Review: Public Enemies

Michael Mann, Johnny Depp und Christian Bale – kann da überhaupt etwas schief gehen? Man würde meinen: „Nein“. Doch es kann, wie Public Enemies leider zeigt. Der Film ist weiß Gott nicht schlecht, doch verschenkt er sehr viel Potenzial, sodass er über den Status „sehenswert“ nicht hinauskommt und der ganz große Wurf ausbleibt.

Public Enemies erzählt die Geschichte von John Dillinger (Johnny Depp), dem legendären Gangster aus der Depressions-Ära. Niemand konnte Dillinger und seine Gang stoppen. Kein Gefängnis konnte ihn halten. Sein Charme und seine wagemutigen Ausbrüche machten ihn bei fast jedermann beliebt. Doch Agent Melvin Purvis (Christian Bale) und seine Männer vom Bureau of Investigation sind ihm dicht auf den Fersen…

Ein Film, der auf einer wahren Begebenheit beruht, die im Allgemeinen sehr bekannt ist, hat immer das Problem, auf eine andere Weise fesseln zu müssen als alleine mit der Spannung auf die Auflösung. Und das schafft Public Enemies mit seiner Laufzeit von 134 Minuten nicht durchgehend. Vor allem in der ersten Hälfte zeigt sich der Film das ein oder andere Mal von der zähen, langatmigen Seite.

Die zweite Hälfte wirkt schließlich deutlich spannender, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Screentime für die Liebesgeschichte merklich heruntergeschraubt wird. Diese zieht sich insgesamt gesehen wie ein roter Faden durch die Geschichte, ja auf ihr scheint sogar der Fokus des Films zu liegen. Grundsätzlich keine verkehrte Herangehensweise an eine Gangstergeschichte, doch wirkt die Romanze hier mitunter mehr als kitschig und man ertappt sich mehr als einmal dabei, die Augen bei dem ein oder anderen Dialog zu verdrehen.

Die Schauspieler, allen voran die Hauptdarsteller Johnny Depp und Christian Bale, wirken die meiste Zeit seltsam unterfordert. Den Charakteren fehlt einfach die nötige Tiefe, vor allem von Bales Rolle – Agent Purvis – erfahren wir nicht viel mehr, als dass er eben Dillinger jagt.

Ein Pluspunkt stellt sicherlich die gut eingefangene Atmosphäre der 30er Jahre dar. Hier muss allerdings Michael Manns erneute Verwendung von Digitalkamera-Shots neben dem herkömmlichen 35mm-Material als störend angemerkt werden. Dieses Stilmittel verwandte er bereits in Collateral, wo die dadurch überbrückte Distanz zum Zuschauer jedoch durchaus passend war, während es im Falle von Public Enemies in meinen Augen eine eher destruktive Wirkung auf die Atmosphäre hatte.

Fazit: Public Enemies ist sicherlich ein ganz gelungener, atmosphärischer Gangster-Film geworden, der allerdings sehr viel Potential verschenkt. Vor allem in Anbetracht der beteiligten Personen, sowohl vor als auch hinter der Kamera, habe ich mir deutlich mehr erhofft. Bei einer Laufzeit von über zwei Stunden schleichen sich doch einige Längen ein, die Lovestory ist mitunter sehr kitschig und die Charaktere bleiben letztlich einfach zu blass.

6,5/10

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