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Review: Batman v Superman: Dawn of Justice (2016)

batmanvsuperman.jpgDer Film ist sicherlich nicht so gut, wie er vielleicht hätte sein können, aber bei weitem nicht so schlecht, wie die Kritiker ihn erscheinen lassen. Im Gegenteil, ich fand „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ehrlich gesagt sogar wirklich gut, vor allem im Vergleich zum Vorgänger „Man of Steel“, von dem ich damals sehr enttäuscht gewesen bin.

Natürlich gibt es Kritikpunkte, die anzumerken sind. Eine Schwäche ist etwa das Pacing in der Erzählung – in der ersten Hälfte gibt es viele Szenen, die zwar sehr gelungen sind, aber zusammenhängend gesehen fehlt da etwas an Schwung. Und die Handlung ist im Prinzip zwar, wie von einigen angemerkt, irgendwie verworren, aber ehrlich gesagt bin ich der Meinung, wenn man sich etwas konzentriert, dann hat man eigentlich keine Probleme, zu folgen.
Der titelgebende Kampf war leider etwas zu kurz geraden, er macht relativ zügig dem Schlussakt Platz, der unglücklicherweise bereits im Trailer verraten wurde. Hier wurde es mir persönlich etwas over-the-top, aber das ist rein subjektiv, ich persönlich kann einfach mit dem „Bodenständigen“, das die Nolan-Trilogie ausgezeichnet hat, etwas mehr anfangen.

Die Story an sich fand ich sehr gelungen. Mir haben vor allem die philosophischen Untertöne gefallen, die der Film angeschlagen hat, wenn es etwa um die Allmacht geht. Natürlich kratzt das nur an der Oberfläche, aber wir sehen schließlich immer noch eine Comicverfilmung und für einen Actionblockbuster fand ich „Batman v Superman“ ausreichend tiefgründig. Fand ich klasse. Etwas unnötig waren die Traumsequenzen. Sie werden vermutlich in den künftigen Filmen an Bedeutung gewinnen und im Rückschluss kann man sich evtl. darüber freuen, aber für den gegenwärtigen Zuschauer – vor allem wenn er nicht tiefergehend mit dem DC-Universum vertraut ist – muss das fast zwangsläufig verwirrend sein. Damit hat sich Zack Snyder keinen Gefallen getan.

Visuell war das in klassicher Snyder-Manier erwartungsgemäß wieder sehr überstylt. Entweder man mag das oder eben nicht, ich finds sehr cool, auch wenn mir die CGI manchmal etwas zu deutlich war. Die Kämpfe waren hervorragend choreographiert – allen voran die Szene, die bereits in einem vorab veröffentlichten Clip angeteast wurde, als Batman in dem Lagerhaus „aufräumt“. Das war eines der Highlights der Films, ich habe mich regelrecht wie in einem der „Arkham“-Spiele gefühlt. Das war die vielleicht beste Batman-Kampfszene, die es bis jetzt auf Leinwand gegeben hat. Den ganzen Film betrachend wurde mir aber – gerade von Batman – viel zu viel geballert. Ich weiß, dass Batman auch in einigen Comics seine Gegner erschießt und ich bin wahrlich kein Purist, was das angeht, aber in „Batman v Superman“ war mir das einfach etwas too much.

Wie so viele andere, war ich mehr als skeptisch, als Affleck als Batman gecastet wurde. Und wie so viele andere wurde ich mehr als positiv überrascht. Affleck gibt einen großartigen Bruce Wayne und einen großartigen Batman ab. Ich mag die Neuinterpretation eines verbitterten, älteren Batman, den es zumindest in Verfilmungen bisher so nicht gegeben hat, und Affleck stellt ihn sehr glaubwürdig dar. Eine fast noch größere Überraschung war aber Wonder Woman. Sie haben es wirklich geschafft, die Gefahr der Lächerlichkeit bravourös zu umgehen und Wonder Woman cool zu machen. Jede Szene, sowohl als Diana Prince als auch in WW-Montur, war eine wirkliche Freude. An Jesse Eisenberg als Lex Luthor scheiden sich die Geister und ich war von Anfang an eigentlich ein Gegner seiner Besetzung, aber ich muss zugeben, so wie Lex Luthor in diesem Film dargestellt wurde, hat Eisenberg gepasst. Es hatte zwar nichts mehr von dem klassischen Lex Luthor, sondern war fast schon Joker-ähnlich, aber ich fand diese Neuinterpretation eigentlich sehr gelungen. So wie bei der anderen Art Batman stellt auch die neue Art Lex Luthor wenigstens was Neues dar, man muss schließlich nicht alles immer und immer wiederkäuen. Henry Cavill und sein permanenter Dackelblick gingen mir hingegen wie schon in „Man of Steel“ noch immer etwas auf die Nerven, aber man muss auch zugegeben, dass das im Prinzip irgendwie zu Superman passt, ist also schon in Ordnung.

Nochmal gesondert möchte ich den Soundtrack ansprechen, den ich wirklich herausragend fand. Auch wenn es, vielleicht vom WW-Motiv und dem Lex Luthor-Thema abgesehen, nicht unbedingt total eingängige Motive gibt, so fand ich das außerordentlich ansprechend, dass man musikalisch sich stark an einer Oper orientiert hat. Mehr als einmal wurde ich etwa an Johann Sebastian Bach erinnert, das fand ich unheimlich passend.

In den Kritiken wurde häufig angemerkt, dass der Film zu humorlos sei und sich zu ernst nimmt. Ich möchte wirklich nicht das „DC/Marvel“-Fass aufmachen und schon gar nicht auf die alte Leier, welcher Verlag nun „besser“ sei, eingehen. Ich persönlich mag aber die düstere Herangehensweise von DC einfach mehr, das ist aber eine rein subjektive Wahrnehmung. Die beiden „Thor“-Filme haben mich positiv überrascht, aber ansonsten kann ich mit den „Marvel“-Filmen einfach nicht soviel anfangen – gönne es aber natürlich jedem, der sich daran erfreuen kann. Ich fand die Humorlosigkeit von „Batman v Superman“ also überhaupt nicht störend, ganz im Gegenteil. Zumal irgendwelche lockeren Sprüche auch überhaupt nicht zur Thematik gepasst hätten.

7,5/10

(mit Luft noch oben, mal schauen, was der Ultimate Cut bringt)

Review: J. Edgar

Zunächst hatte ich Schwierigkeiten in den Film hineinzukommen, die Zeitsprünge erschienen anfänglich zu häufig, zu konfus. Doch schon nach einigen Minuten wird der Zuschauer in den Bann gezogen und von der Figur des J. Edgar Hoovers, auf dem Höhepunkt seines Lebens vielleicht in der Tat der mächtigste Mann der Welt, gefesselt.

Clint Eastwood liefert dabei mit „J. Edgar“ weniger ein historisches Drama als viel mehr ein Psychogramm des FBI-Gründers. Es ist eine Charakterstudie eines Mannes, der sich nach außen hin als Machtperson darstellt, dem nichts und niemand etwas anhaben kann, innerlich jedoch zutiefst verunsichert und gespalten ist. Ein Muttersöhnchen, das in einem Augenblick noch voller Selbstbewusstsein und Stolz drei Damen von den Gefahren und Erfolgen seiner Arbeit berichtet, im nächsten Moment jedoch stotternd und voller Nervosität das Weite sucht, als eine der Damen ihn um einen Tanz bittet. Ein Mann, der in seinen jungen Jahren noch eine Frau bereits nach der dritten Verabredung einen Heiratsantrag macht – offenbar, weil er es eben für eine gesellschaftliche Norm hält, verheiratet zu sein – und nach der Zurückweisung nie wieder einen weiteren Versuch in diese Richtung unternehmen würde. Ein Fokus liegt dabei auch auf der nie offiziell bestätigten Homosexualität Hoovers, der in diesem Film, dieser Charakterstudie, zwangsläufig eine große Bedeutung beigemessen wird. Die Verleugnung seiner eigenen Sexualität hat entscheidenen Anteil an der innerlichen Zerrüttung des nach außen hin so machthungrigen Selbstdarstellers, der unter acht US-Präsidenten diente und mit der Sammlung von belastendem Material in Geheimakten auch nicht vor diesen Halt machte.

Getragen wird „J. Edgar“ nicht zuletzt von einem abermals brilliant aufspielenden Leonardo DiCaprio. Mit Unverständnis muss ich auf die Entscheidung der Motion Picture Academy reagieren, ihn nicht einmal mit einer Nominierung bei der diesjährigen Oscarverleihung zu bedenken. Es ist ein Witz, dass einer der besten Schauspieler seiner Generation wieder und wieder bei den Oscars übergangen wird.

Fazit: Wer einen historischen Thriller erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden. Getragen von einem überragenden Leonardo DiCaprio ist „J. Edgar“ vielmehr eine Charakterstudie, ein Psychogramm. Vielleicht zu erwartende, kinoreife Episoden wie die Jagd nach John Dillinger werden im Grunde nicht thematisiert. Stattdessen liegt der Fokus auf der innereren Zerrüttung Hoovers, sodass beispielsweise mit der Entführung des Lindbergh-Babys Themen herausgegriffen werden, die für diesen Schwerpunkt mehr Bedeutung zu haben schienen.

7/10