Kategorie-Archiv: Reviews

Review: Flight (USA 2012)

fliJahrelang hat sich Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft) mit Motion-Capture-Filmen wie Der Polarexpress  oder Beowulf beschäftigt, nun kehrt er mit dem Alkoholismus-Drama Flight in die reale Spielfilmwelt zurück.

Es dauert einige Minuten, bis der Zuschauer sich eingefunden hat – vor allem die Frage nach der Notwendigkeit der Szenen um die Vorgeschichte Nicoles (Kelly Reilly) muss hier gestellt werden. Doch spätestens mit der spannungsgeladenen und packenden Inszenierung des Flugzeugunglücks wird auch der Letzte im Kinosaal abgeholt.

Anschließend nimmt der Film einiges an Fahrt (bzw. Flug) heraus. Was folgt ist ein mitreißendes Alkoholismus-Drama. Der Plot um den Flugzeugabsturz und die anschließenden Ermittlungen dient als Rahmen, um die gefährlichen Stimmungsschwankungen, die privaten Konsequenzen, die Verdrängung des Problems und den schwierigen Versuch zu zeigen, die Sucht zu besiegen. An dieser Stelle kann die schauspielerische Leistung von Denzel Washington (Training Day) nicht hoch genug gelobt werden. Schonungslos überzeugend stellt er alle Facetten eines Suchtkranken dar.

Prinzipiell ist Flight eine klassische amerikanische Schuld-und-Sühne-Geschichte, die sich jedoch durch eine interessante moralische Fragestellung von anderen Vertretern absetzen kann: Was ist höher zu bewerten, die Verantwortungslosigkeit des betrunkenen Flugkapitäns oder seine Rettung zahleicher Menschenleben? Dem Drehbuch kann vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas zu viel Zufall vorgeworfen werden, doch Flight ist zweifelsohne ein sehenswertes Melodram und ein gelungenes »Comeback« von Robert Zemeckis.

7/10

Review: Frankenweenie (USA 2012)

fraweSchon die erste Szene des Films macht dem Zuschauer klar, dass es sich bei Frankenweenie um eine Hommage an den Film, insbesondere an die B-Grusler der 50er und 60er Jahre, handelt. Zu Beginn noch als kleiner, selbst gemachter »Film im Film« eingebaut, wird dies durch Handlung und Inszenierung anschließend im gesamten Verlaufe deutlich, um im fulminanten Finale schließlich mit vielen Anspielungen auf die Klassiker des Genres aufzuwarten.

Es ist in meinen Augen zwar trotz der kurzen Laufzeit durchaus ein wenig zu spüren, dass hier ein Kurzfilm auf eine Spielfilmlänge gebracht werden musste, doch wird die ein oder andere Länge durch den versprühenden Charme des Ganzen ausgebügelt. Es ist schön zu sehen, dass Tim Burton es offenbar doch noch versteht, einen Film mit Seele zu produzieren.

In jeder Szene ist die Liebe zu spüren, mit der alle Beteiligten dieses Projekts zu Werke gingen – vermutlich bleibt das nicht aus, wenn im 21. Jahrhundert noch ein klassischer Stop-Motion-Film gedreht wird. Es muss wahrlich eine Heidenarbeit sein, jede einzelne Bewegung bei vierundzwanzig Bildern pro Sekunde per Handarbeit einzustellen.

Frankenweenie ist ein Film über Freundschaft und Verlust sowie die Verantwortung der Wissenschaften. »Wissenschaft kommt auch von hier«, sagt der sicher nicht zufällig an Vincent Price erinnernde Mr. Rzykruski an einer Stelle und führt die Hand an sein Herz. Aus moralischer Perspektive hätte ich mir dahingehend zwar noch ein etwas anderes Ende gewünscht, doch nichtsdestoweniger bleibt die Botschaft klar.

Mit viel Charme kehrt Tim Burton nach seinen letzten Ausflügen ins Reich der Blockbuster wieder zu seinen Wurzeln zurück. An seine ganz große Zeit kann auch Frankenweenie nicht anschließen, aber es ist schön zu sehen, dass er es offenbar noch nicht ganz verlernt hat.

7/10 

Review: The Impossible (ES 2012)

impAm 26. Dezember 2004 schockierte die Meldung von dem Tsunami in Südostasien die ganze Welt. Ein Erdbeben im Indischen Ozean hatte eine Riesenwelle zur Folge, die letztlich 225.000 Menschen das Leben kosten sollte. Der spanische Regisseur Juan Antonio Bayona (Das Weisenhaus) hat sich dieses Szenarios nun angenommen und mit The Impossible ein mitreißendes Familiendrama geschaffen.

Vor allem die Inszenierung der Monsterwelle gehört zweifelsohne zu den intensivsten Kinoerlebnissen der letzten Jahre. Eine dröhnende Geräuschkulisse, überzeugende Kameraarbeit – und mittendrin eine beeindruckend agierende Naomi Watts, die für ihre Leistung in The Impossible in diesem Jahr nicht zu Unrecht für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert ist. Nicht zuletzt dank ihrem herzzerreißenden Spiel der puren Verzweiflung schaffen es Bayona und sein Kameramann Óscar Faura (Biutiful) auch durch den starken Kontrast zur vorher gezeigten Schönheit eindrucksvoll einzufangen, wie die Hölle das Paradies traf. Schonungslos wird anschließend die physische Brutalität gezeigt. Offene Wunden, körperliche Schmerzen, angespülte Leichen – nichts für schwache Nerven.

Leider wurde dem physischen Leiden und den anschließenden psychischen Qualen nicht dieselbe notwendige Aufmerksamkeit geschenkt. Die Szenen nach dem Rückzug der Monsterwelle wirken teilweise wie eine Last, eine ungewollte Notwendigkeit und verlieren sich etwas im Kitsch – auch wenn ich diesen grundsätzlich für diese Art Film durchaus als noch im Rahmen befindlich bezeichnen würde.

Als etwas problematisch sehe ich zudem den ausschließlichen Fokus auf Opfer der westlichen Welt an. Neben der ohnehin im Mittelpunkt stehenden Familie um Maria (Naomi Watts) und Henry (Ewan McGregor) sehen wir Opfer aus Deutschland, Niederlande, Italien und anderen westlichen Ländern. Vom Schicksal der einheimischen Bevölkerung, dessen Überlebende nicht in einen einigermaßen geregelten Alltag in ihre Heimat ausgeflogen werden können, erfahren wir nichts.

Die einseitige Darstellung kann angeprangert werden, The Impossible bleibt aber ein packend inszeniertes, mitreißendes Familiendrama, das nicht zuletzt mit ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen aller Beteiligten (neben Watts soll an dieser Stelle vor allem Nachwuchsschauspieler Tom Holland erwähnt werden) glänzen kann und vor allem in der ersten Hälfte unglaublich intensiv ist.

6,5/10 

Review: Die amerikanische Nacht (FR 1973)

nuamFilme über das Filmemachen versprühen in der Regel vor allem für Cineasten eine besondere Magie, bekommt der Zuschauer doch einen einmaligen Blick hinter die Kulissen, fernab vom klassischen Making-Of. Wenn dann zudem kein Geringerer als François Truffaut, einer der Großen des europäischen Films, in fiktiver Weise sich über die Schulter schauen lässt, entsteht doch ein ganz besonderes Maß an Neugierde.

Leider vergisst Truffaut in Die amerikanische Nacht eine wirkliche Geschichte innerhalb des großen Rahmens zu erzählen. Lediglich die Liebeleien des Alfons könnten als solche vielleicht noch gedeutet werden, reichen allerdings nicht aus, um so etwas wie Spannung zu erzeugen.

Knapp zwei Stunden beobachten wir lediglich distanziert die Produktion des Films, die vor allerhand Probleme gestellt wird. Hier erscheint es auch mehr als unglaubwürdig, wie viele Steine der Produktion in den Weg gelegt werden – was schief gehen kann, geht auch schief: Betrunkene Schauspieler, vernichtetes Material, eifersüchtige Liebeleien, undressierte Kätzchen, sterbende Darsteller. Das alles ist durchaus komisch, für eine derartige Überzogenheit ist der Film jedoch wiederum nicht Komödie genug. Für ein Drama fehlt es zugleich aber an Ernsthaftigkeit und Emotionalität bei tragischen Ereignissen.

Letztlich steht der Film im Film in Vordergrund. Das ist die Quintessenz des Ganzen. Alles wird ihm geopfert, komme was wolle, die Produktion muss fertig gestellt werden. Und so kann man die gewählte Inszenierung Truffauts auch durchaus als passend beschreiben, auch wenn sie mitunter recht langatmig erscheint.

Zweifelsohne ist Die amerikanische Nacht von François Truffaut ein wichtiger Film. Genauso wie 8 ½ von Federico Fellini oder Die Verachtung von Jean-Luc Godard wichtige Filme sind. Nichtsdestotrotz konnte mich der Film nicht vollends überzeugen, auch wenn ich ihn nachvollziehen kann, auch wenn ich verstehen kann, warum der Film so ist, wie er ist.

5/10  

Review: Der Ghostwriter (FR/D/GB 2010)

gwrMit Verzicht auf große Actionszenen inszeniert Roman Polanski ein beeindruckendes Geflecht aus politischen und persönlichen Verstrickungen, in denen sich der Zuschauer nicht minder unsicher erscheinen muss als die Hauptfigur des Ghostwriters.

Als der Ghostwriter der Memoiren des britischen Ex-Premierministers Adam Lang (Pierce Brosnan) tot aufgefunden wird, springt »Der Ghost« (Ewan McGregor) ein, um das Werk zu vollenden. Als der internationale Gerichtshof in Den Haag eine Untersuchung wegen Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen gegen Lang einleitet, sieht sich der Ghostwriter plötzlich in verworrene Machenschaften und dunkle Geheimnisse verstrickt…

Roman Polanski nimmt sich Zeit. Mit seiner ruhigen Erzählweise setzt er langsam die Daumenschrauben beim Zuschauer an, der sich – ganz dem Hauptcharakter gleich – mehr und mehr in den Verstrickungen verliert. Nicht zufällig erfahren wir nie einen Namen des Protagonisten. Er tritt stets schlicht als »The Ghost«auf, ist ein Spiegelbild des Zuschauers selbst. Zu keiner Zeit weiß der Zuschauer mehr als der Ghostwriter.

Stück für Stück müssen beide die Puzzleteile zusammensetzen. Doch sobald sich ein großes Ganzes zu erben scheint, treten neue Einzelheiten, neue Charaktere auf den Plan, die ein gänzlich neues Bild ergeben. Dass dafür auch mal ein »Deus Ex Machina« in Form eines eigenwilligen Navigationssystems herhalten muss, trübt den Gesamteindruck jedoch ein wenig – das hätte sicher auch geschickter gelöst werden können.

Trotz des ruhigen Erzähltempos bei einer zweistündigen Laufzeit treten kaum Längen auf. Neben der packenden Geschichte ist dies nicht zuletzt der dichten Atmosphäre zu verdanken. Das Setting auf dem verregneten, neuenglischen Eiland könnte wirkungsvoller nicht sein, das Strandhaus ist passend dazu steril und kalt. Kamaramann Pawel Edelmann (Der Pianist, Ray) versteht es glänzend, die Tristesse in seinen Bildern einzufangen.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Arbeit von Komponist Alexandre Desplat (Ides of March, Der fantastische Mr. Fox), der in seinen Werken zwar immer unauffällig agiert, sich nicht in den Vordergrund drängt und niemals Ohrwürmer produziert und daher trotz eines umfangeichen Gesamtwerkes nicht die Bekanntheit eines Hans Zimmer (Fluch der Karibik, Inception) oder John Williams (Star Wars, Indiana Jones) erreichte, doch bestens versteht, die Atmosphäre eines Filmes einzufangen, sie in seine Musik zu transportieren und sie dadurch noch zu verstärken. Genau dies gelingt ihm auch in Der Ghostwriter einmal mehr hervorragend.

Und letztlich beeindruckt auch der bis in die kleinste Nebenrolle glänzend besetzte Cast. Pierce Brosnan (James Bond, Mars Attacks!) als eitler Ex-Premier, Ewan McGregor (Big Fish, Die Insel) als unscheinbarer, sympathischer Repräsentant des Zuschauers, Olivia Williams (Below) als undurchsichtige Ehefrau sowie kleinere Auftritte von Tom Wilkinson (Der Patriot, Batman Begins), Timothy Hutton (Wehrlos, Leverage) und James Belushi (Blues Brothers). Das kann sich sehen lassen.

Der Ghostwriter ist ein ruhiger, aber nichtsdestoweniger unheimlich spannender Politthriller ganz im Stile eines Alfred Hitchcock. Geschickt werden persönliche und politische Verstrickungen miteinander verwoben und in einen globalen Zusammenhang eingebettet. Wie der Hauptprotagonist kann sich der Zuschauer niemals sicher sein. Der überzeugende Plot wird doch eine atmosphärisch dichte Inszenierung meisterlich unterstützt. Der Einsatz eines eigenwilligen Navigationssystems zum Voranbringen der Geschichte stört den Gesamteindruck etwas, zudem erscheint es etwas mager und zu sehr mit dem Holzhammer vorgetragen, wie letztlich die – obgleich sehr gelungene – Auflösung zu Tage gefördert wird. Doch insgesamt ist Der Ghostwriter ein überaus sehenswerter Thriller, den ein Hitchcock vermutlich nicht besser hätte machen können.

8,5/10

Review: Prometheus – Dunkle Zeichen

Geheimnisumwittert ging »Prometheus« in Produktion. Würde Ridley Scotts Rückkehr ins Science-Fiction-Genre ein »Alien«-Prequel werden? Ist es ein eigenständiger Film? Wie viel »Alien« steckt in »Prometheus«? Letztlich sind die Fragen nur bedingt von Belang. Fakt ist: »Prometheus« ist ein bildgewaltiges SciFi-Epos geworden!

Imposante Landschaftsaufnahmen eröffnen den Film. Weite Täler, hohe Gebirge, ruhige Seen, gewaltige Wasserfälle. Schon von Beginn an wird der Zuschauer durch diese faszinierenden Eindrücke in seinen Bann gezogen. Dann erscheinen mysteriöse Gestalten und schnell wird klar: Das hier ist ganz sicher kein neuer Teil des Doku-Highlights »Unsere Erde«.

Audiovisuell ist der gesamte Film schlichtweg atemberaubend. Auch im zarten Alter von 74 Jahren hat Ridley Scott regietechnisch nichts von seiner Klasse verloren. Der imposanten Eröffnungsszene folgt zunächst eine grandios gefilmte, atmosphärische erste Hälfte. Langsam wird eine faszinierende Mythologie aufgebaut, zugleich werden »Alien«-Fans immer wieder auf Anspielungen treffen. Vorsichtig, aber einem Blockbuster im 21. Jahrhundert angemessen, baut sich das Unheil auf, von dem der Zuschauer weiß, dass es unmittelbar bevorstehen muss.

In der Mitte des Films gibt es schließlich einen Bruch und die zweite Hälfte wird der ersten nicht mehr ganz gerecht. Hier verrennt sich »Prometheus« etwas zu sehr in einer Art Monsterhorror. Vielleicht hier und da etwas zu trashig, wissen jedoch auch diese Szenen im Großen und Ganzen zu gefallen – und gehören ja irgendwie auch zum »Alien«-Franchise dazu. Zartbesaitete dürften in der zweiten Hälfte das ein oder andere Mal die Hände vor die Augen legen. Freunde des gepflegten Ekels hingegen können sich auf die vermutlich jetzt schon kultige Operations-Szene freuen.

Die Protagonisten sind zumindest was die Nebencharaktere betrifft mitunter vielleicht etwas zu stereotyp angelegt. Und bei einigen Aussagen und Handlungen fragt man sich schon, wie der ein oder andere Wissenschaftler wirklich zu den Besten seines Faches gehören soll. Was die Besetzung betrifft, geben sich bekannte Namen die Klinke in die Hand. Freilich kann aber nicht jeder gleichermaßen gefordert werden. Schauspielerisch besonders glänzen können vor allem Noomi Rapace als Quasi-Nachfolgerin von Sigourney Weaver und Michael Fassbender (den ich mir als künftigen Bonddarsteller wünschen würde) als Android David – dem vielleicht interessantesten und undurchschaubarsten Charakter des Films. Gefreut habe ich mich zudem über Guy Pearce, den ich sehr schätze und der meiner Meinung nach insgesamt viel zu wenig Beachtung erhält. Im vorliegenden Fall stellt sich jedoch die Frage, ob seine Besetzung angesichts seines Alters wirklich sinnvoll gewesen ist.

Was den 3D-Effekt angeht, sieht man auf Anhieb, dass der Film nicht nachträglich konvertiert, sondern komplett in 3D gedreht wurde. Zugleich erkennt man, dass mit Ridley Scott ein gescheiter Regisseur am Werke ist, der den Effekt richtig einzusetzen weiß. Wer ständig etwas in Richtung Zuschauer Ragendes oder Fliegendes erwartet, wird enttäuscht werden. Derartige Gimmicks sucht man in »Prometheus« glücklicherweise vergeblich. Scott verwendet es nicht als ablenkende Spielerei, sondern ausschließlich zur Darstellung der räumlichen Tiefe. So und nicht anders sollte es sein! Wer 3D nur als Gimmick betrachtet und erwartet, immer wieder etwas auf sich zufliegen zu sehen, der sollte sich den 3D-Aufschlag vielleicht lieber für den kommenden »Resident Evil«-Teil oder den ein oder anderen Animationsfilm aufsparen.

Fazit: »Prometheus« ist etwas weniger tiefgründig geworden als erhofft und die actionreiche zweite Hälfte wird der ersten nicht ganz gerecht, doch was uns Ridley Scott  bei seiner Rückkehr in das Science-Fiction-Genre präsentiert ist gehobenes Blockbuster-Kino von einem Meister seines Faches. Wer mit der Erwartung ins Kino geht, ein reines »Alien«-Prequel zu schauen, wird vermutlich enttäuscht werden – »Prometheus« ist durchaus ein eigenständiger Film, der eine neue, faszinierende Mythologie einführt. Dennoch war ich sogar ehrlich gesagt positiv überrascht, dass die Filme durchaus mehr Verknüpfungen zueinander aufweisen können, als ich nach den Aussagen der Beteiligten und den ersten Kritiken eigentlich gedacht hätte. Audiovisuell ist der Film wahnsinnig beeindruckend. »Prometheus« ist ein bildgewaltiges Science-Fiction-Epos, der seine ganze Wirkung sicher nur auf der großen Leinwand entfalten kann. Ein paar essenzielle Fragen werden leider nicht aufgeklärt, doch angesichts der bereits geplanten Fortsetzung kann ich das nur bedingt als Schwachpunkt in die Bewertung einfließen lassen.

8,5/10

Review: The Dark Knight Rises (7,5/10)

»The Dark Knight Rises« hatte nach dem kongenialen Vorgänger-Film ein schweres Erbe anzutreten. Letztlich gelingt Christopher Nolan ein gelungener Abschluss einer insgesamt beeindruckenden Trilogie, nichtsdestotrotz ist der dritte der Teil der schwächste Vertreter dieser Reihe geworden.

Vor allem zu Beginn des Films merkt man ihm die großen Fußabdrücke an, die »The Dark Knight« hinterlassen hat. Etwas gezwungen versucht man, direkt an den Vorgänger anzuknüpfen, zugleich jedoch die Handlung des eigenen Teils einzuleiten. Und so verstrickt man sich zunächst etwas zu lange mit Nebenplots und der Einführung zahlreicher neuer Charaktere. Zugleich gelingt es nur bedingt, Bruce Wayne als wirklich gebrochenen Mann darzustellen. Hier verpasst der Film die düstere Wirkung stärker zu entfalten, hier verschenkt er möglicherweise etwas Potenzial. Ingesamt lässt sich feststellen, dass ­»The Dark Knight Rises« zu lange braucht, um Fahrt aufzunehmen, und sich ein paar Minuten zu viel Zeit für die Einleitung nimmt.

Die zweite Hälfte des Films entfaltet jedoch schließlich die Qualität, auf die der Zuschauer wartete. Hier beginnt »The Dark Knight Rises­« wirklich zu überzeugen. Es wurde spannend, episch, emotional. Im Grunde könnte man streng genommen sagen, dass der Film erst in der zweiten Hälfte wirklich beginnt. Gekonnt schafft es Nolan zudem, den aktuellen Zeitgeist zu treffen und aktuelle politische Ereignisse wie die Wirtschaftskrise und die allgegenwärtige Bedrohung durch den Terrorismus zu thematisieren.

Bane erreicht als Bösewicht nicht die Faszination eines Jokers, erweist sich dennoch als perfekter Antagonist für den Abschluss der Trilogie. Hier kommt es auch zu Gute, dass Nolan auf Bane nicht nur als hirnlose Kampfmaschine setzt, wie es Joel Schumacher im völlig überdrehten »Batman&Robin« tat. Während er dort zu einer Dumpfbacke verkam, orientiert sich Nolan viel stärker an der Comicvorlage, wo Bane eben nicht nur körperlich, sondern auch geistig Batman überlegen zu sein scheint. Mit Tom Hardy wurde für die Rolle auch ein großartiger Schauspieler gecastet, wobei dessen darstellerischen Fähigkeiten in diesem Fall nur bedingt wirklich erkennbar sind. Aber allein seine Präsenz – und zwar eben nicht nur die physische – schafft Tom Hardy absolut überzeugend rüberzubringen.

Von Catwoman war ich ehrlich gesagt nie ein großer Fan. Anne Hathaway kann in der Rolle durchaus überzeugen, aber der Charakter an sich fixt mich einfach nicht an. Zudem stellt sich die Frage, ob Catwoman für die Handlung wirklich notwendig gewesen wäre. Positiv überrascht hat mich Joseph Gordon-Levitt beziehungsweise dessen Rolle als Blake. Als damals die Castingmeldung kam, dass mit ihm eine weitere Hauptrolle besetzt wurde, war ich ob der ohnehin schon befürchteten Überladenheit skeptisch. Doch erweist sich sein Charakter und sein Schauspiel als absolute Bereicherung für den Film.
Bei so vielen neuen und alten Charakteren steht außer Frage, dass selbst bei einer Laufzeit von 164 Minuten einige zu kurz kommen. So verkommt Morgan Freeman/Lucius Fox in »The Dark Knight Rises« etwas zu einem Stichwortgeber und auch Gary Oldman und Michael Caine erhalten deutlich weniger Screentime als in den Vorgängerfilmen.

Fazit: »The Dark Knight Rises« hält sich zunächst zu lange mit der Einführung auf und braucht eine ganze Weile um Fahrt aufzunehmen. Vor allem zu Beginn merkt man ihm durchaus auch das schwere Erbe an, das ihm der kongeniale Vorgängerfilm hinterlassen hat. Die zweite Hälfte weiß dafür jedoch umso mehr zu überzeugen, hier spielt der Film seine ganze Qualität aus. Stellenweise wirkt »The Dark Knight Rises« nicht zuletzt aufgrund der Vielzahl an nicht unbedeutenden Charakteren eventuell etwas überladen, aber im Grunde schafft er es schon, eine ganz gute Balance zu finden. Den an manch anderer Stelle geäußerten Kritiken zum Ende kann ich mich nicht unbedingt anschließen.
Insgesamt betrachtet ist er zwar der schwächste Film der gesamten Trilogie, dennoch aber zweifelsohne ein würdiger Abschluss für die großartige »Dark Knight«-Reihe. Gekonnt thematisiert Nolan Terrorismus, Wirtschaftskrise und andere aktuelle Ereignisse. Ich denke mit der gesamten Trilogie hat er den Zeitgeist absolut getroffen.

7,5/10

Review: Rock of Ages

Rock of Ages ist letztlich schon ein klarer Fall von „Potenzial verschenkt“. Der Film war zweifelsohne amüsant und nett anzuschauen – würde man jedoch den Soundtrack streichen, bliebe nicht allzu viel übrig. Da hätte man mehr draus machen können und müssen.

Der Mainplot ist schnell erzählt: Junges Mädchen mit Talent aus Oklahoma kommt nach Hollywood, um ganz groß raus zu kommen. Das hat man schon rund einhundertsiebenundzwanzig Mal gesehen und ist somit weit davon entfernt, originell zu sein. Der Film muss somit versuchen, an anderer Stelle zu punkten. Die daraus resultierende Liebesgeschichte folgt ebenfalls Schema F und kann wenig überzeugen – auch weil Julianne Hough und insbesondere Diego Boneta in den Hauptrollen irgendwie fehlbesetzt sind. Sie wirken wie dem High School Musical entsprungen, die Rolle der Rocker kauft man ihnen einfach nicht ab. Bezeichnend, dass Boneta in seinem Z-Guyeezz-Outfit („Doppeltes E, doppeltes Z, doppeltes Flavor!“) optisch besser passt als in seiner Rocker-Kluft.

Glücklicherweise gibt es ja noch die Nebenplots um die Bourbon Bar und Stacee Jaxx. Zwar ist hier bei der klassischen „Prüdes Amerika gegen den Rock’n’Roll“-Nummer auch nur bedingt Originalität zu erwarten, aber diese Storylines sind sehr witzig und unterhaltsam geworden. Hier tummeln sich letztlich auch die ganzen großen Namen wie Tom Cruise, Alec Baldwin oder Paul Giamatti. Allein diese Stars in ungewohnten, völlig überzeichneten Rollen zu sehen, ist ein Pluspunkt für Rock of Ages. Und ich mag Tom Cruise eigentlich nicht so gerne, aber hier kann man nur seinen Hut ziehen. Er ist als Stacee Jaxx zweifellos absolut awesome. Auf jeden Fall das Highlight des Films. Und ihm gehört die vielleicht unerotischste Sexszene seit „Matrix Reloaded“ – mit dem Unterschied, dass die Letztgenannte ernst gemeint war und die in Rock of Ages bewusst völlig überdreht wurde, während Tom Cruise und Malin Akerman Foreigners „I Want To Know What Love Is“ schmettern – hilarious !!

Der Soundtrack war erwartungsgemäß klasse – bei einem Musical wäre alles andere auch der absolute Genickbruch gewesen. Foreigner, Toto, Twisted Sister uvm…wer auf 80er-Jahre-Rock’n’Roll steht wird seine Freude haben. Allerdings muss man hier etwas Abstriche machen, denn die Songs wirken alle etwas „verweichlicht“, mehr auf das Mainstream-Publikum zugeschnitten. Den Interpretationen der Hauptdarsteller fehlte dann mitunter doch etwas die Power.

Außerdem etwas schade, dass es keinerlei Gastauftritte alter 80s-Rockstars gegeben hat. Solch ein Film wäre doch prädestiniert dafür gewesen! Die ganze Zeit wartete ich darauf, dass vielleicht Slash an der Bar steht und einen coolen Spruch raus haut, Aerosmith mal durchs Bild läuft oder Alice Cooper irgendwo im Hintergrund abhängt. Aber Pustekuchen…leider kam dahingehend gar nichts. Schade!

Fazit: Rock of Ages ist leider etwas weniger geworden, als man daraus hätte machen können. Der Film ist nett, mag aber irgendwie nicht so richtig zu zünden. Ohne den Soundtrack wäre nicht viel mehr von dem Film übrig geblieben. Wer auf 80s-Rock steht, wird seine Freude haben und insbesondere wer seine Jugend in den 80er Jahren verbracht hat, sollte auf jeden Fall mal hineinschauen. Die Story ist nicht besonders erwähnenswert, vor allem der Mainplot ist sehr unoriginell und die Liebesgeschichte erwartungsgemäß sehr kitschig. Die beiden Hauptdarsteller sind zwar musicaltauglich, erscheinen für die Darstellung eines Rockerpärchens aber nicht glaubwürdig. Dafür können die besetzten A-Class-Schauspieler absolut überzeugen. Insbesondere Tom Cruise als Stacee Jaxx ist das absolute Highlight des Films.

5/10

Review: The Avengers

Eines vorweg: Ich bin ehrlich gesagt kein großer Fan von Superhelden. Wenn, dann mag ich es eher „bodenständiger“, wie es beispielsweise Batman ist, der ja über keine übermenschlichen Fähigkeiten verfügt. Deswegen dürfen Kritiker, die es angesichts meiner Wertung sicherlich geben wird, natürlich durchaus mein Review in Frage stellen – tut euch keinen Zwang an. Nichtsdestotrotz muss ich für The Avengers auch unter Berücksichtung dessen einfach konstatieren: Don’t Trust The Hype! Denn dafür weist der Film einfach zu viele Mängel auf, über die auch die gut gefilmten Actionsequenzen nicht hinwegtäuschen können.

Ein merkwürdiger Energiewürfel sowie ein pseudocooler Bösewicht in stylischer Lederkluft (die er später zugunsten einer lächerlichen, gehörnten Rüstung aufgibt) – der Film fing für mich schon mal etwas gewöhnungsbedürftig an. Aber das wären comicbedingte Punkte, die ich also im Grunde nicht hervorhebend als Kritik berücksichtigen möchte.

Grundsätzlich ist die erste Stunde des Films einfach relativ uninteressant, um nicht zu sagen langweilig. Der Film nimmt sich sehr viel Zeit, die verschiedenen Charaktere einzuführen, ohne das aber besonders spannend zu gestalten. Auf die Problematik der Charaktere möchte ich später ohnehin noch einmal zu sprechen kommen.

Ein Pluspunkt – auch bereits in der ersten Hälfte des Films – ist ganz klar der Humor. An einigen wenigen Stellen kratzt er zwar doch an der Grenze nur Albernheiten, aber größtenteils ist er wirklich gut und pointiert eingewoben. Vor allem die verschiedenen verbalen Schlagabtausche – meist natürlich in Beteiligung von Tony Stark a.k.a. Iron Man – lockern den Film auf. Autor/Regisseur Joss Whedon beweist hier sein gutes Gespür für gelungenen und an den richtigen Stellen platzierten Witz.

Auch die Besetzung kann sich sehen lassen. Allen voran natürlich Scarlett Johansson, die nicht nur unbeschreiblich heiß, sondern bekanntermaßen auch übermäßig talentiert ist. Auch Robert Downey Jr. überzeugt einmal mehr in seiner Rolle als überheblicher, aber dennoch irgendwie sympathischer Tony Stark. Positiv überrascht hat mich auch Mark Ruffalo als Bruce Banner/Hulk – auch wenn der vormalige Hulk-Darsteller Edward Norton zweifelsohne noch ein anderes Kaliber ist. Samuel L. Jackson ist gewohnt die personifizierte Coolness. Und dann gibt es da noch…na ja…Chris Hemsworth und seine Muskeln. Etwas irritierend fand ich jedoch die meiste Zeit Cobie Smulders als Agent Hill. Weniger aufgrund ihrer schauspielerischen Qualitäten, keineswegs, sondern einfach, weil ich sie nach bald sieben Jahren How I Met Your Mother einfach allzu sehr mit Robin Scherbatsky aus ebenjener Sitcom assoziiere.

Also, der Cast kann jedenfalls weitestgehend wirklich überzeugen. Das Problem ist jedoch die Auslegung der jeweiligen Rollen. Es wird einfach nicht geschafft, eine emotionale Bindung zwischen Publikum und den Protagonisten herzustellen. Dadurch ist dem Zuschauer ihr Schicksal mehr oder weniger gleichgültig. Und bei einem Film, bei dem genrebedingt im Grunde schon von Anfang an klar ist, dass am Ende die Helden die Erde retten werden und somit dahingehend keine Spannung aufgebaut werden kann, muss die Gleichgültigkeit gegenüber den agierenden Protagonisten eigentlich als dramaturgischer Genickbruch angesehen werden.

So ist dies dann möglicherweise auch der Grund, weshalb The Avengers  in der über zweistündigen Laufzeit sehr häufig relativ langweilig erscheint – auch wenn das in der zweiten Hälfe dahingehend eine merkliche Steigerung gegenüber der ersten Hälfe gibt. Ein weiterer Grund ist dann doch der eher platte Plot und damit verbunden der leider etwas blass bleibende Bösewicht. Scheint man zu Beginn noch mit der Frage nach der Freiheit eine interessante, fast schon philosophische Grundrichtung einzuschlagen, verpufft diese relativ bald zu einem ausgelutschten Motiv der reinen Besessenheit von der Weltherrschaft.

Der Showdown ist schließlich eine übertriebene Action- und Effektschlacht gigantischen Ausmaßes. Ein absoluter CGI-Overflow. Aber was soll ich sagen? Dieser macht wirklich Spaß. Hirn abschalten und von der Action berieseln lassen heißt die Devise – die letzten rund 20 Minuten können daher wiederum als gelungen betrachtet werden und suggerieren letztlich einen besseren Gesamteindruck, als der Film die vorhergegangenen zwei Stunden vermittelte.   

Fazit: Was die Action betrifft, kann der Film definitiv auf ganzer Linie überzeugen. Das  Problem ist jedoch, dass man damit nicht über zwei Stunden interessant ausfüllen kann. Ein platter Plot mit einem blassen Bösewicht und seinem stereotypen Motiv sowie die fehlende emotionale Bindung zwischen Publikum und Protagonisten bei gleichzeitiger genrebedingter Vorhersehbarkeit des Endes machen in meinen Augen The Avengers leider zu einem eher recht langweiligen und zähen Film. Ich weiß, dass ich mit dieser Meinung weitestgehend alleine dastehe. Die Milliarde bei den Einspielergebnissen nach gerade einmal 18 Tagen erreicht, unzählige begeisterte Kinobesucher, fast ebenso viele positive Kritiken von den verschiedensten Rezensenten, ein großer Hype um den Film. Das alles lässt mich natürlich als ziemlichen Geisterfahrer erscheinen. Und Kritiker werden mir – vielleicht zurecht – vorwerfen, dass ich den Film nicht aussagekräftig beurteilen kann, wenn ich mit Superhelden in der Regel ohnehin nicht allzu viel anfangen kann. Nur habe in meinem Review weitestgehend versucht, diese Tatsache außer Acht zu lassen (was ich natürlich nicht vollständig ausblenden kann, zugeben) und mich auf allgemeine filmische Mängel zu stützen. Letztlich ist mein Review natürlich wie jede Filmkritik eines jeden Kritikers immer nur subjektiv. Letztlich kann ein jeder nur für sich selbst entscheiden, wie er zur großen positiven Resonanz von The Avengers steht – vielleicht wird er sagen: „So viele Menschen können nicht irren.“ Oder aber der Devise „Der größte Haufen zieht die meisten Fliegen an“ folgen. Diese Entscheidung kann und werde ich niemandem abnehmen. Eines ist Joss Whedon jedoch anzurechnen: Ihm ist es tatsächlich gelungen, das große grüne Etwas namens Hulk sogar relativ cool dastehen zu lassen.

4,5/10

Review: Hugo Cabret

Martin Scorsese dreht seinen ersten 3D-Film und begibt sich dabei mit einer eher kindgerechten Thematik auf ein für ihn sehr ungewöhnliches Terrain. Kann das gut gehen? Es kann, denn Scorsese wäre nicht Scorsese, wenn er nicht mehr aus seinen Filmen herausholen würde, als oberflächlich betrachtet vielleicht dringesteckt hätte.

Paris, 1931: Der zwölfjährige Waisenjunge Hugo Cabret (Asa Buttefield) lebt in den Gemäuern eines Pariser Bahnhofs, wo er seine Zeit mit der Wartung der Bahnhofsuhren verbringt. Nebenbei versucht er einen geheimnisvollen mechanischen Menschen zum Laufen zu bringen, den sein Vater bis kurz vor seinem Tod versucht hatte, zu reparieren. Als der Spielwarenhändler Papa Georges (Ben Kingsley) ihm das dazugehörige Notizbuch abnimmt, scheint all seine Hoffnung verloren. Doch mit Hilfe von dessen Patentochter Isabelle (Chloe Moretz) kommt er einem Geheimnis auf die Spur, bei dem der mechanische Mensch und Papa Georges in einem mysteriösen Zusammenhang zu stehen scheinen…

„Hugo Cabret“ beginnt zweifellos als Kinderfilm – und letztlich bleibt der Film auch die volle Distanz über durchaus kindgerecht. So ist auch der Humor mitunter naiv-albern, wobei vor allem Sascha Baron Cohen als Bahnhofsvorsteher die eine oder andere Slapstickeinlage auf seiner Seite hat.

Doch entwickelt sich der Film mit fortschreitender Spieldauer immer mehr zu einer eleganten Liebeserklärung an das Kino. Einfach magisch! Martin Scorsese kreiert mit „Hugo Cabret“ eine Hommage an das Medium Film und die Frühzeit des Kinos und tritt dabei interessanterweise in eine ähnliche Kerbe wie der aktuelle Stummfilm-Hit „The Artist“ – nur eben mit einer gänzlich anderen Herangehensweise. Und beide Filme sind mit 11 Nominierungen („Hugo Cabret“) bzw. 10 Nominierungen („The Artist“) die großen Favoriten bei der diesjährigen Oscarverleihung.

Den 3D-Effekt verwendet jemand wie Scorsese erwartungsgemäß nicht als reines Gimmick. Es wird glücklicherweise im Grunde gänzlich auf nervige Spielereien verzichtet, bei dem etwas in den Zuschauerraum ragt oder fliegt. Stattdessen folgt Scorsese lediglich der logischen Entwicklung des Mediums und nutzt den Effekt eindrucksvoll, um seinem Film die räumliche Tiefe zu vermitteln. Und dabei scheute Scorsese bei seinem ersten 3D-Film nicht die Herausforderung: Keine sterilen leeren Bilder, sondern ständiges Auftreten von Staub, Asche oder Schnee in den unterschiedlichsten Szenen gestalten den 3D-Effekt in „Hugo Cabret“ besonders beeindruckend. Eine Hommage an die Frühzeit des Films zu drehen und dabei die aktuell modernsten technischen Mittel zu nutzen, kann dabei natürlich als besonders interessant und raffiniert betrachtet werden.

Fazit: Oberflächlich betrachtet scheint hinter „Hugo Cabret“ zunächst tatsächlich nur ein märchenhafter Kinderfilm zu stecken, doch mit der Zeit entwickelt er sich jedoch zu einer Hommage an das Medium Film. Ein Muss für jeden Filmliebhaber! Vor allem das letzte Drittel ist wunderschön, eine Liebeserklärung an die Frühzeit des Kinos. Magisch!

8/10