Review: The Avengers

Eines vorweg: Ich bin ehrlich gesagt kein großer Fan von Superhelden. Wenn, dann mag ich es eher „bodenständiger“, wie es beispielsweise Batman ist, der ja über keine übermenschlichen Fähigkeiten verfügt. Deswegen dürfen Kritiker, die es angesichts meiner Wertung sicherlich geben wird, natürlich durchaus mein Review in Frage stellen – tut euch keinen Zwang an. Nichtsdestotrotz muss ich für The Avengers auch unter Berücksichtung dessen einfach konstatieren: Don’t Trust The Hype! Denn dafür weist der Film einfach zu viele Mängel auf, über die auch die gut gefilmten Actionsequenzen nicht hinwegtäuschen können.

Ein merkwürdiger Energiewürfel sowie ein pseudocooler Bösewicht in stylischer Lederkluft (die er später zugunsten einer lächerlichen, gehörnten Rüstung aufgibt) – der Film fing für mich schon mal etwas gewöhnungsbedürftig an. Aber das wären comicbedingte Punkte, die ich also im Grunde nicht hervorhebend als Kritik berücksichtigen möchte.

Grundsätzlich ist die erste Stunde des Films einfach relativ uninteressant, um nicht zu sagen langweilig. Der Film nimmt sich sehr viel Zeit, die verschiedenen Charaktere einzuführen, ohne das aber besonders spannend zu gestalten. Auf die Problematik der Charaktere möchte ich später ohnehin noch einmal zu sprechen kommen.

Ein Pluspunkt – auch bereits in der ersten Hälfte des Films – ist ganz klar der Humor. An einigen wenigen Stellen kratzt er zwar doch an der Grenze nur Albernheiten, aber größtenteils ist er wirklich gut und pointiert eingewoben. Vor allem die verschiedenen verbalen Schlagabtausche – meist natürlich in Beteiligung von Tony Stark a.k.a. Iron Man – lockern den Film auf. Autor/Regisseur Joss Whedon beweist hier sein gutes Gespür für gelungenen und an den richtigen Stellen platzierten Witz.

Auch die Besetzung kann sich sehen lassen. Allen voran natürlich Scarlett Johansson, die nicht nur unbeschreiblich heiß, sondern bekanntermaßen auch übermäßig talentiert ist. Auch Robert Downey Jr. überzeugt einmal mehr in seiner Rolle als überheblicher, aber dennoch irgendwie sympathischer Tony Stark. Positiv überrascht hat mich auch Mark Ruffalo als Bruce Banner/Hulk – auch wenn der vormalige Hulk-Darsteller Edward Norton zweifelsohne noch ein anderes Kaliber ist. Samuel L. Jackson ist gewohnt die personifizierte Coolness. Und dann gibt es da noch…na ja…Chris Hemsworth und seine Muskeln. Etwas irritierend fand ich jedoch die meiste Zeit Cobie Smulders als Agent Hill. Weniger aufgrund ihrer schauspielerischen Qualitäten, keineswegs, sondern einfach, weil ich sie nach bald sieben Jahren How I Met Your Mother einfach allzu sehr mit Robin Scherbatsky aus ebenjener Sitcom assoziiere.

Also, der Cast kann jedenfalls weitestgehend wirklich überzeugen. Das Problem ist jedoch die Auslegung der jeweiligen Rollen. Es wird einfach nicht geschafft, eine emotionale Bindung zwischen Publikum und den Protagonisten herzustellen. Dadurch ist dem Zuschauer ihr Schicksal mehr oder weniger gleichgültig. Und bei einem Film, bei dem genrebedingt im Grunde schon von Anfang an klar ist, dass am Ende die Helden die Erde retten werden und somit dahingehend keine Spannung aufgebaut werden kann, muss die Gleichgültigkeit gegenüber den agierenden Protagonisten eigentlich als dramaturgischer Genickbruch angesehen werden.

So ist dies dann möglicherweise auch der Grund, weshalb The Avengers  in der über zweistündigen Laufzeit sehr häufig relativ langweilig erscheint – auch wenn das in der zweiten Hälfe dahingehend eine merkliche Steigerung gegenüber der ersten Hälfe gibt. Ein weiterer Grund ist dann doch der eher platte Plot und damit verbunden der leider etwas blass bleibende Bösewicht. Scheint man zu Beginn noch mit der Frage nach der Freiheit eine interessante, fast schon philosophische Grundrichtung einzuschlagen, verpufft diese relativ bald zu einem ausgelutschten Motiv der reinen Besessenheit von der Weltherrschaft.

Der Showdown ist schließlich eine übertriebene Action- und Effektschlacht gigantischen Ausmaßes. Ein absoluter CGI-Overflow. Aber was soll ich sagen? Dieser macht wirklich Spaß. Hirn abschalten und von der Action berieseln lassen heißt die Devise – die letzten rund 20 Minuten können daher wiederum als gelungen betrachtet werden und suggerieren letztlich einen besseren Gesamteindruck, als der Film die vorhergegangenen zwei Stunden vermittelte.   

Fazit: Was die Action betrifft, kann der Film definitiv auf ganzer Linie überzeugen. Das  Problem ist jedoch, dass man damit nicht über zwei Stunden interessant ausfüllen kann. Ein platter Plot mit einem blassen Bösewicht und seinem stereotypen Motiv sowie die fehlende emotionale Bindung zwischen Publikum und Protagonisten bei gleichzeitiger genrebedingter Vorhersehbarkeit des Endes machen in meinen Augen The Avengers leider zu einem eher recht langweiligen und zähen Film. Ich weiß, dass ich mit dieser Meinung weitestgehend alleine dastehe. Die Milliarde bei den Einspielergebnissen nach gerade einmal 18 Tagen erreicht, unzählige begeisterte Kinobesucher, fast ebenso viele positive Kritiken von den verschiedensten Rezensenten, ein großer Hype um den Film. Das alles lässt mich natürlich als ziemlichen Geisterfahrer erscheinen. Und Kritiker werden mir – vielleicht zurecht – vorwerfen, dass ich den Film nicht aussagekräftig beurteilen kann, wenn ich mit Superhelden in der Regel ohnehin nicht allzu viel anfangen kann. Nur habe in meinem Review weitestgehend versucht, diese Tatsache außer Acht zu lassen (was ich natürlich nicht vollständig ausblenden kann, zugeben) und mich auf allgemeine filmische Mängel zu stützen. Letztlich ist mein Review natürlich wie jede Filmkritik eines jeden Kritikers immer nur subjektiv. Letztlich kann ein jeder nur für sich selbst entscheiden, wie er zur großen positiven Resonanz von The Avengers steht – vielleicht wird er sagen: „So viele Menschen können nicht irren.“ Oder aber der Devise „Der größte Haufen zieht die meisten Fliegen an“ folgen. Diese Entscheidung kann und werde ich niemandem abnehmen. Eines ist Joss Whedon jedoch anzurechnen: Ihm ist es tatsächlich gelungen, das große grüne Etwas namens Hulk sogar relativ cool dastehen zu lassen.

4,5/10

Eine Antwort zu “Review: The Avengers

  1. Pingback: The Avengers - Seite 17

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