Monatsarchive: Dezember 2011

Review: Die Ritter der Tafelrunde (1953)

Der zweite Ritterstreich von Richard Thorpe und mit Robert Taylor. Doch dieser hier hat mir nicht so gut gefallen. So einige Längen lassen „Die Ritter der Tafelrunde“ doch teilweise arg zäh wirken. Dazu kommen dann zum Teil sehr hölzerne Dialoge. Zudem erscheint die hochmittelalterliche Ausstattung sehr fragwürdig – sicherlich wollte man damit an „Ivanhoe – Der schwarze Ritter“ anschließen, doch passt das einfach ganz und gar nicht zu der Geschichte dieses Films, die im Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter angesiedelt ist.

Während die unfreiwillige Komik in „Ivanhoe – Der schwarze Ritter“ noch den gewissen Charme versprühte, wirkte sie in „Die Ritter der Tafelrunde“ mitunter doch eher albern. Dafür ist die freiwillige Komik jedoch sehr gut platziert,  durchaus amüsant und lockert den ganzen Film gut auf.

Einmal mehr wieder sehr überzeugend der Soundtrack von Miklós Rózsa. Und sehr sehenswert auch wieder die mit zahlreichen Statisten versehenen Schlachtenszenen. Auch wenn sie mit heutigen Maßstäben selbstverständlich nicht mithalten können, wo eine Hand voll Krieger digital vervielfältigt wird und so Armeen mit einer Stärke von mehreren tausend Mann gegeneinander antreten können, ist die Inszenierung in „Die Ritter der Tafelrunde“ dennoch sehr eindrucksvoll.

5/10

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Review: Ivanhoe – Der schwarze Ritter (1952)

„Ivanhoe – Der schwarze Ritter“ ist zweifellos ein Kind seiner Zeit, mit viel Pathos und Romantik inszeniert. Interessant hinsichtlich der Gründung des Staates Israels 1948 ist die Thematisierung der Israelis als heimatloses Volk sowie die Betonung von Gemeinsamkeiten zwischen Judentum und Christentum, namentlich der Angelsachsen. Ivanhoe selbst ist der klassische Held ohne Ecken und Kanten. Frei von Vorurteilen, selbstlos und edelmütig kommt er daher. Zudem war das Mittelalter in der Vorstellung Hollywoods dieser Zeit offenbar besonders farbenfroh und sauber – ja selbst der Tod durch Schwert oder Axt erscheint bemerkenswert blutleer.

Nichtsdestotrotz – oder gerade deswegen – ist der Film dennoch sehr sehenswert. Trotz einiger Längen ist „Ivanhoe – Der schwarze Ritter“ ein unterhaltsamer Film, auch wenn er vermutlich mehr über den Geist der 50er Jahre aussagt als eine authentische Darstellung des Hochmittelalters zu liefern (so ist die die große Welle der Hexenverfolgung beispielsweise entgegen landläufiger Meinung kein Phänomen des Mittelalters, sondern ist erst in der Frühen Neuzeit zu verorten. Während des Mittelalters stand gar der Glaube an die Existenz von Hexerei lange Zeit unter Strafe und wurde als Aberglauben abgetan).

Als äußerst gelungen kann der Soundtrack angesehen werden, für den Miklós Rózsa nicht umsonst eine Oscarnominierung erhielt und sich nur dem Westernklassiker „12 Uhr mittags (High Noon)“ geschlagen geben musste.

Sehr eindrucksvoll und sehenswert die Inszenierung des Tjosts beim Ritterturnier sowie die Schlachtszenen bei der Erstürmung der Burg Torquilstone.

6/10

Review: Public Enemies

Michael Mann, Johnny Depp und Christian Bale – kann da überhaupt etwas schief gehen? Man würde meinen: „Nein“. Doch es kann, wie Public Enemies leider zeigt. Der Film ist weiß Gott nicht schlecht, doch verschenkt er sehr viel Potenzial, sodass er über den Status „sehenswert“ nicht hinauskommt und der ganz große Wurf ausbleibt.

Public Enemies erzählt die Geschichte von John Dillinger (Johnny Depp), dem legendären Gangster aus der Depressions-Ära. Niemand konnte Dillinger und seine Gang stoppen. Kein Gefängnis konnte ihn halten. Sein Charme und seine wagemutigen Ausbrüche machten ihn bei fast jedermann beliebt. Doch Agent Melvin Purvis (Christian Bale) und seine Männer vom Bureau of Investigation sind ihm dicht auf den Fersen…

Ein Film, der auf einer wahren Begebenheit beruht, die im Allgemeinen sehr bekannt ist, hat immer das Problem, auf eine andere Weise fesseln zu müssen als alleine mit der Spannung auf die Auflösung. Und das schafft Public Enemies mit seiner Laufzeit von 134 Minuten nicht durchgehend. Vor allem in der ersten Hälfte zeigt sich der Film das ein oder andere Mal von der zähen, langatmigen Seite.

Die zweite Hälfte wirkt schließlich deutlich spannender, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Screentime für die Liebesgeschichte merklich heruntergeschraubt wird. Diese zieht sich insgesamt gesehen wie ein roter Faden durch die Geschichte, ja auf ihr scheint sogar der Fokus des Films zu liegen. Grundsätzlich keine verkehrte Herangehensweise an eine Gangstergeschichte, doch wirkt die Romanze hier mitunter mehr als kitschig und man ertappt sich mehr als einmal dabei, die Augen bei dem ein oder anderen Dialog zu verdrehen.

Die Schauspieler, allen voran die Hauptdarsteller Johnny Depp und Christian Bale, wirken die meiste Zeit seltsam unterfordert. Den Charakteren fehlt einfach die nötige Tiefe, vor allem von Bales Rolle – Agent Purvis – erfahren wir nicht viel mehr, als dass er eben Dillinger jagt.

Ein Pluspunkt stellt sicherlich die gut eingefangene Atmosphäre der 30er Jahre dar. Hier muss allerdings Michael Manns erneute Verwendung von Digitalkamera-Shots neben dem herkömmlichen 35mm-Material als störend angemerkt werden. Dieses Stilmittel verwandte er bereits in Collateral, wo die dadurch überbrückte Distanz zum Zuschauer jedoch durchaus passend war, während es im Falle von Public Enemies in meinen Augen eine eher destruktive Wirkung auf die Atmosphäre hatte.

Fazit: Public Enemies ist sicherlich ein ganz gelungener, atmosphärischer Gangster-Film geworden, der allerdings sehr viel Potential verschenkt. Vor allem in Anbetracht der beteiligten Personen, sowohl vor als auch hinter der Kamera, habe ich mir deutlich mehr erhofft. Bei einer Laufzeit von über zwei Stunden schleichen sich doch einige Längen ein, die Lovestory ist mitunter sehr kitschig und die Charaktere bleiben letztlich einfach zu blass.

6,5/10