära Hollywoods. Geschickt verwebt er vor allem handlungstechnisch moderne Stilmittel mit der klassischen Inszenierung der 20er Jahre.  Die Atmosphäre und der Flair aus der Frühzeit Hollywoods werden sehr schön transportiert.

Ab und an kann man dem Film die ein oder andere Länge nicht absprechen, doch liegt das weniger an der Inszenierung als Stummfilm, sondern eher daran, dass die doch eher seichte – und damit ebenfalls ganz im Stile der 20er Jahre gehaltene – Liebesgeschichte nicht durchgehend interessant gestaltet werden konnte. Ansonsten kann der Film jedoch auf der Handlungsebene überzeugen, auch wenn die Liebesgeschichte natürlich eng mit der Handlung um Valentins Absturz verbunden ist, keine Frage. Ingesamt gesehen hätte man „The Artist“ aber vielleicht auf achtzig bis neunzig Minuten straffen können.

Ich bin zwar weiterhin der Meinung, dass Leonardo DiCaprio als J. Edgar Hoover schauspielerisch vielleicht mehr gefordert wurde als Jean Dujardin in „The Artist“ und daher zumindest eine Nominierung bei der diesjährigen Oscar-Verleihung ebenfalls verdient hätte, nichtsdestotrotz schmälert diese Tatsache natürlich keinesfalls die starke darstellerische Leistung Dujardins. Zweifellos angelehnt an Douglas Fairbanks, dem großen Star der Stummfilmära Hollywoods, verzückt Dujardin vor allem mit seinem Spiel mit der Mimik und dem passend für die Zeit absichtlichen Overacting, kann dann aber wiederum gleichermaßen in seiner eher modernen Art zu Spielen überzeugen, wenn seine Rolle Valentin mehr und mehr in die Abwärtsspirale seines Absturzes hineingezogen wird.

Eine besondere, wenn auch augenzwinkernde Erwähnung sollte zudem sein tierischer Kollege bekommen. Valentins Hund, der ihn in seinen Filmen wie auch in seinem Privatleben stets zur Seite steht, ist nicht nur niedlich, sondern hat mit dem einen oder anderen Trick auch so manchen Lacher auf seiner Seite. Kompliment an Hund und Hundetrainer.

Mit James Cromwell und John Goodman konnte man noch zwei bekannte Namen für größere Nebenrollen oder kleine Hauptrollen engagieren. Vor allem letzterer überzeugt mit einer unheimlich guten Präsenz auf der Leinwand und beweist hervorragendes Gespür für Timing für Witz, der ohne Sprache funktionieren muss.

Fazit: „The Artist“ wird vermutlich aufgrund seiner Inszenierung als Stummfilm viele Zuschauer abschrecken. Doch mindestens die Hälfte derjenigen, die dennoch den Weg ins Kino finden, werden denke ich positiv überrascht sein. Natürlich haben wir heute ganz andere Seh- oder vielmehr Hörgewohnheiten. Nichtsdestotrotz kann „The Artist“ wirklich Spaß machen und unterhalten, wenn man denn gewillt ist, sich auf den Stummfilmcharakter einzulassen.

8/10

Review: Drive

„Drive“ ist ein Film mit sehr vielen Vorschusslorbeeren. Sehr viele überschwängliche Kritiken, diverse Nominierungen bei unterschiedlichen Preisverleihungen. Doch kann der Film denn daraus resultierenden hohen Erwartungen standhalten? Eines vorweg: Zumindest audiovisuell ist „Drive“ in der Tat ganz große Klasse.

Tagsüber arbeitet „der Fahrer“ (Ryan Gosling) als Mechaniker oder lässt sich von Shannon (Bryan Cranston) Aufträge als Stuntfahrer im Filmgeschäft beschaffen. Doch nachts kann er seine überragenden fahrerischen Qualitäten erst so richtig unter Beweis stellen: Da lässt er sich nämlich als Fluchtwagenfahrer anheuern. Als er sich jedoch in seine Nachbarin Irene (Carey Mulligan) zu verlieben beginnt und bei einem Überfall hilft, um sie und ihren Sohn vor Schlägern zu beschützen, denen ihr frisch aus dem Gefängnis entlassener Mann (Oscar Isaac) noch Geld schuldet, gerät er unversehens mit der Mafia aneinander. Es beginnt ein Kampf um Leben und Tod…

Klingt nach einem Actionthriller? Ist es auf seine Weise auch irgendwie. Dann aber auch wieder irgendwie nicht. „Drive“ lässt sich schwer in eine Schublade stecken. Wer bereits mit Filmen von Regisseur Nicolas Winding Refn („Pusher“, „Valhalla Rising“) in Kontakt kam, wird wissen, dass seine Werke fernab vom Mainstream angesiedelt sind. Und so kann man dann auch verstehen, dass ein Film wie „Drive“ unter der Leitung von Refn nicht einfach ein normaler Actionfilm geworden ist.

Wie bereits eingangs erwähnt, ist „Drive“ audiovisuell wirklich mehr als überzeugend geworden. Refn inszeniert seinen Film in einem gelungenen Retro-Stil der 80er-Jahre. Auch die von Refn nicht zum ersten Mal genutzte sehr explizite Gewaltdarstellung wirkt kunstvoll, die bewusste erstmalige Verwendung nach einer sehr langen ruhigen Anfangsphase des Films nicht zufällig, sondern gezielt verstörend. Zur starken Stimmung trägt ein genialer Soundtrack, der manchmal wunderbar unpassend, und dabei aber eben doch passend wirkt. Klingt paradox, lässt sich aber nicht anders beschreiben. Inszenatorisch ist „Drive“ wirklich Kunst, das kann man ganz klar festhalten.

Das Problem des Films liegt allerdings in der fehlenden Substanz. Die Handlung ist sehr stereotyp und hat man auf die ein oder andere Weise schon häufiger gesehen. Und auch die Charaktere bleiben weitestgehend sehr eindimensional. Der zwar wirklich sehr gut von Ryan Gosling verkörperte namenlose Hauptcharakter ist von Beginn des Films an wortkarg, wirkt abwesend, ja fast schon depressiv. Die ganze Zeit über erwartet man irgendwann mehr über ihn zu erfahren. Wo kommt er her? Weshalb ist er so, wie er ist? Aber da kommt nichts. Er ist ganz einfach…da. Einzig der ebenfalls hervorragend von Bryan Cranston gespielte Shannon erscheint ein wenig vielschichtiger, während auch die Darstellung der „Bösewichte“ sehr stereotyp blieb.

Ich habe mehrfach gelesen, wie die Simplizität des Films zu einer lobenswerten Kunstform hochstilisiert wurde. Aber bei aller Liebe zur Kunst muss man auch bei einem Refn-Film trotz inszenatorischer Genialität die Eindimensionalität der Charaktere sowie die Unoriginalität der Handlung anmerken dürfen.

Fazit: „Drive“ ist zweifelsohne ein sehenswerter Film. Vor allem audiovisuell ist er das reinste Vergnügen. Refn versteht sein Handwerk und das beweist er auch sehr stilvoll in diesem Werk. Nichtsdestotrotz hatte ich nach den Vorschusslorbeeren Erwartungen, die der Film nicht erfüllt hat. Dem Film fehlt es doch merklich an Substanz. Die Charaktere bleiben weitestgehend blass, der Handlung mangelt es etwas an Originalität.

6,5/10

Review: J. Edgar

Zunächst hatte ich Schwierigkeiten in den Film hineinzukommen, die Zeitsprünge erschienen anfänglich zu häufig, zu konfus. Doch schon nach einigen Minuten wird der Zuschauer in den Bann gezogen und von der Figur des J. Edgar Hoovers, auf dem Höhepunkt seines Lebens vielleicht in der Tat der mächtigste Mann der Welt, gefesselt.

Clint Eastwood liefert dabei mit „J. Edgar“ weniger ein historisches Drama als viel mehr ein Psychogramm des FBI-Gründers. Es ist eine Charakterstudie eines Mannes, der sich nach außen hin als Machtperson darstellt, dem nichts und niemand etwas anhaben kann, innerlich jedoch zutiefst verunsichert und gespalten ist. Ein Muttersöhnchen, das in einem Augenblick noch voller Selbstbewusstsein und Stolz drei Damen von den Gefahren und Erfolgen seiner Arbeit berichtet, im nächsten Moment jedoch stotternd und voller Nervosität das Weite sucht, als eine der Damen ihn um einen Tanz bittet. Ein Mann, der in seinen jungen Jahren noch eine Frau bereits nach der dritten Verabredung einen Heiratsantrag macht – offenbar, weil er es eben für eine gesellschaftliche Norm hält, verheiratet zu sein – und nach der Zurückweisung nie wieder einen weiteren Versuch in diese Richtung unternehmen würde. Ein Fokus liegt dabei auch auf der nie offiziell bestätigten Homosexualität Hoovers, der in diesem Film, dieser Charakterstudie, zwangsläufig eine große Bedeutung beigemessen wird. Die Verleugnung seiner eigenen Sexualität hat entscheidenen Anteil an der innerlichen Zerrüttung des nach außen hin so machthungrigen Selbstdarstellers, der unter acht US-Präsidenten diente und mit der Sammlung von belastendem Material in Geheimakten auch nicht vor diesen Halt machte.

Getragen wird „J. Edgar“ nicht zuletzt von einem abermals brilliant aufspielenden Leonardo DiCaprio. Mit Unverständnis muss ich auf die Entscheidung der Motion Picture Academy reagieren, ihn nicht einmal mit einer Nominierung bei der diesjährigen Oscarverleihung zu bedenken. Es ist ein Witz, dass einer der besten Schauspieler seiner Generation wieder und wieder bei den Oscars übergangen wird.

Fazit: Wer einen historischen Thriller erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden. Getragen von einem überragenden Leonardo DiCaprio ist „J. Edgar“ vielmehr eine Charakterstudie, ein Psychogramm. Vielleicht zu erwartende, kinoreife Episoden wie die Jagd nach John Dillinger werden im Grunde nicht thematisiert. Stattdessen liegt der Fokus auf der innereren Zerrüttung Hoovers, sodass beispielsweise mit der Entführung des Lindbergh-Babys Themen herausgegriffen werden, die für diesen Schwerpunkt mehr Bedeutung zu haben schienen.

7/10

Review: Ziemlich beste Freunde

Es gibt zwei Wörter, die den Film denke ich ganz treffend charakterisieren: Schön und ehrlich. „Ziemlich beste Freunde“ ist ein schöner, grundehrlicher Film. Zwei vollkommen unterschiedliche Personen mit völlig unterschiedlichen Vorraussetzungen treffen aufeinander, lernen voneinander und werden die besten Freunde. Dabei nimmt der Film trotz der für eine Komödie heiklen Thematik um einen Gelähmten keinen Blatt vor den Mund, ohne jedoch jemals niveaulos zu werden.

Komödien sind generell ein sehr schwieriges Genre. Zu schnell und zu häufig geraten diese Filme auf eine alberne Ebene. Deswegen bin ich auch kein besonderer „Anhänger“ dieses Genres – aber umso mehr freue ich mich dann, wenn dann mal wieder ein wirklich lustiger, jedoch nicht alberner Vertreter über die Leinwand flimmert. Wenn dann wie im vorliegenden Fall der Film auch noch mit einer gesunden Portion Tragik und Tiefsinn gewürzt wird, kommt nicht nur eine besonders gute Komödie heraus, sondern ein wirklich mehr als sehenswerter Film! Ein großartiger Soundtrack von Ludovico Einaudi trägt dabei noch zu der wunderbaren Stimmung und Atmosphäre bei.

Daumen hoch für „Ziemlich beste Freunde“, der beweist, dass Komödien nicht niveaulos und albern sein müssen. Davon könnte sich ein Großteil der vermeintlichen Komödianten eine Scheibe abschneiden…

8,5/10

Review: The Ides of March – Tage des Verrats

Sehr sehenswertes Politdrama über das schmutzige Geschäft der Politik. Es dauert zunächst etwas, bis der Film an Fahrt aufnimmt, dann trifft einen aber die volle Breitseite. Kleinste Fehler werden in diesem Milieu bestraft. Selbst die ehrlichsten und aufrichtigsten Personen müssen sich letztendlich verbiegen und ihre Ideale zugunsten von Macht und Karriere verraten. Der Zuschauer bleibt am Ende mit einem dicken Kloß im Hals sitzen. „The Ides of March“ ist eine gnadenlose Abrechnungen mit der Politik.

George Clooney, Philip Seymour Hoffman, Paul Giamatti, Ryan Gosling…der Cast kann sich natürlich absolut sehen lassen. Schauspielerisch kann vor allem Ryan Gosling brillieren.

Mir hat „The Ides of March“ sehr gut gefallen. Klasse Regiearbeit von George Clooney, starker Soundtrack von Alexandre Desplat, ein gut aufgelegter Cast mit einem vor allem sehr überzeugenden Ryan Gosling und eine Handlung, die jeden halbwegs moralischen Zuschauer am Ende sehr nachdenklich zurücklässt, machen „The Ides of March“ zu einem wirklich sehenswerten Film.

7,5/10

 

Review: Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod

»Wenn dein Publikum nicht lacht, dann erschreck’ es zu Tode.«
Dieses Zitat aus „Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod“ (Balada triste de trompeta) kann im Grunde auch als Quintessenz des Films angesehen werden. Das neue Werk von Álex de la Iglesia, dem Enfant Terrible des spanischen Kinos, ist beklemmend, makaber, verstörend…doch phasenweise witzig zugleich. Gnadenlos rechnet der spanische Kultregisseur – „Aktion Mutante“, „El Dia de la Bestia“, „Perdita Durango“ – mit dem Franco-Regime und mit dessen Verarbeitung im spanischen Bewusstsein ab.

Spanien 1937: Eine Zirkusvorstellung wird jäh von Soldaten unterbrochen, die kampffähige Männer rekrutieren wollen, um gegen die anrückenden Franco-Anhänger vorzugehen. Einer der Clowns, der Vater von Javier (Carlos Areces), wird anschließend verhaftet. Einige Jahre später gibt er seinem bei einem Gefängnisaufenthalt seinem Sohn einen Rat: »Erleichtere deinen Schmerz mit Rache.«  Bei dem folgenden Befreiungsversuch muss Javier mit ansehen, wie sein Vater von einem Pferd zu Tode getrampelt wird.
Ein weiterer Zeitsprung führt uns nun in die 70er Jahre. Javier wurde als trauriger Clown in einem Zirkus angestellt, wo er sich in die schöne Natalia (Carolina Bang) verliebt. Die ist jedoch mit Clownkollege Sergio (Antonio de la Torre) zusammen, der ein gewaltiges Aggressionsproblem hat. Was als etwas ausgefallene Liebesgeschichte beginnt, wird bald zu einem blutigen Höllentrip zwischen Liebe, Hass und Eifersucht…

Jeder Versuch, die anschließende Handlung in Worte zu fassen, wäre zum Scheitern verurteilt. Deswegen soll das an dieser Stelle auch gar nicht erst versucht werden. Es wird grotesk, brutal und bizarr, manchmal an der Grenze zum Erträglichen. Was Iglesia abliefert, ist eine Achterbahnfahrt auf dem Rummelplatz der Groteske.

Bei den Filmfestspielen von Venedig 2010 wurde Álex de la Iglesia für „Mad Circus“ mit den Preisen für „Beste Regie“ sowie „Bestes Drehbuch“ ausgezeichnet. Jurypräsident war in jenem Jahr übrigens ein gewisser Quentin Tarantino.

Visuell ist „Mad Circus“ auf allerhöchstem Niveau. Die kunstvolle Inszenierung der brutal-skurrilen Handlung trägt hierbei zur Bizarrheit des Films bei. Er ist so abschreckend wie faszinierend. Alles kulminiert schließlich in einem fulminanten Showdown, der sich als Hommage an selbigen in Alfred Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ herausstellt. Filmfreunde dürfen sich zudem auf eine Vielzahl weiterer filmischer Zitate freuen, die es im Verlaufe des Films zu entdecken gilt.

Die Handschrift Iglesias ist zweifelsohne auch in „Mad Circus“ zu erkennen. Wer bisher mit seinen Filmen nichts anzufangen wusste, wird auch mit diesem Film seine Schwierigkeiten haben. Seine groteske Überdrehtheit in Stil und Handlung trifft sicherlich nicht den Geschmack eines jeden. Der „Otto-Normal-Kinogänger“ – und das ist nicht überheblich gemeint – sollte gewarnt sein: „Mad Circus“ ist erwartungsgemäß sehr…speziell.

Fazit: „Mad Circus“ ist bizarr. „Mad Circus“ ist verstörend. „Mad Circus“ ist faszinierend. Kultregisseur Álex de la Iglesia liefert eine gnadenlose Abrechnung mit dem faschistischen Franco-Regime und dessen Verarbeitung im spanischen Bewusstsein ab. Visuell auf allerhöchstem Niveau wird uns eine brutale und groteske Geschichte von Liebe, Hass und Eifersucht erzählt, die jedoch nicht zur zwischen den Zeilen mehr ist als eine völlig abgedrehte Liebesgeschichte. Ab einem bestimmten Punkt steuert der Film allerdings in eine Richtung, die mitunter etwas über die Stränge schlägt. „Mad Circus“ wird mit fortschreitender Handlung immer grotesker und immer überdrehter und kratzt an der Grenze zum Erträglichen. Potenziell Interessierte sollten sich also bewusst sein, auf was sie sich einlassen, wenn sie sich „Mad Circus“ anschauen.

7/10

Review: Die Ritter der Tafelrunde (1953)

Der zweite Ritterstreich von Richard Thorpe und mit Robert Taylor. Doch dieser hier hat mir nicht so gut gefallen. So einige Längen lassen „Die Ritter der Tafelrunde“ doch teilweise arg zäh wirken. Dazu kommen dann zum Teil sehr hölzerne Dialoge. Zudem erscheint die hochmittelalterliche Ausstattung sehr fragwürdig – sicherlich wollte man damit an „Ivanhoe – Der schwarze Ritter“ anschließen, doch passt das einfach ganz und gar nicht zu der Geschichte dieses Films, die im Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter angesiedelt ist.

Während die unfreiwillige Komik in „Ivanhoe – Der schwarze Ritter“ noch den gewissen Charme versprühte, wirkte sie in „Die Ritter der Tafelrunde“ mitunter doch eher albern. Dafür ist die freiwillige Komik jedoch sehr gut platziert,  durchaus amüsant und lockert den ganzen Film gut auf.

Einmal mehr wieder sehr überzeugend der Soundtrack von Miklós Rózsa. Und sehr sehenswert auch wieder die mit zahlreichen Statisten versehenen Schlachtenszenen. Auch wenn sie mit heutigen Maßstäben selbstverständlich nicht mithalten können, wo eine Hand voll Krieger digital vervielfältigt wird und so Armeen mit einer Stärke von mehreren tausend Mann gegeneinander antreten können, ist die Inszenierung in „Die Ritter der Tafelrunde“ dennoch sehr eindrucksvoll.

5/10