Monatsarchive: Februar 2013

Review: Flight (USA 2012)

fliJahrelang hat sich Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft) mit Motion-Capture-Filmen wie Der Polarexpress  oder Beowulf beschäftigt, nun kehrt er mit dem Alkoholismus-Drama Flight in die reale Spielfilmwelt zurück.

Es dauert einige Minuten, bis der Zuschauer sich eingefunden hat – vor allem die Frage nach der Notwendigkeit der Szenen um die Vorgeschichte Nicoles (Kelly Reilly) muss hier gestellt werden. Doch spätestens mit der spannungsgeladenen und packenden Inszenierung des Flugzeugunglücks wird auch der Letzte im Kinosaal abgeholt.

Anschließend nimmt der Film einiges an Fahrt (bzw. Flug) heraus. Was folgt ist ein mitreißendes Alkoholismus-Drama. Der Plot um den Flugzeugabsturz und die anschließenden Ermittlungen dient als Rahmen, um die gefährlichen Stimmungsschwankungen, die privaten Konsequenzen, die Verdrängung des Problems und den schwierigen Versuch zu zeigen, die Sucht zu besiegen. An dieser Stelle kann die schauspielerische Leistung von Denzel Washington (Training Day) nicht hoch genug gelobt werden. Schonungslos überzeugend stellt er alle Facetten eines Suchtkranken dar.

Prinzipiell ist Flight eine klassische amerikanische Schuld-und-Sühne-Geschichte, die sich jedoch durch eine interessante moralische Fragestellung von anderen Vertretern absetzen kann: Was ist höher zu bewerten, die Verantwortungslosigkeit des betrunkenen Flugkapitäns oder seine Rettung zahleicher Menschenleben? Dem Drehbuch kann vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas zu viel Zufall vorgeworfen werden, doch Flight ist zweifelsohne ein sehenswertes Melodram und ein gelungenes »Comeback« von Robert Zemeckis.

7/10

Review: Frankenweenie (USA 2012)

fraweSchon die erste Szene des Films macht dem Zuschauer klar, dass es sich bei Frankenweenie um eine Hommage an den Film, insbesondere an die B-Grusler der 50er und 60er Jahre, handelt. Zu Beginn noch als kleiner, selbst gemachter »Film im Film« eingebaut, wird dies durch Handlung und Inszenierung anschließend im gesamten Verlaufe deutlich, um im fulminanten Finale schließlich mit vielen Anspielungen auf die Klassiker des Genres aufzuwarten.

Es ist in meinen Augen zwar trotz der kurzen Laufzeit durchaus ein wenig zu spüren, dass hier ein Kurzfilm auf eine Spielfilmlänge gebracht werden musste, doch wird die ein oder andere Länge durch den versprühenden Charme des Ganzen ausgebügelt. Es ist schön zu sehen, dass Tim Burton es offenbar doch noch versteht, einen Film mit Seele zu produzieren.

In jeder Szene ist die Liebe zu spüren, mit der alle Beteiligten dieses Projekts zu Werke gingen – vermutlich bleibt das nicht aus, wenn im 21. Jahrhundert noch ein klassischer Stop-Motion-Film gedreht wird. Es muss wahrlich eine Heidenarbeit sein, jede einzelne Bewegung bei vierundzwanzig Bildern pro Sekunde per Handarbeit einzustellen.

Frankenweenie ist ein Film über Freundschaft und Verlust sowie die Verantwortung der Wissenschaften. »Wissenschaft kommt auch von hier«, sagt der sicher nicht zufällig an Vincent Price erinnernde Mr. Rzykruski an einer Stelle und führt die Hand an sein Herz. Aus moralischer Perspektive hätte ich mir dahingehend zwar noch ein etwas anderes Ende gewünscht, doch nichtsdestoweniger bleibt die Botschaft klar.

Mit viel Charme kehrt Tim Burton nach seinen letzten Ausflügen ins Reich der Blockbuster wieder zu seinen Wurzeln zurück. An seine ganz große Zeit kann auch Frankenweenie nicht anschließen, aber es ist schön zu sehen, dass er es offenbar noch nicht ganz verlernt hat.

7/10 

Review: The Impossible (ES 2012)

impAm 26. Dezember 2004 schockierte die Meldung von dem Tsunami in Südostasien die ganze Welt. Ein Erdbeben im Indischen Ozean hatte eine Riesenwelle zur Folge, die letztlich 225.000 Menschen das Leben kosten sollte. Der spanische Regisseur Juan Antonio Bayona (Das Weisenhaus) hat sich dieses Szenarios nun angenommen und mit The Impossible ein mitreißendes Familiendrama geschaffen.

Vor allem die Inszenierung der Monsterwelle gehört zweifelsohne zu den intensivsten Kinoerlebnissen der letzten Jahre. Eine dröhnende Geräuschkulisse, überzeugende Kameraarbeit – und mittendrin eine beeindruckend agierende Naomi Watts, die für ihre Leistung in The Impossible in diesem Jahr nicht zu Unrecht für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert ist. Nicht zuletzt dank ihrem herzzerreißenden Spiel der puren Verzweiflung schaffen es Bayona und sein Kameramann Óscar Faura (Biutiful) auch durch den starken Kontrast zur vorher gezeigten Schönheit eindrucksvoll einzufangen, wie die Hölle das Paradies traf. Schonungslos wird anschließend die physische Brutalität gezeigt. Offene Wunden, körperliche Schmerzen, angespülte Leichen – nichts für schwache Nerven.

Leider wurde dem physischen Leiden und den anschließenden psychischen Qualen nicht dieselbe notwendige Aufmerksamkeit geschenkt. Die Szenen nach dem Rückzug der Monsterwelle wirken teilweise wie eine Last, eine ungewollte Notwendigkeit und verlieren sich etwas im Kitsch – auch wenn ich diesen grundsätzlich für diese Art Film durchaus als noch im Rahmen befindlich bezeichnen würde.

Als etwas problematisch sehe ich zudem den ausschließlichen Fokus auf Opfer der westlichen Welt an. Neben der ohnehin im Mittelpunkt stehenden Familie um Maria (Naomi Watts) und Henry (Ewan McGregor) sehen wir Opfer aus Deutschland, Niederlande, Italien und anderen westlichen Ländern. Vom Schicksal der einheimischen Bevölkerung, dessen Überlebende nicht in einen einigermaßen geregelten Alltag in ihre Heimat ausgeflogen werden können, erfahren wir nichts.

Die einseitige Darstellung kann angeprangert werden, The Impossible bleibt aber ein packend inszeniertes, mitreißendes Familiendrama, das nicht zuletzt mit ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen aller Beteiligten (neben Watts soll an dieser Stelle vor allem Nachwuchsschauspieler Tom Holland erwähnt werden) glänzen kann und vor allem in der ersten Hälfte unglaublich intensiv ist.

6,5/10 

Review: Die amerikanische Nacht (FR 1973)

nuamFilme über das Filmemachen versprühen in der Regel vor allem für Cineasten eine besondere Magie, bekommt der Zuschauer doch einen einmaligen Blick hinter die Kulissen, fernab vom klassischen Making-Of. Wenn dann zudem kein Geringerer als François Truffaut, einer der Großen des europäischen Films, in fiktiver Weise sich über die Schulter schauen lässt, entsteht doch ein ganz besonderes Maß an Neugierde.

Leider vergisst Truffaut in Die amerikanische Nacht eine wirkliche Geschichte innerhalb des großen Rahmens zu erzählen. Lediglich die Liebeleien des Alfons könnten als solche vielleicht noch gedeutet werden, reichen allerdings nicht aus, um so etwas wie Spannung zu erzeugen.

Knapp zwei Stunden beobachten wir lediglich distanziert die Produktion des Films, die vor allerhand Probleme gestellt wird. Hier erscheint es auch mehr als unglaubwürdig, wie viele Steine der Produktion in den Weg gelegt werden – was schief gehen kann, geht auch schief: Betrunkene Schauspieler, vernichtetes Material, eifersüchtige Liebeleien, undressierte Kätzchen, sterbende Darsteller. Das alles ist durchaus komisch, für eine derartige Überzogenheit ist der Film jedoch wiederum nicht Komödie genug. Für ein Drama fehlt es zugleich aber an Ernsthaftigkeit und Emotionalität bei tragischen Ereignissen.

Letztlich steht der Film im Film in Vordergrund. Das ist die Quintessenz des Ganzen. Alles wird ihm geopfert, komme was wolle, die Produktion muss fertig gestellt werden. Und so kann man die gewählte Inszenierung Truffauts auch durchaus als passend beschreiben, auch wenn sie mitunter recht langatmig erscheint.

Zweifelsohne ist Die amerikanische Nacht von François Truffaut ein wichtiger Film. Genauso wie 8 ½ von Federico Fellini oder Die Verachtung von Jean-Luc Godard wichtige Filme sind. Nichtsdestotrotz konnte mich der Film nicht vollends überzeugen, auch wenn ich ihn nachvollziehen kann, auch wenn ich verstehen kann, warum der Film so ist, wie er ist.

5/10