Review: Flight (USA 2012)

fliJahrelang hat sich Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft) mit Motion-Capture-Filmen wie Der Polarexpress  oder Beowulf beschäftigt, nun kehrt er mit dem Alkoholismus-Drama Flight in die reale Spielfilmwelt zurück.

Es dauert einige Minuten, bis der Zuschauer sich eingefunden hat – vor allem die Frage nach der Notwendigkeit der Szenen um die Vorgeschichte Nicoles (Kelly Reilly) muss hier gestellt werden. Doch spätestens mit der spannungsgeladenen und packenden Inszenierung des Flugzeugunglücks wird auch der Letzte im Kinosaal abgeholt.

Anschließend nimmt der Film einiges an Fahrt (bzw. Flug) heraus. Was folgt ist ein mitreißendes Alkoholismus-Drama. Der Plot um den Flugzeugabsturz und die anschließenden Ermittlungen dient als Rahmen, um die gefährlichen Stimmungsschwankungen, die privaten Konsequenzen, die Verdrängung des Problems und den schwierigen Versuch zu zeigen, die Sucht zu besiegen. An dieser Stelle kann die schauspielerische Leistung von Denzel Washington (Training Day) nicht hoch genug gelobt werden. Schonungslos überzeugend stellt er alle Facetten eines Suchtkranken dar.

Prinzipiell ist Flight eine klassische amerikanische Schuld-und-Sühne-Geschichte, die sich jedoch durch eine interessante moralische Fragestellung von anderen Vertretern absetzen kann: Was ist höher zu bewerten, die Verantwortungslosigkeit des betrunkenen Flugkapitäns oder seine Rettung zahleicher Menschenleben? Dem Drehbuch kann vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas zu viel Zufall vorgeworfen werden, doch Flight ist zweifelsohne ein sehenswertes Melodram und ein gelungenes »Comeback« von Robert Zemeckis.

7/10

Review: Frankenweenie (USA 2012)

fraweSchon die erste Szene des Films macht dem Zuschauer klar, dass es sich bei Frankenweenie um eine Hommage an den Film, insbesondere an die B-Grusler der 50er und 60er Jahre, handelt. Zu Beginn noch als kleiner, selbst gemachter »Film im Film« eingebaut, wird dies durch Handlung und Inszenierung anschließend im gesamten Verlaufe deutlich, um im fulminanten Finale schließlich mit vielen Anspielungen auf die Klassiker des Genres aufzuwarten.

Es ist in meinen Augen zwar trotz der kurzen Laufzeit durchaus ein wenig zu spüren, dass hier ein Kurzfilm auf eine Spielfilmlänge gebracht werden musste, doch wird die ein oder andere Länge durch den versprühenden Charme des Ganzen ausgebügelt. Es ist schön zu sehen, dass Tim Burton es offenbar doch noch versteht, einen Film mit Seele zu produzieren.

In jeder Szene ist die Liebe zu spüren, mit der alle Beteiligten dieses Projekts zu Werke gingen – vermutlich bleibt das nicht aus, wenn im 21. Jahrhundert noch ein klassischer Stop-Motion-Film gedreht wird. Es muss wahrlich eine Heidenarbeit sein, jede einzelne Bewegung bei vierundzwanzig Bildern pro Sekunde per Handarbeit einzustellen.

Frankenweenie ist ein Film über Freundschaft und Verlust sowie die Verantwortung der Wissenschaften. »Wissenschaft kommt auch von hier«, sagt der sicher nicht zufällig an Vincent Price erinnernde Mr. Rzykruski an einer Stelle und führt die Hand an sein Herz. Aus moralischer Perspektive hätte ich mir dahingehend zwar noch ein etwas anderes Ende gewünscht, doch nichtsdestoweniger bleibt die Botschaft klar.

Mit viel Charme kehrt Tim Burton nach seinen letzten Ausflügen ins Reich der Blockbuster wieder zu seinen Wurzeln zurück. An seine ganz große Zeit kann auch Frankenweenie nicht anschließen, aber es ist schön zu sehen, dass er es offenbar noch nicht ganz verlernt hat.

7/10 

Review: The Impossible (ES 2012)

impAm 26. Dezember 2004 schockierte die Meldung von dem Tsunami in Südostasien die ganze Welt. Ein Erdbeben im Indischen Ozean hatte eine Riesenwelle zur Folge, die letztlich 225.000 Menschen das Leben kosten sollte. Der spanische Regisseur Juan Antonio Bayona (Das Weisenhaus) hat sich dieses Szenarios nun angenommen und mit The Impossible ein mitreißendes Familiendrama geschaffen.

Vor allem die Inszenierung der Monsterwelle gehört zweifelsohne zu den intensivsten Kinoerlebnissen der letzten Jahre. Eine dröhnende Geräuschkulisse, überzeugende Kameraarbeit – und mittendrin eine beeindruckend agierende Naomi Watts, die für ihre Leistung in The Impossible in diesem Jahr nicht zu Unrecht für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert ist. Nicht zuletzt dank ihrem herzzerreißenden Spiel der puren Verzweiflung schaffen es Bayona und sein Kameramann Óscar Faura (Biutiful) auch durch den starken Kontrast zur vorher gezeigten Schönheit eindrucksvoll einzufangen, wie die Hölle das Paradies traf. Schonungslos wird anschließend die physische Brutalität gezeigt. Offene Wunden, körperliche Schmerzen, angespülte Leichen – nichts für schwache Nerven.

Leider wurde dem physischen Leiden und den anschließenden psychischen Qualen nicht dieselbe notwendige Aufmerksamkeit geschenkt. Die Szenen nach dem Rückzug der Monsterwelle wirken teilweise wie eine Last, eine ungewollte Notwendigkeit und verlieren sich etwas im Kitsch – auch wenn ich diesen grundsätzlich für diese Art Film durchaus als noch im Rahmen befindlich bezeichnen würde.

Als etwas problematisch sehe ich zudem den ausschließlichen Fokus auf Opfer der westlichen Welt an. Neben der ohnehin im Mittelpunkt stehenden Familie um Maria (Naomi Watts) und Henry (Ewan McGregor) sehen wir Opfer aus Deutschland, Niederlande, Italien und anderen westlichen Ländern. Vom Schicksal der einheimischen Bevölkerung, dessen Überlebende nicht in einen einigermaßen geregelten Alltag in ihre Heimat ausgeflogen werden können, erfahren wir nichts.

Die einseitige Darstellung kann angeprangert werden, The Impossible bleibt aber ein packend inszeniertes, mitreißendes Familiendrama, das nicht zuletzt mit ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen aller Beteiligten (neben Watts soll an dieser Stelle vor allem Nachwuchsschauspieler Tom Holland erwähnt werden) glänzen kann und vor allem in der ersten Hälfte unglaublich intensiv ist.

6,5/10 

Review: Die amerikanische Nacht (FR 1973)

nuamFilme über das Filmemachen versprühen in der Regel vor allem für Cineasten eine besondere Magie, bekommt der Zuschauer doch einen einmaligen Blick hinter die Kulissen, fernab vom klassischen Making-Of. Wenn dann zudem kein Geringerer als François Truffaut, einer der Großen des europäischen Films, in fiktiver Weise sich über die Schulter schauen lässt, entsteht doch ein ganz besonderes Maß an Neugierde.

Leider vergisst Truffaut in Die amerikanische Nacht eine wirkliche Geschichte innerhalb des großen Rahmens zu erzählen. Lediglich die Liebeleien des Alfons könnten als solche vielleicht noch gedeutet werden, reichen allerdings nicht aus, um so etwas wie Spannung zu erzeugen.

Knapp zwei Stunden beobachten wir lediglich distanziert die Produktion des Films, die vor allerhand Probleme gestellt wird. Hier erscheint es auch mehr als unglaubwürdig, wie viele Steine der Produktion in den Weg gelegt werden – was schief gehen kann, geht auch schief: Betrunkene Schauspieler, vernichtetes Material, eifersüchtige Liebeleien, undressierte Kätzchen, sterbende Darsteller. Das alles ist durchaus komisch, für eine derartige Überzogenheit ist der Film jedoch wiederum nicht Komödie genug. Für ein Drama fehlt es zugleich aber an Ernsthaftigkeit und Emotionalität bei tragischen Ereignissen.

Letztlich steht der Film im Film in Vordergrund. Das ist die Quintessenz des Ganzen. Alles wird ihm geopfert, komme was wolle, die Produktion muss fertig gestellt werden. Und so kann man die gewählte Inszenierung Truffauts auch durchaus als passend beschreiben, auch wenn sie mitunter recht langatmig erscheint.

Zweifelsohne ist Die amerikanische Nacht von François Truffaut ein wichtiger Film. Genauso wie 8 ½ von Federico Fellini oder Die Verachtung von Jean-Luc Godard wichtige Filme sind. Nichtsdestotrotz konnte mich der Film nicht vollends überzeugen, auch wenn ich ihn nachvollziehen kann, auch wenn ich verstehen kann, warum der Film so ist, wie er ist.

5/10  

Review: Der Ghostwriter (FR/D/GB 2010)

gwrMit Verzicht auf große Actionszenen inszeniert Roman Polanski ein beeindruckendes Geflecht aus politischen und persönlichen Verstrickungen, in denen sich der Zuschauer nicht minder unsicher erscheinen muss als die Hauptfigur des Ghostwriters.

Als der Ghostwriter der Memoiren des britischen Ex-Premierministers Adam Lang (Pierce Brosnan) tot aufgefunden wird, springt »Der Ghost« (Ewan McGregor) ein, um das Werk zu vollenden. Als der internationale Gerichtshof in Den Haag eine Untersuchung wegen Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen gegen Lang einleitet, sieht sich der Ghostwriter plötzlich in verworrene Machenschaften und dunkle Geheimnisse verstrickt…

Roman Polanski nimmt sich Zeit. Mit seiner ruhigen Erzählweise setzt er langsam die Daumenschrauben beim Zuschauer an, der sich – ganz dem Hauptcharakter gleich – mehr und mehr in den Verstrickungen verliert. Nicht zufällig erfahren wir nie einen Namen des Protagonisten. Er tritt stets schlicht als »The Ghost«auf, ist ein Spiegelbild des Zuschauers selbst. Zu keiner Zeit weiß der Zuschauer mehr als der Ghostwriter.

Stück für Stück müssen beide die Puzzleteile zusammensetzen. Doch sobald sich ein großes Ganzes zu erben scheint, treten neue Einzelheiten, neue Charaktere auf den Plan, die ein gänzlich neues Bild ergeben. Dass dafür auch mal ein »Deus Ex Machina« in Form eines eigenwilligen Navigationssystems herhalten muss, trübt den Gesamteindruck jedoch ein wenig – das hätte sicher auch geschickter gelöst werden können.

Trotz des ruhigen Erzähltempos bei einer zweistündigen Laufzeit treten kaum Längen auf. Neben der packenden Geschichte ist dies nicht zuletzt der dichten Atmosphäre zu verdanken. Das Setting auf dem verregneten, neuenglischen Eiland könnte wirkungsvoller nicht sein, das Strandhaus ist passend dazu steril und kalt. Kamaramann Pawel Edelmann (Der Pianist, Ray) versteht es glänzend, die Tristesse in seinen Bildern einzufangen.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Arbeit von Komponist Alexandre Desplat (Ides of March, Der fantastische Mr. Fox), der in seinen Werken zwar immer unauffällig agiert, sich nicht in den Vordergrund drängt und niemals Ohrwürmer produziert und daher trotz eines umfangeichen Gesamtwerkes nicht die Bekanntheit eines Hans Zimmer (Fluch der Karibik, Inception) oder John Williams (Star Wars, Indiana Jones) erreichte, doch bestens versteht, die Atmosphäre eines Filmes einzufangen, sie in seine Musik zu transportieren und sie dadurch noch zu verstärken. Genau dies gelingt ihm auch in Der Ghostwriter einmal mehr hervorragend.

Und letztlich beeindruckt auch der bis in die kleinste Nebenrolle glänzend besetzte Cast. Pierce Brosnan (James Bond, Mars Attacks!) als eitler Ex-Premier, Ewan McGregor (Big Fish, Die Insel) als unscheinbarer, sympathischer Repräsentant des Zuschauers, Olivia Williams (Below) als undurchsichtige Ehefrau sowie kleinere Auftritte von Tom Wilkinson (Der Patriot, Batman Begins), Timothy Hutton (Wehrlos, Leverage) und James Belushi (Blues Brothers). Das kann sich sehen lassen.

Der Ghostwriter ist ein ruhiger, aber nichtsdestoweniger unheimlich spannender Politthriller ganz im Stile eines Alfred Hitchcock. Geschickt werden persönliche und politische Verstrickungen miteinander verwoben und in einen globalen Zusammenhang eingebettet. Wie der Hauptprotagonist kann sich der Zuschauer niemals sicher sein. Der überzeugende Plot wird doch eine atmosphärisch dichte Inszenierung meisterlich unterstützt. Der Einsatz eines eigenwilligen Navigationssystems zum Voranbringen der Geschichte stört den Gesamteindruck etwas, zudem erscheint es etwas mager und zu sehr mit dem Holzhammer vorgetragen, wie letztlich die – obgleich sehr gelungene – Auflösung zu Tage gefördert wird. Doch insgesamt ist Der Ghostwriter ein überaus sehenswerter Thriller, den ein Hitchcock vermutlich nicht besser hätte machen können.

8,5/10

Quentin Tarantino – Retrospektive

Aus zeitlichen Gründen war es eine ganze Weile still hier auf »filmtoast«. Das wird sich hoffentlich wieder ändern. Angesichts des neuen Filmes von Quentin Tarantino – Django Unchained – der dieser Tage die deutschen Kinos unsicher macht, soll das »Comeback« mit einer Retrospektive dieses Regisseurs eingeläutet werden, an dessen Werken sich die Geister scheiden wie bei kaum einem Zweiten.

Reservoir Dogs (1992)

resdogEine Gruppe von Männern, in Anzügen gekleidet, sitzt in einem Lokal gemeinsam am Tisch. Wir wissen noch nicht wer sie sind, wir wissen noch nicht, was sie verbindet. Alles, was wir zunächst erfahren, ist die Tatsache, dass sie offenbar einen Hang zu außergewöhnlichen Diskussionen haben – denn wir platzen mitten in eine Debatte über die unterschwellige Botschaft von Madonnas »Like A Virgin«. Und diese Szene, der Beginn von Reservoir Dogs, markiert die Geburt eines Kult-Regisseurs: Quentin Tarantino.

Dabei hätte es Reservoir Dogs so wir ihn kennen fast gar nicht gegeben. Tarantino wollte unbedingt seinen Film drehen und hätte das auch als Low-Budget-Produktion durchgezogen. Doch über seinen Freund und Produzenten Lawrence Bender erreichte das Drehbuch schließlich über mehrere Ecken keinen Geringeren als Harvey Keitel, der sich begeistert von dem Script zeigte und die Tore für eine größere Produktion öffnete. Wenn man so will, kann man Harvey Keitel also wohlmöglich als Geburtshelfer für Tarantino als Kultobjekt betrachten.

Viele lieben ihn, noch mehr hassen ihn, einige halten ihn für einen Gott, andere für gnadenlos überschätzt. An Tarantino scheiden sich die Geister. Die Frage kann und soll hier gar nicht thematisiert werden, doch auch Tarantino-Gegner werden wohl neidlos anerkennen müssen, dass seine Filme offenbar etwas an sich haben, das für eine inzwischen nicht allzu kleine Fanbase gesorgt hat.

Schon Reservoir Dogs zeigt Vieles von dem, was einen typischen Tarantino-Streifen ausmacht. Coole Charaktere, faszinierende Dialoge, fantastischer Soundtrack, diverse popkulutrelle Referenzen und natürlich eine nicht geringe Menge Kunstblut.

Allerdings wirkt Reservoir Dogs stellenweise doch noch etwas unausgereift – es ist nicht zu verkennen, dass Autor/Regisseur Quentin Tarantino hier noch etwas in der Findungsphase ist. Und ungeachtet seiner moderaten Laufzeit lässt sich die eine oder andere Länge nicht verkennen. Nichtsdestotrotz ein beeindruckender Debüt-Film, der Tarantino schlagartig berühmt gemacht hat. Zunächst als neue Hoffnung am amerikanischen Independent-Kino gerühmt, trat er schnell seinen Siegeszug zu den Größen in Hollywood an – ohne jedoch seine Wurzeln zu vergessen. Seine Filme mögen teurer geworden sein, seine Produktionen aufwändiger – nichtsdestoweniger ist er in der Regel sich (und seinen Fans) treu geblieben. Alle seine zukünftigen Filme sollten seine Handschrift unverkennbar tragen.

7,5/10

Pulp Fiction (1994)

pficHat jemand gerade »Findungsphase« geschrieben? Bereits mit seinem zweiten Film hatte Tarantino diese abgeschlossen. Zwei Jahre nach Reservoir Dogs sollte er mit Pulp Fiction einen Film auf die Menschheit loslassen, der die Bezeichnung Coolness neu definierte. Auch wenn der Begriff „Kult“ inzwischen vielleicht inflationär gebraucht wird, in diesem Fall kann das wohl kaum angezweifelt werden: Pulp Fiction ist Kult.

Tarantino nahm seine Zutaten aus Reservoir Dogs und perfektionierte sie. Noch coolere Charaktere, noch faszinierendere Dialoge, ein noch besserer Soundtrack und noch mehr popkulturelle Referenzen. Und sogleich trat eine ironische Wendung auf: Tarantino und Pulp Fiction wurden selbst zu einer popkulturellen Referenz.

Verschiedene Episodengeschichten, die ihren Weg völlig unchronologisch kreuz und quer durch den Film nehmen und sich dabei immer wieder treffen. Verschiedene Episodengeschichten, die letztlich doch einen großen, zusammenhängenden Film ergeben. Die unchronologische Erzählweise führt sogar zu dem Kuriosum, ein Wiedersehen mit verstorbenen Charakteren zu ermöglichen. Wie gut solch eine Erzählweise aber funktionieren kann, wenn es richtig gemacht wird, zeigt Tarantino in diesem Stück Filmgeschichte.

Und nun werde ich mich zum  ersten – und sicher nicht letzten – Male innerhalb dieser Retrospektive vermutlich sehr unbeliebt bei einer Mehrheit der Tarantino-Jünger machen. Doch ich kann mir nicht helfen, aber es gibt in Pulp Fiction einfach eine Sache, die mich bei jedem Schauen des Films stört. Unzählige Male habe ich den Streifen nun angesehen, doch ich werde einfach nicht warm mit dieser Szene. Die ganze Episode rund um Z und Hinkebein halte ich einfach schlicht für ­­»over-the-top«. Die Quintessenz hinsichtlich der Klärung des Plots um Butch und Marsellus ist natürlich nicht unwichtig, hätte man jedoch sicher auch anders lösen können.

Viel mehr zum Meckern lässt sich jedoch nicht finden. Lediglich die Laufzeit erscheint für diese Art Film vielleicht einen Tick zu lang, fällt aber tatsächlich kaum ins Gesicht. Zu cool ist der Streifen einfach. Trotz der Gefahr mich zu wiederholen: Pulp Fiction ist Kult. Und manchmal sollte man gar nicht so viel reden, sondern das einfach so stehen lassen.

9/10

Jackie Brown (1997)

jabroNach einem Film wie Pulp Fiction liegt die Messlatte zweifelsohne hoch und die Ansprüche sind schier unerfüllbar. Jackie Brown wird häufig als der schwächste Tarantino bezeichnet. Und gerne würde ich aus der Reihe tanzen, gerne würde ich etwas anderes behaupten. Doch leider muss ich das auch für mich bestätigen – irgendwie finde ich keinen richtigen Zugang zu diesem Werk.

Dabei verfügt Jackie Brown prinzipiell wieder über die üblichen Zutaten eines Tarantino-Films, doch hier wollen sie einfach nicht so recht zünden. Die Darsteller und ihre Charaktere – allen voran Robert de Niro als verpeilter Ex-Knacki – sind wieder einzigartig, auch die Dialoge tragen wieder deutlich seine Handschrift. Doch als im Gesamtgefüge ergibt sich ein stotternder Motor.

Dies liegt nicht zuletzt auch an dem Erzähltempo. Jackie Brown ist langsam. Jackie Brown ist zäh. Ja, so sehr ich Tarantino und seine Filme mag, Jackie Brown ist einfach langweilig.

5/10


Kill Bill Vol. 1 (2003)

kb1Quentin Tarantino ließ sich nun Zeit. Zwischen Reservoir Dogs und Pulp Fiction lagen zwei Jahre. Jackie Brown erschien weitere drei Jahre später. Doch dann war es ganze sechs Jahre lang ruhig um Tarantino. Sein »Comeback­« sollte dann aber umso einschlagender sein.

Mit dem ersten Teil seines Kill Bill-Zweiteilers lieferte er ein Feuerwerk von einem Genre-Mix ab. Seine Einflüsse sind klar zu erkennen – und mit diesem Film huldigt er ihnen. Und einmal mehr gelingt es Tarantino, selbst eine popkulturelle Referenz zu erschaffen.

Wer kennt sie nicht, Uma Thurman als Rächerin ihrer selbst? Wer kannte nicht jemanden, der den »Twisted Nerve­« als Klingelton hatte? Wer war noch nie auf einer Kostümparty, in der niemand in gelbem Motorradanzug erschien?

Die Story passt auf einen Bierdeckel, reicht in diesem Fall aber auch völlig aus. Im Mittelpunkt steht die Inszenierung – und mit ihr die Ästhetisierung von Gewalt. Tarantino und Gewalt – ein Thema, dass ihn in seinen zukünftigen Filmen immer wieder zu Rechtfertigungen gegenüber der Presse zwingen sollte. Erstmals tritt sie hier bei ihm in einer völligen Überzogenheit auf. Comic-haft spritzt das Blut und fliegen die Gliedmaßen – nicht die einzige Mangareferenz in Kill Bill Vol. 1, in der es nicht zufällig ein ganzes Anime-Kapitel zu sehen gibt.

Kill Bill Vol. 1 besticht vor allem durch eine unglaubliche Coolness und seine stilvolle Inszenierung. Und es ist ein Film von einem Filmfan für Filmfans. Kritiker mögen ihm vorwerfen, sich bei unzähligen Eastern und Western freimütig bedient zu haben – doch letztlich ist es eine Kunst, die Tarantino beherrscht, seine Inspirationen und Einflüsse nicht einfach zu klauen, sondern zu einem originellen Werk zusammenzufügen. Und nie hat Tarantino ein Hehl daraus gemacht, dass Kill Bill vor allem eines ist: Eine Hommage.

9/10

Kill Bill Vol. 2 (2004)

kb2Es stellt sich natürlich die Frage, inwieweit man die beiden Kill Bill-Teile wirklich getrennt bewerten sollte, stellen sie doch im Grunde ein gemeinsames, zusammenhängendes Werk dar. Ich halte es dennoch für sinnvoll, unterscheiden sich beide Filme stilistisch und dramaturgisch doch deutlich voneinander – Vol. 2 ist ernsthafter, emotionaler, dramatischer. Ein Bruch zwischen beiden Filmen ist klar zu erkennen.

Vol. 2 fällt in meiner Bewertung hierbei auch von seinem Vorgänger ab. Weniger Action und mehr Dialoge befürworte ich prinzipiell, ist hier allerdings ein wenig schief gegangen. Letztendlich können lediglich die Episode bei Pei Mai sowie das Aufeinandertreffen mit dem titelgebenden Bill wirklich überzeugen. Davon abgesehen plätschert der Film allzu sehr dahin, das EKG eines Verstorbenen in der Spannungskurve nachahmend. Zudem gehen ihm Coolness und Stilsicherheit des Vorgängers ab. Vol. 2 ist kein schlechter Film, allerdings auch weit entfernt von einem sehr guten.

6,5/10

Death Proof (2007)

deproIch kann wirklich absolut nicht nachvollziehen, weshalb Tarantinos Grindhouse-Ausflug Death Proof so schlecht weg kommt. Ich verstehe selbstverständlich, weshalb Zuschauer, die ohnehin nichts mit Tarantino anfangen können, auch von Death Proof gelangweilt und angewidert sind. Allerdings kann ich beim besten Willen nicht verstehen, weshalb selbst viele Tarantino-Fans sich von diesem Streifen enttäuscht zeigten.

Death Proof hat meiner Meinung nach alles, was auch die übrigen Tarantino-Filme ausmacht. Einzigartige Charaktere, lange und witzige Dialoge, ein grandiosen Soundtrack. Achja…und selbstverständlich Füße. Jede Menge Füße. Im Grunde trägt Death Proof Tarantinos Handschrift noch deutlicher als irgendein anderer seiner Filme. Er nutzt den Grindhouse-Aufhänger aus und kann sich so richtig ausleben.

Man kann ihm vielleicht vorwerfen, etwas zu viel Spaß beim Schreiben gehabt zu haben. Denn  zugegeben, in der Mitte des Filmes gibt es in der Tat eine recht zähe Phase, hier hat es Tarantino dialogtechnisch etwas übertrieben – dafür erhalten wir anschließend eine Entschädigung in Form grandioser Stunts im Zuge einer old-schooligen Verfolgungsjagd.

Ingesamt lässt sich feststellen, dass es nach etwa der Hälfte ein Bruch in dem Film gibt. Erste und zweite Hälfte möchten inszenatorisch und dramaturgisch nicht ganz zusammenpassen – bezeichnenderweise treten nach der Mitte auch die zuvor eingesetzten Bildstörungen nicht mehr auf. Außerdem ist Death Proof für diese Art Film vielleicht einen Tick zu lang. Nichtsdestotrotz macht der Streifen einfach einen Heidenspaß. Und genau das soll er tun.

8/10

Inglourious Basterds (2009)

inbaDas Schöne an Inglourious Basterds ist, dass Tarantino diesmal sehr offensiv seine Liebe zum Film einbringt. Zum einen ist der Film einmal mehr eine Hommage an seine Vorbilder, ist es doch im Grunde durchaus eine Art Italowestern im WWII-Setting. Gleichzeitig wird aber direkt die Thematik »Film« und »Kino« eingebaut, was dem Ganzen eine ganz besondere Magie verleiht.

Der Film braucht zwar eine Weile, um so richtig an Fahrt aufzunehmen, ohne jedoch vorher wirklich langweilig zu sein. Zu faszinierend sind einfach Charaktere und Dialoge auch im ersten Filmdrittel bereits. Und obwohl doch recht linear erzählt, können wir im Grunde auch in Inglourious Basterds Grundzüge von Pulp Fiction erkennen, finden wir doch eigentlich mehrere Episodengeschichten auf, die am Ende zusammengeführt werden. Dass Tarantino sich letztlich nicht davor scheut, die Geschichte kurzerhand umzuschreiben, ist dabei noch das i-Tüpfelchen.

8,5/10

Django Unchained (2012)

djaunNun werde ich mir vermutlich unweigerlich Unverständnis in dreierlei Weisen zuziehen. Zum einen natürlich auf Seiten derjenigen, die mit Tarantino ohnehin nichts anfangen können und somit auch nicht verstehen, weshalb mir Django Unchained überhaupt gefällt. Dann bei denjenigen – auch innerhalb der Tarantino-Gemeinde – die sich von diesem Werk nicht so begeistert zeigen. Und schließlich auch bei den Tarantino-Fans, denen Django Unchained auch gefallen hat, jedoch absolut gar nichts über Pulp Fiction kommen lassen. Freunde, haltet euch fest: Django Unchained ist für mich nicht weniger als der beste Film, den Quentin Tarantino je auf Zelluloid gebannt hat.

Eine fantastische Story. Eine großartige Inszenierung. Einzigartige Charaktere – beeindruckend dargestellt von allen Beteiligten. Jamie Foxx ist cool, Leonardo DiCaprio ist brilliant, Christoph Waltz grandios, Samuel L. Jackson genial. Trotz einer abschreckend umfangreichen Laufzeit treten im Film kaum Längen auf. Des Weiteren zeigt Tarantino sein humoriges Gespür wie selten zuvor. Alle seine Filme waren auch lustig, aber in Django Unchained beweist er ein perfektes Timing für seine Gags. Gewürzt wird das ganze von einem der besten Soundtracks der Filmgeschichte, der auf den ersten Blick zunächst gewöhnungsbedürftig erscheint, sich letztlich aber mehr als passend zeigt und einen großen Anteil an der Coolness des Films hat. Von Verdi bis Tupac. Von Morricone bis Johnny Cash. Eine vielseitige wie geniale Auswahl.

Django Unchained  ist eine grandiose Mischung aus Spannung, Witz und Kompromisslosigkeit. Eine überzogene, satirische, groteske Abrechnung mit der dunklen Vergangenheit Amerikas.

9,5/10

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Übersicht:

  1. Django Unchained – 9,5/10
  2. Pulp Fiction – 9/10
  3. Kill Bill Vol. 1 – 9/10
  4. Inglourious Basterds – 8,5/10
  5. Death Proof – 8/10
  6. Reservoir Dogs – 7,5/10
  7. Kill Bill Vol. 2 – 6,5/10
  8. Jackie Brown – 5/10

Review: Prometheus – Dunkle Zeichen

Geheimnisumwittert ging »Prometheus« in Produktion. Würde Ridley Scotts Rückkehr ins Science-Fiction-Genre ein »Alien«-Prequel werden? Ist es ein eigenständiger Film? Wie viel »Alien« steckt in »Prometheus«? Letztlich sind die Fragen nur bedingt von Belang. Fakt ist: »Prometheus« ist ein bildgewaltiges SciFi-Epos geworden!

Imposante Landschaftsaufnahmen eröffnen den Film. Weite Täler, hohe Gebirge, ruhige Seen, gewaltige Wasserfälle. Schon von Beginn an wird der Zuschauer durch diese faszinierenden Eindrücke in seinen Bann gezogen. Dann erscheinen mysteriöse Gestalten und schnell wird klar: Das hier ist ganz sicher kein neuer Teil des Doku-Highlights »Unsere Erde«.

Audiovisuell ist der gesamte Film schlichtweg atemberaubend. Auch im zarten Alter von 74 Jahren hat Ridley Scott regietechnisch nichts von seiner Klasse verloren. Der imposanten Eröffnungsszene folgt zunächst eine grandios gefilmte, atmosphärische erste Hälfte. Langsam wird eine faszinierende Mythologie aufgebaut, zugleich werden »Alien«-Fans immer wieder auf Anspielungen treffen. Vorsichtig, aber einem Blockbuster im 21. Jahrhundert angemessen, baut sich das Unheil auf, von dem der Zuschauer weiß, dass es unmittelbar bevorstehen muss.

In der Mitte des Films gibt es schließlich einen Bruch und die zweite Hälfte wird der ersten nicht mehr ganz gerecht. Hier verrennt sich »Prometheus« etwas zu sehr in einer Art Monsterhorror. Vielleicht hier und da etwas zu trashig, wissen jedoch auch diese Szenen im Großen und Ganzen zu gefallen – und gehören ja irgendwie auch zum »Alien«-Franchise dazu. Zartbesaitete dürften in der zweiten Hälfte das ein oder andere Mal die Hände vor die Augen legen. Freunde des gepflegten Ekels hingegen können sich auf die vermutlich jetzt schon kultige Operations-Szene freuen.

Die Protagonisten sind zumindest was die Nebencharaktere betrifft mitunter vielleicht etwas zu stereotyp angelegt. Und bei einigen Aussagen und Handlungen fragt man sich schon, wie der ein oder andere Wissenschaftler wirklich zu den Besten seines Faches gehören soll. Was die Besetzung betrifft, geben sich bekannte Namen die Klinke in die Hand. Freilich kann aber nicht jeder gleichermaßen gefordert werden. Schauspielerisch besonders glänzen können vor allem Noomi Rapace als Quasi-Nachfolgerin von Sigourney Weaver und Michael Fassbender (den ich mir als künftigen Bonddarsteller wünschen würde) als Android David – dem vielleicht interessantesten und undurchschaubarsten Charakter des Films. Gefreut habe ich mich zudem über Guy Pearce, den ich sehr schätze und der meiner Meinung nach insgesamt viel zu wenig Beachtung erhält. Im vorliegenden Fall stellt sich jedoch die Frage, ob seine Besetzung angesichts seines Alters wirklich sinnvoll gewesen ist.

Was den 3D-Effekt angeht, sieht man auf Anhieb, dass der Film nicht nachträglich konvertiert, sondern komplett in 3D gedreht wurde. Zugleich erkennt man, dass mit Ridley Scott ein gescheiter Regisseur am Werke ist, der den Effekt richtig einzusetzen weiß. Wer ständig etwas in Richtung Zuschauer Ragendes oder Fliegendes erwartet, wird enttäuscht werden. Derartige Gimmicks sucht man in »Prometheus« glücklicherweise vergeblich. Scott verwendet es nicht als ablenkende Spielerei, sondern ausschließlich zur Darstellung der räumlichen Tiefe. So und nicht anders sollte es sein! Wer 3D nur als Gimmick betrachtet und erwartet, immer wieder etwas auf sich zufliegen zu sehen, der sollte sich den 3D-Aufschlag vielleicht lieber für den kommenden »Resident Evil«-Teil oder den ein oder anderen Animationsfilm aufsparen.

Fazit: »Prometheus« ist etwas weniger tiefgründig geworden als erhofft und die actionreiche zweite Hälfte wird der ersten nicht ganz gerecht, doch was uns Ridley Scott  bei seiner Rückkehr in das Science-Fiction-Genre präsentiert ist gehobenes Blockbuster-Kino von einem Meister seines Faches. Wer mit der Erwartung ins Kino geht, ein reines »Alien«-Prequel zu schauen, wird vermutlich enttäuscht werden – »Prometheus« ist durchaus ein eigenständiger Film, der eine neue, faszinierende Mythologie einführt. Dennoch war ich sogar ehrlich gesagt positiv überrascht, dass die Filme durchaus mehr Verknüpfungen zueinander aufweisen können, als ich nach den Aussagen der Beteiligten und den ersten Kritiken eigentlich gedacht hätte. Audiovisuell ist der Film wahnsinnig beeindruckend. »Prometheus« ist ein bildgewaltiges Science-Fiction-Epos, der seine ganze Wirkung sicher nur auf der großen Leinwand entfalten kann. Ein paar essenzielle Fragen werden leider nicht aufgeklärt, doch angesichts der bereits geplanten Fortsetzung kann ich das nur bedingt als Schwachpunkt in die Bewertung einfließen lassen.

8,5/10

Review: The Dark Knight Rises (7,5/10)

»The Dark Knight Rises« hatte nach dem kongenialen Vorgänger-Film ein schweres Erbe anzutreten. Letztlich gelingt Christopher Nolan ein gelungener Abschluss einer insgesamt beeindruckenden Trilogie, nichtsdestotrotz ist der dritte der Teil der schwächste Vertreter dieser Reihe geworden.

Vor allem zu Beginn des Films merkt man ihm die großen Fußabdrücke an, die »The Dark Knight« hinterlassen hat. Etwas gezwungen versucht man, direkt an den Vorgänger anzuknüpfen, zugleich jedoch die Handlung des eigenen Teils einzuleiten. Und so verstrickt man sich zunächst etwas zu lange mit Nebenplots und der Einführung zahlreicher neuer Charaktere. Zugleich gelingt es nur bedingt, Bruce Wayne als wirklich gebrochenen Mann darzustellen. Hier verpasst der Film die düstere Wirkung stärker zu entfalten, hier verschenkt er möglicherweise etwas Potenzial. Ingesamt lässt sich feststellen, dass ­»The Dark Knight Rises« zu lange braucht, um Fahrt aufzunehmen, und sich ein paar Minuten zu viel Zeit für die Einleitung nimmt.

Die zweite Hälfte des Films entfaltet jedoch schließlich die Qualität, auf die der Zuschauer wartete. Hier beginnt »The Dark Knight Rises­« wirklich zu überzeugen. Es wurde spannend, episch, emotional. Im Grunde könnte man streng genommen sagen, dass der Film erst in der zweiten Hälfte wirklich beginnt. Gekonnt schafft es Nolan zudem, den aktuellen Zeitgeist zu treffen und aktuelle politische Ereignisse wie die Wirtschaftskrise und die allgegenwärtige Bedrohung durch den Terrorismus zu thematisieren.

Bane erreicht als Bösewicht nicht die Faszination eines Jokers, erweist sich dennoch als perfekter Antagonist für den Abschluss der Trilogie. Hier kommt es auch zu Gute, dass Nolan auf Bane nicht nur als hirnlose Kampfmaschine setzt, wie es Joel Schumacher im völlig überdrehten »Batman&Robin« tat. Während er dort zu einer Dumpfbacke verkam, orientiert sich Nolan viel stärker an der Comicvorlage, wo Bane eben nicht nur körperlich, sondern auch geistig Batman überlegen zu sein scheint. Mit Tom Hardy wurde für die Rolle auch ein großartiger Schauspieler gecastet, wobei dessen darstellerischen Fähigkeiten in diesem Fall nur bedingt wirklich erkennbar sind. Aber allein seine Präsenz – und zwar eben nicht nur die physische – schafft Tom Hardy absolut überzeugend rüberzubringen.

Von Catwoman war ich ehrlich gesagt nie ein großer Fan. Anne Hathaway kann in der Rolle durchaus überzeugen, aber der Charakter an sich fixt mich einfach nicht an. Zudem stellt sich die Frage, ob Catwoman für die Handlung wirklich notwendig gewesen wäre. Positiv überrascht hat mich Joseph Gordon-Levitt beziehungsweise dessen Rolle als Blake. Als damals die Castingmeldung kam, dass mit ihm eine weitere Hauptrolle besetzt wurde, war ich ob der ohnehin schon befürchteten Überladenheit skeptisch. Doch erweist sich sein Charakter und sein Schauspiel als absolute Bereicherung für den Film.
Bei so vielen neuen und alten Charakteren steht außer Frage, dass selbst bei einer Laufzeit von 164 Minuten einige zu kurz kommen. So verkommt Morgan Freeman/Lucius Fox in »The Dark Knight Rises« etwas zu einem Stichwortgeber und auch Gary Oldman und Michael Caine erhalten deutlich weniger Screentime als in den Vorgängerfilmen.

Fazit: »The Dark Knight Rises« hält sich zunächst zu lange mit der Einführung auf und braucht eine ganze Weile um Fahrt aufzunehmen. Vor allem zu Beginn merkt man ihm durchaus auch das schwere Erbe an, das ihm der kongeniale Vorgängerfilm hinterlassen hat. Die zweite Hälfte weiß dafür jedoch umso mehr zu überzeugen, hier spielt der Film seine ganze Qualität aus. Stellenweise wirkt »The Dark Knight Rises« nicht zuletzt aufgrund der Vielzahl an nicht unbedeutenden Charakteren eventuell etwas überladen, aber im Grunde schafft er es schon, eine ganz gute Balance zu finden. Den an manch anderer Stelle geäußerten Kritiken zum Ende kann ich mich nicht unbedingt anschließen.
Insgesamt betrachtet ist er zwar der schwächste Film der gesamten Trilogie, dennoch aber zweifelsohne ein würdiger Abschluss für die großartige »Dark Knight«-Reihe. Gekonnt thematisiert Nolan Terrorismus, Wirtschaftskrise und andere aktuelle Ereignisse. Ich denke mit der gesamten Trilogie hat er den Zeitgeist absolut getroffen.

7,5/10

Review: Rock of Ages

Rock of Ages ist letztlich schon ein klarer Fall von „Potenzial verschenkt“. Der Film war zweifelsohne amüsant und nett anzuschauen – würde man jedoch den Soundtrack streichen, bliebe nicht allzu viel übrig. Da hätte man mehr draus machen können und müssen.

Der Mainplot ist schnell erzählt: Junges Mädchen mit Talent aus Oklahoma kommt nach Hollywood, um ganz groß raus zu kommen. Das hat man schon rund einhundertsiebenundzwanzig Mal gesehen und ist somit weit davon entfernt, originell zu sein. Der Film muss somit versuchen, an anderer Stelle zu punkten. Die daraus resultierende Liebesgeschichte folgt ebenfalls Schema F und kann wenig überzeugen – auch weil Julianne Hough und insbesondere Diego Boneta in den Hauptrollen irgendwie fehlbesetzt sind. Sie wirken wie dem High School Musical entsprungen, die Rolle der Rocker kauft man ihnen einfach nicht ab. Bezeichnend, dass Boneta in seinem Z-Guyeezz-Outfit („Doppeltes E, doppeltes Z, doppeltes Flavor!“) optisch besser passt als in seiner Rocker-Kluft.

Glücklicherweise gibt es ja noch die Nebenplots um die Bourbon Bar und Stacee Jaxx. Zwar ist hier bei der klassischen „Prüdes Amerika gegen den Rock’n’Roll“-Nummer auch nur bedingt Originalität zu erwarten, aber diese Storylines sind sehr witzig und unterhaltsam geworden. Hier tummeln sich letztlich auch die ganzen großen Namen wie Tom Cruise, Alec Baldwin oder Paul Giamatti. Allein diese Stars in ungewohnten, völlig überzeichneten Rollen zu sehen, ist ein Pluspunkt für Rock of Ages. Und ich mag Tom Cruise eigentlich nicht so gerne, aber hier kann man nur seinen Hut ziehen. Er ist als Stacee Jaxx zweifellos absolut awesome. Auf jeden Fall das Highlight des Films. Und ihm gehört die vielleicht unerotischste Sexszene seit „Matrix Reloaded“ – mit dem Unterschied, dass die Letztgenannte ernst gemeint war und die in Rock of Ages bewusst völlig überdreht wurde, während Tom Cruise und Malin Akerman Foreigners „I Want To Know What Love Is“ schmettern – hilarious !!

Der Soundtrack war erwartungsgemäß klasse – bei einem Musical wäre alles andere auch der absolute Genickbruch gewesen. Foreigner, Toto, Twisted Sister uvm…wer auf 80er-Jahre-Rock’n’Roll steht wird seine Freude haben. Allerdings muss man hier etwas Abstriche machen, denn die Songs wirken alle etwas „verweichlicht“, mehr auf das Mainstream-Publikum zugeschnitten. Den Interpretationen der Hauptdarsteller fehlte dann mitunter doch etwas die Power.

Außerdem etwas schade, dass es keinerlei Gastauftritte alter 80s-Rockstars gegeben hat. Solch ein Film wäre doch prädestiniert dafür gewesen! Die ganze Zeit wartete ich darauf, dass vielleicht Slash an der Bar steht und einen coolen Spruch raus haut, Aerosmith mal durchs Bild läuft oder Alice Cooper irgendwo im Hintergrund abhängt. Aber Pustekuchen…leider kam dahingehend gar nichts. Schade!

Fazit: Rock of Ages ist leider etwas weniger geworden, als man daraus hätte machen können. Der Film ist nett, mag aber irgendwie nicht so richtig zu zünden. Ohne den Soundtrack wäre nicht viel mehr von dem Film übrig geblieben. Wer auf 80s-Rock steht, wird seine Freude haben und insbesondere wer seine Jugend in den 80er Jahren verbracht hat, sollte auf jeden Fall mal hineinschauen. Die Story ist nicht besonders erwähnenswert, vor allem der Mainplot ist sehr unoriginell und die Liebesgeschichte erwartungsgemäß sehr kitschig. Die beiden Hauptdarsteller sind zwar musicaltauglich, erscheinen für die Darstellung eines Rockerpärchens aber nicht glaubwürdig. Dafür können die besetzten A-Class-Schauspieler absolut überzeugen. Insbesondere Tom Cruise als Stacee Jaxx ist das absolute Highlight des Films.

5/10

Review: The Avengers

Eines vorweg: Ich bin ehrlich gesagt kein großer Fan von Superhelden. Wenn, dann mag ich es eher „bodenständiger“, wie es beispielsweise Batman ist, der ja über keine übermenschlichen Fähigkeiten verfügt. Deswegen dürfen Kritiker, die es angesichts meiner Wertung sicherlich geben wird, natürlich durchaus mein Review in Frage stellen – tut euch keinen Zwang an. Nichtsdestotrotz muss ich für The Avengers auch unter Berücksichtung dessen einfach konstatieren: Don’t Trust The Hype! Denn dafür weist der Film einfach zu viele Mängel auf, über die auch die gut gefilmten Actionsequenzen nicht hinwegtäuschen können.

Ein merkwürdiger Energiewürfel sowie ein pseudocooler Bösewicht in stylischer Lederkluft (die er später zugunsten einer lächerlichen, gehörnten Rüstung aufgibt) – der Film fing für mich schon mal etwas gewöhnungsbedürftig an. Aber das wären comicbedingte Punkte, die ich also im Grunde nicht hervorhebend als Kritik berücksichtigen möchte.

Grundsätzlich ist die erste Stunde des Films einfach relativ uninteressant, um nicht zu sagen langweilig. Der Film nimmt sich sehr viel Zeit, die verschiedenen Charaktere einzuführen, ohne das aber besonders spannend zu gestalten. Auf die Problematik der Charaktere möchte ich später ohnehin noch einmal zu sprechen kommen.

Ein Pluspunkt – auch bereits in der ersten Hälfte des Films – ist ganz klar der Humor. An einigen wenigen Stellen kratzt er zwar doch an der Grenze nur Albernheiten, aber größtenteils ist er wirklich gut und pointiert eingewoben. Vor allem die verschiedenen verbalen Schlagabtausche – meist natürlich in Beteiligung von Tony Stark a.k.a. Iron Man – lockern den Film auf. Autor/Regisseur Joss Whedon beweist hier sein gutes Gespür für gelungenen und an den richtigen Stellen platzierten Witz.

Auch die Besetzung kann sich sehen lassen. Allen voran natürlich Scarlett Johansson, die nicht nur unbeschreiblich heiß, sondern bekanntermaßen auch übermäßig talentiert ist. Auch Robert Downey Jr. überzeugt einmal mehr in seiner Rolle als überheblicher, aber dennoch irgendwie sympathischer Tony Stark. Positiv überrascht hat mich auch Mark Ruffalo als Bruce Banner/Hulk – auch wenn der vormalige Hulk-Darsteller Edward Norton zweifelsohne noch ein anderes Kaliber ist. Samuel L. Jackson ist gewohnt die personifizierte Coolness. Und dann gibt es da noch…na ja…Chris Hemsworth und seine Muskeln. Etwas irritierend fand ich jedoch die meiste Zeit Cobie Smulders als Agent Hill. Weniger aufgrund ihrer schauspielerischen Qualitäten, keineswegs, sondern einfach, weil ich sie nach bald sieben Jahren How I Met Your Mother einfach allzu sehr mit Robin Scherbatsky aus ebenjener Sitcom assoziiere.

Also, der Cast kann jedenfalls weitestgehend wirklich überzeugen. Das Problem ist jedoch die Auslegung der jeweiligen Rollen. Es wird einfach nicht geschafft, eine emotionale Bindung zwischen Publikum und den Protagonisten herzustellen. Dadurch ist dem Zuschauer ihr Schicksal mehr oder weniger gleichgültig. Und bei einem Film, bei dem genrebedingt im Grunde schon von Anfang an klar ist, dass am Ende die Helden die Erde retten werden und somit dahingehend keine Spannung aufgebaut werden kann, muss die Gleichgültigkeit gegenüber den agierenden Protagonisten eigentlich als dramaturgischer Genickbruch angesehen werden.

So ist dies dann möglicherweise auch der Grund, weshalb The Avengers  in der über zweistündigen Laufzeit sehr häufig relativ langweilig erscheint – auch wenn das in der zweiten Hälfe dahingehend eine merkliche Steigerung gegenüber der ersten Hälfe gibt. Ein weiterer Grund ist dann doch der eher platte Plot und damit verbunden der leider etwas blass bleibende Bösewicht. Scheint man zu Beginn noch mit der Frage nach der Freiheit eine interessante, fast schon philosophische Grundrichtung einzuschlagen, verpufft diese relativ bald zu einem ausgelutschten Motiv der reinen Besessenheit von der Weltherrschaft.

Der Showdown ist schließlich eine übertriebene Action- und Effektschlacht gigantischen Ausmaßes. Ein absoluter CGI-Overflow. Aber was soll ich sagen? Dieser macht wirklich Spaß. Hirn abschalten und von der Action berieseln lassen heißt die Devise – die letzten rund 20 Minuten können daher wiederum als gelungen betrachtet werden und suggerieren letztlich einen besseren Gesamteindruck, als der Film die vorhergegangenen zwei Stunden vermittelte.   

Fazit: Was die Action betrifft, kann der Film definitiv auf ganzer Linie überzeugen. Das  Problem ist jedoch, dass man damit nicht über zwei Stunden interessant ausfüllen kann. Ein platter Plot mit einem blassen Bösewicht und seinem stereotypen Motiv sowie die fehlende emotionale Bindung zwischen Publikum und Protagonisten bei gleichzeitiger genrebedingter Vorhersehbarkeit des Endes machen in meinen Augen The Avengers leider zu einem eher recht langweiligen und zähen Film. Ich weiß, dass ich mit dieser Meinung weitestgehend alleine dastehe. Die Milliarde bei den Einspielergebnissen nach gerade einmal 18 Tagen erreicht, unzählige begeisterte Kinobesucher, fast ebenso viele positive Kritiken von den verschiedensten Rezensenten, ein großer Hype um den Film. Das alles lässt mich natürlich als ziemlichen Geisterfahrer erscheinen. Und Kritiker werden mir – vielleicht zurecht – vorwerfen, dass ich den Film nicht aussagekräftig beurteilen kann, wenn ich mit Superhelden in der Regel ohnehin nicht allzu viel anfangen kann. Nur habe in meinem Review weitestgehend versucht, diese Tatsache außer Acht zu lassen (was ich natürlich nicht vollständig ausblenden kann, zugeben) und mich auf allgemeine filmische Mängel zu stützen. Letztlich ist mein Review natürlich wie jede Filmkritik eines jeden Kritikers immer nur subjektiv. Letztlich kann ein jeder nur für sich selbst entscheiden, wie er zur großen positiven Resonanz von The Avengers steht – vielleicht wird er sagen: „So viele Menschen können nicht irren.“ Oder aber der Devise „Der größte Haufen zieht die meisten Fliegen an“ folgen. Diese Entscheidung kann und werde ich niemandem abnehmen. Eines ist Joss Whedon jedoch anzurechnen: Ihm ist es tatsächlich gelungen, das große grüne Etwas namens Hulk sogar relativ cool dastehen zu lassen.

4,5/10

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