Review: Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod

»Wenn dein Publikum nicht lacht, dann erschreck’ es zu Tode.«
Dieses Zitat aus „Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod“ (Balada triste de trompeta) kann im Grunde auch als Quintessenz des Films angesehen werden. Das neue Werk von Álex de la Iglesia, dem Enfant Terrible des spanischen Kinos, ist beklemmend, makaber, verstörend…doch phasenweise witzig zugleich. Gnadenlos rechnet der spanische Kultregisseur – „Aktion Mutante“, „El Dia de la Bestia“, „Perdita Durango“ – mit dem Franco-Regime und mit dessen Verarbeitung im spanischen Bewusstsein ab.

Spanien 1937: Eine Zirkusvorstellung wird jäh von Soldaten unterbrochen, die kampffähige Männer rekrutieren wollen, um gegen die anrückenden Franco-Anhänger vorzugehen. Einer der Clowns, der Vater von Javier (Carlos Areces), wird anschließend verhaftet. Einige Jahre später gibt er seinem bei einem Gefängnisaufenthalt seinem Sohn einen Rat: »Erleichtere deinen Schmerz mit Rache.«  Bei dem folgenden Befreiungsversuch muss Javier mit ansehen, wie sein Vater von einem Pferd zu Tode getrampelt wird.
Ein weiterer Zeitsprung führt uns nun in die 70er Jahre. Javier wurde als trauriger Clown in einem Zirkus angestellt, wo er sich in die schöne Natalia (Carolina Bang) verliebt. Die ist jedoch mit Clownkollege Sergio (Antonio de la Torre) zusammen, der ein gewaltiges Aggressionsproblem hat. Was als etwas ausgefallene Liebesgeschichte beginnt, wird bald zu einem blutigen Höllentrip zwischen Liebe, Hass und Eifersucht…

Jeder Versuch, die anschließende Handlung in Worte zu fassen, wäre zum Scheitern verurteilt. Deswegen soll das an dieser Stelle auch gar nicht erst versucht werden. Es wird grotesk, brutal und bizarr, manchmal an der Grenze zum Erträglichen. Was Iglesia abliefert, ist eine Achterbahnfahrt auf dem Rummelplatz der Groteske.

Bei den Filmfestspielen von Venedig 2010 wurde Álex de la Iglesia für „Mad Circus“ mit den Preisen für „Beste Regie“ sowie „Bestes Drehbuch“ ausgezeichnet. Jurypräsident war in jenem Jahr übrigens ein gewisser Quentin Tarantino.

Visuell ist „Mad Circus“ auf allerhöchstem Niveau. Die kunstvolle Inszenierung der brutal-skurrilen Handlung trägt hierbei zur Bizarrheit des Films bei. Er ist so abschreckend wie faszinierend. Alles kulminiert schließlich in einem fulminanten Showdown, der sich als Hommage an selbigen in Alfred Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ herausstellt. Filmfreunde dürfen sich zudem auf eine Vielzahl weiterer filmischer Zitate freuen, die es im Verlaufe des Films zu entdecken gilt.

Die Handschrift Iglesias ist zweifelsohne auch in „Mad Circus“ zu erkennen. Wer bisher mit seinen Filmen nichts anzufangen wusste, wird auch mit diesem Film seine Schwierigkeiten haben. Seine groteske Überdrehtheit in Stil und Handlung trifft sicherlich nicht den Geschmack eines jeden. Der „Otto-Normal-Kinogänger“ – und das ist nicht überheblich gemeint – sollte gewarnt sein: „Mad Circus“ ist erwartungsgemäß sehr…speziell.

Fazit: „Mad Circus“ ist bizarr. „Mad Circus“ ist verstörend. „Mad Circus“ ist faszinierend. Kultregisseur Álex de la Iglesia liefert eine gnadenlose Abrechnung mit dem faschistischen Franco-Regime und dessen Verarbeitung im spanischen Bewusstsein ab. Visuell auf allerhöchstem Niveau wird uns eine brutale und groteske Geschichte von Liebe, Hass und Eifersucht erzählt, die jedoch nicht zur zwischen den Zeilen mehr ist als eine völlig abgedrehte Liebesgeschichte. Ab einem bestimmten Punkt steuert der Film allerdings in eine Richtung, die mitunter etwas über die Stränge schlägt. „Mad Circus“ wird mit fortschreitender Handlung immer grotesker und immer überdrehter und kratzt an der Grenze zum Erträglichen. Potenziell Interessierte sollten sich also bewusst sein, auf was sie sich einlassen, wenn sie sich „Mad Circus“ anschauen.

7/10

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