Monatsarchive: August 2012

Review: Prometheus – Dunkle Zeichen

Geheimnisumwittert ging »Prometheus« in Produktion. Würde Ridley Scotts Rückkehr ins Science-Fiction-Genre ein »Alien«-Prequel werden? Ist es ein eigenständiger Film? Wie viel »Alien« steckt in »Prometheus«? Letztlich sind die Fragen nur bedingt von Belang. Fakt ist: »Prometheus« ist ein bildgewaltiges SciFi-Epos geworden!

Imposante Landschaftsaufnahmen eröffnen den Film. Weite Täler, hohe Gebirge, ruhige Seen, gewaltige Wasserfälle. Schon von Beginn an wird der Zuschauer durch diese faszinierenden Eindrücke in seinen Bann gezogen. Dann erscheinen mysteriöse Gestalten und schnell wird klar: Das hier ist ganz sicher kein neuer Teil des Doku-Highlights »Unsere Erde«.

Audiovisuell ist der gesamte Film schlichtweg atemberaubend. Auch im zarten Alter von 74 Jahren hat Ridley Scott regietechnisch nichts von seiner Klasse verloren. Der imposanten Eröffnungsszene folgt zunächst eine grandios gefilmte, atmosphärische erste Hälfte. Langsam wird eine faszinierende Mythologie aufgebaut, zugleich werden »Alien«-Fans immer wieder auf Anspielungen treffen. Vorsichtig, aber einem Blockbuster im 21. Jahrhundert angemessen, baut sich das Unheil auf, von dem der Zuschauer weiß, dass es unmittelbar bevorstehen muss.

In der Mitte des Films gibt es schließlich einen Bruch und die zweite Hälfte wird der ersten nicht mehr ganz gerecht. Hier verrennt sich »Prometheus« etwas zu sehr in einer Art Monsterhorror. Vielleicht hier und da etwas zu trashig, wissen jedoch auch diese Szenen im Großen und Ganzen zu gefallen – und gehören ja irgendwie auch zum »Alien«-Franchise dazu. Zartbesaitete dürften in der zweiten Hälfte das ein oder andere Mal die Hände vor die Augen legen. Freunde des gepflegten Ekels hingegen können sich auf die vermutlich jetzt schon kultige Operations-Szene freuen.

Die Protagonisten sind zumindest was die Nebencharaktere betrifft mitunter vielleicht etwas zu stereotyp angelegt. Und bei einigen Aussagen und Handlungen fragt man sich schon, wie der ein oder andere Wissenschaftler wirklich zu den Besten seines Faches gehören soll. Was die Besetzung betrifft, geben sich bekannte Namen die Klinke in die Hand. Freilich kann aber nicht jeder gleichermaßen gefordert werden. Schauspielerisch besonders glänzen können vor allem Noomi Rapace als Quasi-Nachfolgerin von Sigourney Weaver und Michael Fassbender (den ich mir als künftigen Bonddarsteller wünschen würde) als Android David – dem vielleicht interessantesten und undurchschaubarsten Charakter des Films. Gefreut habe ich mich zudem über Guy Pearce, den ich sehr schätze und der meiner Meinung nach insgesamt viel zu wenig Beachtung erhält. Im vorliegenden Fall stellt sich jedoch die Frage, ob seine Besetzung angesichts seines Alters wirklich sinnvoll gewesen ist.

Was den 3D-Effekt angeht, sieht man auf Anhieb, dass der Film nicht nachträglich konvertiert, sondern komplett in 3D gedreht wurde. Zugleich erkennt man, dass mit Ridley Scott ein gescheiter Regisseur am Werke ist, der den Effekt richtig einzusetzen weiß. Wer ständig etwas in Richtung Zuschauer Ragendes oder Fliegendes erwartet, wird enttäuscht werden. Derartige Gimmicks sucht man in »Prometheus« glücklicherweise vergeblich. Scott verwendet es nicht als ablenkende Spielerei, sondern ausschließlich zur Darstellung der räumlichen Tiefe. So und nicht anders sollte es sein! Wer 3D nur als Gimmick betrachtet und erwartet, immer wieder etwas auf sich zufliegen zu sehen, der sollte sich den 3D-Aufschlag vielleicht lieber für den kommenden »Resident Evil«-Teil oder den ein oder anderen Animationsfilm aufsparen.

Fazit: »Prometheus« ist etwas weniger tiefgründig geworden als erhofft und die actionreiche zweite Hälfte wird der ersten nicht ganz gerecht, doch was uns Ridley Scott  bei seiner Rückkehr in das Science-Fiction-Genre präsentiert ist gehobenes Blockbuster-Kino von einem Meister seines Faches. Wer mit der Erwartung ins Kino geht, ein reines »Alien«-Prequel zu schauen, wird vermutlich enttäuscht werden – »Prometheus« ist durchaus ein eigenständiger Film, der eine neue, faszinierende Mythologie einführt. Dennoch war ich sogar ehrlich gesagt positiv überrascht, dass die Filme durchaus mehr Verknüpfungen zueinander aufweisen können, als ich nach den Aussagen der Beteiligten und den ersten Kritiken eigentlich gedacht hätte. Audiovisuell ist der Film wahnsinnig beeindruckend. »Prometheus« ist ein bildgewaltiges Science-Fiction-Epos, der seine ganze Wirkung sicher nur auf der großen Leinwand entfalten kann. Ein paar essenzielle Fragen werden leider nicht aufgeklärt, doch angesichts der bereits geplanten Fortsetzung kann ich das nur bedingt als Schwachpunkt in die Bewertung einfließen lassen.

8,5/10

Review: The Dark Knight Rises (7,5/10)

»The Dark Knight Rises« hatte nach dem kongenialen Vorgänger-Film ein schweres Erbe anzutreten. Letztlich gelingt Christopher Nolan ein gelungener Abschluss einer insgesamt beeindruckenden Trilogie, nichtsdestotrotz ist der dritte der Teil der schwächste Vertreter dieser Reihe geworden.

Vor allem zu Beginn des Films merkt man ihm die großen Fußabdrücke an, die »The Dark Knight« hinterlassen hat. Etwas gezwungen versucht man, direkt an den Vorgänger anzuknüpfen, zugleich jedoch die Handlung des eigenen Teils einzuleiten. Und so verstrickt man sich zunächst etwas zu lange mit Nebenplots und der Einführung zahlreicher neuer Charaktere. Zugleich gelingt es nur bedingt, Bruce Wayne als wirklich gebrochenen Mann darzustellen. Hier verpasst der Film die düstere Wirkung stärker zu entfalten, hier verschenkt er möglicherweise etwas Potenzial. Ingesamt lässt sich feststellen, dass ­»The Dark Knight Rises« zu lange braucht, um Fahrt aufzunehmen, und sich ein paar Minuten zu viel Zeit für die Einleitung nimmt.

Die zweite Hälfte des Films entfaltet jedoch schließlich die Qualität, auf die der Zuschauer wartete. Hier beginnt »The Dark Knight Rises­« wirklich zu überzeugen. Es wurde spannend, episch, emotional. Im Grunde könnte man streng genommen sagen, dass der Film erst in der zweiten Hälfte wirklich beginnt. Gekonnt schafft es Nolan zudem, den aktuellen Zeitgeist zu treffen und aktuelle politische Ereignisse wie die Wirtschaftskrise und die allgegenwärtige Bedrohung durch den Terrorismus zu thematisieren.

Bane erreicht als Bösewicht nicht die Faszination eines Jokers, erweist sich dennoch als perfekter Antagonist für den Abschluss der Trilogie. Hier kommt es auch zu Gute, dass Nolan auf Bane nicht nur als hirnlose Kampfmaschine setzt, wie es Joel Schumacher im völlig überdrehten »Batman&Robin« tat. Während er dort zu einer Dumpfbacke verkam, orientiert sich Nolan viel stärker an der Comicvorlage, wo Bane eben nicht nur körperlich, sondern auch geistig Batman überlegen zu sein scheint. Mit Tom Hardy wurde für die Rolle auch ein großartiger Schauspieler gecastet, wobei dessen darstellerischen Fähigkeiten in diesem Fall nur bedingt wirklich erkennbar sind. Aber allein seine Präsenz – und zwar eben nicht nur die physische – schafft Tom Hardy absolut überzeugend rüberzubringen.

Von Catwoman war ich ehrlich gesagt nie ein großer Fan. Anne Hathaway kann in der Rolle durchaus überzeugen, aber der Charakter an sich fixt mich einfach nicht an. Zudem stellt sich die Frage, ob Catwoman für die Handlung wirklich notwendig gewesen wäre. Positiv überrascht hat mich Joseph Gordon-Levitt beziehungsweise dessen Rolle als Blake. Als damals die Castingmeldung kam, dass mit ihm eine weitere Hauptrolle besetzt wurde, war ich ob der ohnehin schon befürchteten Überladenheit skeptisch. Doch erweist sich sein Charakter und sein Schauspiel als absolute Bereicherung für den Film.
Bei so vielen neuen und alten Charakteren steht außer Frage, dass selbst bei einer Laufzeit von 164 Minuten einige zu kurz kommen. So verkommt Morgan Freeman/Lucius Fox in »The Dark Knight Rises« etwas zu einem Stichwortgeber und auch Gary Oldman und Michael Caine erhalten deutlich weniger Screentime als in den Vorgängerfilmen.

Fazit: »The Dark Knight Rises« hält sich zunächst zu lange mit der Einführung auf und braucht eine ganze Weile um Fahrt aufzunehmen. Vor allem zu Beginn merkt man ihm durchaus auch das schwere Erbe an, das ihm der kongeniale Vorgängerfilm hinterlassen hat. Die zweite Hälfte weiß dafür jedoch umso mehr zu überzeugen, hier spielt der Film seine ganze Qualität aus. Stellenweise wirkt »The Dark Knight Rises« nicht zuletzt aufgrund der Vielzahl an nicht unbedeutenden Charakteren eventuell etwas überladen, aber im Grunde schafft er es schon, eine ganz gute Balance zu finden. Den an manch anderer Stelle geäußerten Kritiken zum Ende kann ich mich nicht unbedingt anschließen.
Insgesamt betrachtet ist er zwar der schwächste Film der gesamten Trilogie, dennoch aber zweifelsohne ein würdiger Abschluss für die großartige »Dark Knight«-Reihe. Gekonnt thematisiert Nolan Terrorismus, Wirtschaftskrise und andere aktuelle Ereignisse. Ich denke mit der gesamten Trilogie hat er den Zeitgeist absolut getroffen.

7,5/10