Review: Bronson

Basierend auf einer wahren Begebenheit erzählt Bronson die Geschichte von Michael Peterson (Tom Hardy), dem berüchtigtsten und gefährlichsten Häftling Großbritanniens. Von klein auf das Ziel anstrebend, berühmt zu werden, allerdings ohne gesangliches oder schauspielerisches Talent gesegnet zu sein, findet er im Kämpfen seine Berufung. Der Titel des Films ist auf seinen Kampfnamen Charles Bronson zurückzuführen, den er sich angelehnt an den Hollywood-Schauspieler gleichen Namens zulegte.

Wer Regisseur Nicolas Winding Refn und seine Filme wie Pusher oder Valhalla Rising kennt, der weiß, dass er auch bei Bronson kein Mainstream-Kino zu erwarten hat. Und so liefert er mit Bronson einen sehr speziellen und eigenwilligen Film ab, dessen skurrile und bizarre Inszenierung an einigen Stellen jedoch einfach übertreibt und so an der Grenze des Erträglichen kratzt.

Als gewiefter inszenatorischer Schachzug erweist sich die Erzählweise, in der Peterson/Bronson sich auf einer Bühne präsentiert und seine Geschichte dem Publikum erzählt. Damit durchbricht er im Grunde die sog. vierte Wand und wendet sich direkt an den Zuschauer. Zugleich überrascht Refn immer wieder durch besondere Einfälle, etwa wenn Tom Hardy eine kurze Gesangseinlage schmettert, während im Hintergrund auf einer Leinwand Originalfilmmaterial des von Bronson initiierten Aufstandes in der psychiatrischen Klinik Broadmoor zu sehen ist. Außerdem ist Film in mancher Hinsicht durchaus auch verstörend. Dabei kann der Tee servierende Bronson genauso verstörend sein wie der splitterfasernackt in seiner Zelle stehende Bronson, der völlig aufgedreht auf den Kampf gegen die heraneilenden Gefängniswärter wartet.

Der Soundtrack ist sehr gelungen, die Songs mit einer herrlich passenden Unpassendlichkeit für die jeweiligen Szenen ausgewählt. So ertönt eine Ballade der Walker Brothers zur Prügelszene am Anfang des Films, die Insassen einer psychiatrischen Anstalt geben ihre Tanzküste zu „It’s a Sin“ von den Pet Shop Boys zum Besten oder ein Stück aus einer Oper von Léo Delibes untermalt eine kunstvoll gestaltete Geiselnahme, bei der Bronson – einmal mehr splitternackt – seine künstlerischen Fähigkeiten an seiner gefesselten Geisel ausprobiert.

So wie die bizarre Inszenierung sind auch die Charaktere sehr überzeichnet, was die Beurteilung der schauspielerischen Leistungen mitunter natürlich erschweren kann. Nichtsdestotrotz kann Tom Hardy vollkommen überzeugen, ja sogar beeindrucken. Lachend, weinend, psychopathisch oder katatonisch – Hardy präsentiert gekonnt die mannigfaltigen Facetten des nicht ganz fassbaren, durchaus gestörten und muskelbepackten Schwerverbrechers.

Die Intention des Films bleibt am Ende jedoch irgendwie unaufgedeckt. Will er unterhalten? Aufklären? Mahnen? Oder will er Peterson/Bronson gar die Bühne geben, die dieser immer gesucht hat? Letzteres wäre natürlich mehr als fragwürdig, für ein reines Unterhaltungsprojekt ist der Film jedoch viel zu sehr bizarres Kunstkino. Will er also aufklären oder anmahnen? Aber was? Das System? Der Film bleibt letztlich nicht so richtig fassbar, womit Nicolas Winding Refn aber vielleicht auch genau die Parallele zu seinem Protagonisten ziehen wollte.

Fazit: Bronson ist ein bizarrer, mitunter verstörender Film, dessen Inszenierung in einigen Punkten zwar überzeugen kann, an einigen Stellen seine Bizarrheit und Skurrilität jedoch viel zu sehr auf die Spitze treibt und den Zuschauer am Ende seltsam unbeholfen über die Intention des Films im Dunkeln lässt.

5,5/10

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